Taliban-Vormarsch Nato-Chef verlangt Strategieschwenk in Afghanistan

Bei der blutigsten Taliban-Attacke seit mehr als einem Jahr sind in Afghanistan acht US-Soldaten ums Leben gekommen. Wegen der explosiven Lage fordert nun auch Nato-Generalsekretär Rasmussen einen Wechsel der Strategie - er will die einheimischen Truppen stärken, zugleich aber mehr internationale Militärs.

US-Marines unter Beschuss der Taliban: "Enormes Risiko für den Westen"
AP

US-Marines unter Beschuss der Taliban: "Enormes Risiko für den Westen"


London - Angesichts des Vormarschs der aufständischen Taliban in Afghanistan mehren sich die Rufe nach einer Aufstockung der internationalen Truppen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat zudem einen Strategiewechsel für den Einsatz am Hindukusch gefordert. Der neue Ansatz müsse die einheimische Bevölkerung in den Mittelpunkt stellen, sagte er am Sonntag im britischen Fernsehsender Sky News. Außerdem müsse sich die Nato stärker auf die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte konzentrieren. Ziel sei eine 130.000 Mann starke afghanische Armee sowie eine Polizeitruppe im Umfang von 80.000 Mann, sagte Rasmussen. Dafür seien rund 17.000 Ausbilder nötig.

Rasmussen wollte sich nicht darauf festlegen, wie viele zusätzliche Nato-Soldaten in Afghanistan gebraucht würden. "Ich denke, wir müssen mehr tun, aber es ist noch zu früh um genau zu sagen, wie viel", sagte der frühere dänische Ministerpräsident. Auch zu einem konkreten Zeitplan für einen Abzug der internationalen Truppen wollte sich der Nato-Generalsekretär nicht äußern.

Der britische Generalstabschef David Richards schloss sich am Wochenende Forderungen nach mehr internationalen Soldaten an. Sollte es der Nato nicht gelingen, das Land zu stabilisieren, sei das Risiko für den Westen "enorm", sagte Richards dem "Sunday Telegraph". Ein Sieg über die internationalen Truppen in Afghanistan würde radikalislamische Aufständische in der Region und auf der ganzen Welt "mitreißen". Schon allein wegen der pakistanischen Atombomben sei das Nachbarland für sie ein "verlockendes Ziel", erklärte Richards. Dies sei ein "schreckenerregender Ausblick". Eine Truppenaufstockung könne der Nato helfen, den "psychologischen Kampf" zu gewinnen.

Zuvor hatte bereits der Isaf-Oberkommandierende Stanley McChrystal vor einer Niederlage gewarnt, sollten nicht rasch mehr Truppen entsandt werden.

In diesem Jahr schon 394 ausländische Soldaten getötet

An diesem Wochenende kamen in Afghanistan allein 14 US-Soldaten ums Leben. Beim blutigsten Angriff der Taliban seit mehr als einem Jahr wurden acht US-Soldaten und zwei afghanische Sicherheitskräfte getötet. Die US-Soldaten starben in der östlichen Provinz Nuristan an der Grenze zu Pakistan, wie die Isaf am Sonntag mitteilte. Etwa 300 Taliban-Kämpfer hätten am Samstag im Morgengrauen von zwei Seiten aus zunächst den Stützpunkt am Fuß des Bergs angegriffen, sagte der Polizeichef von Nuristan, Mohammad Kasim Dschangulbagh. Danach attackierten sie den Posten am Gipfel, der von US-Truppen gesichert wurde. Die US-Luftwaffe griff mehrfach mit Luftschlägen in die Kämpfe ein. Die Aufständischen hätten das Feuer unter anderem aus einer Moschee heraus eröffnet, hieß es. Ein Taliban-Sprecher gab die Zahl der getöteten ausländischen und einheimischen Soldaten mit 30 an. Es war der schwerste Verlust für die internationalen Truppen seit dem Tod von zehn französischen Soldaten im August 2008.

Zwei weitere US-Soldaten wurden nach Angaben der US-Armee vom Samstag bei einem Taliban-Angriff im Osten des Landes getötet. Vier Amerikaner starben in der Region zudem bei Explosionen versteckter Sprengsätze am Straßenrand. Damit starben nach Angaben der unabhängigen Internetseite icasualties.org in diesem Jahr bereits 394 ausländische Soldaten in Afghanistan, darunter 236 Amerikaner.

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, sieht in der gestiegenen Gewalt in Afghanistan nicht die Gefahr einer Rückkehr der Taliban an die Macht. "Afghanistan steht nicht vor dem Scheitern", sagte James dem Nachrichtensender CNN.

ler/AFP/dpa



insgesamt 1800 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AndyH 09.09.2009
1.
Das wird eine neue 30 jährige Krieg. Das Ende kommt wenn Pakistan kippt. Dann wird es ernst.
backtoblack 09.09.2009
2. Zwei Jahre noch!
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Ende dieses Jahres muss der neu gewählte Bundestag ohnehin über die Verländerung des Mandats befinden. Bis dahin sollte, von welcher einsatzkritschen Partei auch immer, ein Ausstiegsszenario vorliegen. Zwei Jahre dürften genügen, die Rudimente dessen zu schaffen, was man ja ohnehin schon tun wollte, z.B. für eine effiziente Polizeistruktur. Unabdingbar dafür ist, wie heute zu Recht die russische Zeitung Kommersant kommentierte, dass die Wahlen bis dahin eine glaubwürdige Regierung hervorgebracht haben. Wir alle wissen, dass dies wohl kaum der Fall sein wird. Dann darf die potentielle Karsai-Regierung aber auch von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt werden. Eine Exit-Strategie funktioniert nur mit einer leidlich glaubwürdigen Regierung. Man mag dies alles für nicht machbar halten. Die Alternative ist dann ein nicht-endenwollender Krieg, die Bundeswehr als Anti-Guerrilla-Einheit und ein verdammt hoher Blutzoll. Möchte wissen, welche Bundesregierung einen solchen Krieg politisch durchstehen will, der jetzt schon länger dauert als der zweite Weltkrieg.
Krischan01 09.09.2009
3. Schon längst werden wir alle zu Mördern.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Am besten wahre ein schnellst möglicher Abzug der Soldaten in einem Geordneten Rückzug mit Anschließender Ziviler Aufbauhilfe! Schon längst werden wir alle zu Mördern. Zumindest trifft das auf alle Befürworter des Kriegs in Afghanistan zu und jene die Schweigen machen sich zumindest mitschuldig. Auch wenn Kriegsminister Jung alle Gegner des Kriegs in Deutschland Unverholen zu Unterstützern der Taliban verunglimpft gibt es immer weniger Menschen in Deutschland die sich Blenden lassen und am Tot unschuldiger Kinder wie beim letzten von der Bundswehr zu verantwortenden Luftschlag auf gestohlene Tankwagen das wie es heißt Robuste Mandat unterstützen wollen. Nach dem zwischen Aufklärung und Luftschlag durch das zögern des Verantwortlichen Oberst Klein eine zu lange Zeit vergangen war hätten Kenner der Situation in Afghanistan davon ausgehen müssen das sich die Situation geändert hat und eine Gefährdung unschuldiger nicht mehr ausgeschlossen ist. Noch schlimmer als diesen Fehler des Oberst schätze ich dir Vertuschungsversuche ein die uns von einem Erfolg der vermeintlichen Angriffe unterjubeln sollten. Schon mehr als Peinlich ist es in diesem Zusammenhang wenn wir durch die Chef - Agitatoren von Phönix weiter darauf eingeschworen werden unsere angeblichen Versprechen die Rechte der Afghanen mit Gewalt zu Verteidigen. Unterdessen so kann man in der Neuen Züricher Zeitung lesen "spricht ein Distrikt-Gouverneur sogar von 135 Toten. Abdul Wihid Omarkhel sagte der Nachrichtenagentur DPA, er habe eine Liste der Opfer erstellt und der Delegation von Präsident Hamid Karsai übergeben, die den Vorfall ebenfalls untersucht. Es sei unklar, wie viele der Toten Zivilisten gewesen seien. Unter den Opfern seien aber viele Kinder." Die Offiziellen Zahlen der Opfer haben sich mittlerweile als Falsch erwiesen und sollten wahrscheinlich die Bürger bis nach der Wahl täuschen
Specht, 09.09.2009
4.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Nach Akzeptanz einer neuen Marionettenregierung, deren Inauguration durch Wahlbetrug zustandekam, muss dieser Regierung dringend eine schlagräftige Polizei zur Seite gestellt werden. Nach Einrichtung dieses funktionsfähigen Polizeistaates können wir unsere Demokratie- und Freiheitsmission einstellen und abziehen. Die Afghanen werden uns das auf ihre Weise vergelten.
gg art 5 09.09.2009
5.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Antwort ist doch klar. Solange USA es will.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.