Konflikt in der Straße von Hormus Iran und Großbritannien auf Kollisionskurs

Die Briten sprechen von einer feindlichen Handlung, Iran verkündet, auf alle Szenarien vorbereitet zu sein: Nachdem Teheran einen britischen Tanker festgesetzt hat, ist die Lage international angespannt.

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Die britische Regierung prüft nach den Vorfällen in der Straße von Hormus eine "Reihe von Optionen" gegen Iran. Das sagte Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood am Sonntag dem Nachrichtensender Sky News. Der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) hatte zuvor zwei Mal über die Situation beraten.

Außenminister Jeremy Hunt will die politischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Teheran am Montag bekanntgeben. Unbestätigten Medienberichten zufolge, könnte auch das Einfrieren von iranischem Vermögen eine der Reaktionen sein.

Einen Militäreinsatz hatte Hunt bereits zuvor abgelehnt, aber im Schulterschluss mit den USA "ernsthafte Konsequenzen" angedroht. Die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt sprach sogar von einer "feindlichen Handlung".

Briten verurteilen "illegalen Eingriff in das Völkerrecht"

In einem Schreiben an den Uno-Sicherheitsrat verurteilte die britische Regierung das iranische Vorgehen als illegalen Eingriff in das Völkerrecht, weil das Recht auf Durchreise nicht behindert werden dürfe. "Wir suchen nicht die Konfrontation mit Iran", heißt es in dem Brief. Aber eine Bedrohung der freien Schifffahrt sei "inakzeptabel und eskalierend"

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb am Sonntag auf Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. "Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet", so der Diplomat.

Iran hatte den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" am Freitag festgesetzt. Britische Medien veröffentlichten am Wochenende Audioaufnahmen von dem Vorfall. Der Tanker sei rechtswidrig in den Gewässern des Omans gestoppt worden, heißt es von Seiten der Briten.

EU-Staaten forderten eindringlich die sofortige Freigabe des Schiffes. Die Bundesregierung rief Teheran auf, die "Stena Impero" und ihre Besatzung unverzüglich freizugeben. Ähnlich äußerte sich Frankreich. Das EU-Büro für Auswärtige Angelegenheiten brachte tiefe Besorgnis über die Vorgänge zum Ausdruck. Die Nato kritisierte die "destabilisierenden Aktivitäten Irans".

Iran: "rechtmäßige Anwendung internationalen Seerechts"

Irans Außenminister Sarif verteidigte die Maßnahme als rechtmäßige Anwendung internationalen Seerechts. "Es ist Iran, das die Sicherheit im Persischen Golf und in der Straße von Hormus garantiert", schrieb er auf Twitter.

Teheran wirft dem britischen Tanker vor, mit einem iranischen Fischkutter zusammengestoßen zu sein und gegen internationale Schifffahrtsregeln verstoßen zu haben.

Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation des Konflikts ist der 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker "Grace 1" mit Öl aus Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Das Fahrverbot gilt derzeit bis zum 20. August.

"Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren", so Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Großbritannien müsse aufhören, "ein Zubehör des Wirtschaftsterrorismus der USA" zu sein.

Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Der Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben.

Oman drängt auf diplomatische Lösung

Der Oman drängte derweil Großbritannien und Iran zu einer diplomatischen Lösung. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium. Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt Oman gute Beziehungen zu Iran.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hielten sich mit Äußerungen zu dem Konflikt zurück.

wbr/dpa

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