Dialogkonferenz in Katar Taliban wollen Gewalt in Afghanistan reduzieren

In einer ersten Annäherung haben Taliban mit Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft bei einer Konferenz in Doha sehr emotional über ihr Land diskutiert. Nun erklären sie: Es soll keine zivilen Opfer mehr geben.

Taliban und Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft reden über Frieden
AFP/ KARIM JAAFAR

Taliban und Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft reden über Frieden


Mit der afghanischen Regierung wollen die radikalislamischen Taliban nicht sprechen. Seit Sonntag tauschen sie sich dennoch mit Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft aus. Die Politiker sind bei der Dialogkonferenz, die von Deutschland und Katar in der Hauptstadt Doha ausgerichtet wird, als Privatpersonen anwesend. In Afghanistan lösen die Gespräche nun vorsichtige Hoffnung auf Frieden aus.

Laut der in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung zum Ende der Konferenz beabsichtigen beide Seiten eine Reduzierung der Gewalt in dem kriegszerrissenen Land. Angriffe auf religiöse Zentren, Schulen, Krankenhäuser, Bildungszentren, Basare, Wasserdämme oder Arbeitsplätze sollen demnach eingestellt werden. Die Zahl der zivilen Opfer solle auf Null gesenkt werden. Ältere, behinderte und kranke Gefangene freigelassen werden. Unklar blieb zunächst, ab wann diese Zielsetzung gelten soll.

Frauenrechte werden noch nicht voll anerkannt

Frauen wurde die Aufrechterhaltung ihrer Rechte in den Bereichen Soziales, Wirtschaft, Bildung und Kultur "im Rahmen der islamischen Werte" zugesichert, ohne diesen Rahmen näher zu erläutern. Laut einem Teilnehmer weigern sich die Taliban aber, die breiter gefassten internationalen Verpflichtungen Afghanistans anzuerkennen, insbesondere jene im Bereich Frauenrechte. "Wir hoffen, dass diese bald Gegenstand von Diskussionen in Verhandlungen mit der Regierung sein werden", schrieb der Teilnehmer auf Twitter.

Die Konferenz in der Hauptstadt des Golfstaats Katar lief teils sehr emotional ab. Teilnehmer und Journalisten berichteten von hitzigen Diskussionen und Berichten über Kriegsopfer, die die Anwesenden zu Tränen rührten.

Analysten zufolge ist das Ergebnis als nicht bindende Absichtserklärung zu werten. Am Ende der Konferenz gab es von mehreren Seiten großes Lob für den deutschen Afghanistan-Beauftragten Markus Potzel.

Ein Sprecher des Regierungsgeschäftsführers Abdullah Abdullah nannte die Konferenz einen "wichtigen Schritt". Man hoffe, dass das Treffen in der Folge zu Direktgesprächen zwischen den Taliban und Kabul führe.

Gewalt in Afghanistan dauert trotz der Friedensgespräche an

Um den Konflikt in Afghanistan beizulegen, laufen intensive diplomatische Bemühungen. Seit Juli 2018 führen die USA direkte Gespräche mit Taliban-Vertretern. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban zur Terrorismusbekämpfung. Gleichzeitig wird versucht, innerafghanische Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung in die Wege zu leiten.

Die Gewalt in Afghanistan dauert trotz laufender Gespräche über ein Ende des Konfliktes an. In der südostafghanischen Provinzhauptstadt Gasni detonierte eine Autobombe nur wenige Stunden, bevor die Dialogkonferenz in Doha begann. Dabei wurden mehrere Menschen getötet.

mfh/dpa



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