Tausend Tote Amnesty prangert Kriegsverbrechen in Zentralafrika an

Christliche und muslimische Rebellen sind für grausame Gräueltaten in Zentralafrika verantwortlich, warnt Amnesty International. Muslimische Milizen hätten innerhalb von zwei Tagen fast tausend Erwachsene und Kinder ermordet. Die Organisation fordert: Uno-Truppen sollen Zivilisten schützen.

Afrikanische Schutztruppe in Zentralafrika: Größere internationale Mission gefordert
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Afrikanische Schutztruppe in Zentralafrika: Größere internationale Mission gefordert


Bangui - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert den raschen Einsatz einer Uno-Friedenstruppe in Zentralafrika - nur so könnten die von Terror und Gewalt bedrohten Zivilisten geschützt werden.

Amnesty hat nach den letzten Kämpfen in dem Krisenland eine Delegation in die Zentralafrikanische Republik geschickt, die nun einen erschütternden Bericht vorgelegt hat. Demnach haben muslimische Rebellen Anfang des Monats fast tausend Menschen getötet. Es war ein Racheakt von Seleka-Rebellen, nachdem christliche Milizen in der Hauptstadt Bangui rund 60 Muslime getötet hatten. Sie waren von Tür zu Tür gegangen und hatten muslimische Männer erschossen.

Die Seleka-Rebellen schlugen danach unter der christlichen Bevölkerung "im größeren Maßstab zurück", wie es in dem Amnesty-Bericht heißt. Innerhalb von zwei Tagen töteten sie Hunderte Männer, Frauen und Kinder.

Die Recherchen vor Ort hätten ergeben, dass "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit von beiden Konfliktparteien begangen werden", erklärt Amnesty. So habe es Exekutionen gegeben, Leichen seien verstümmelt worden, viele Menschen gewaltsam vertrieben worden. Die Uno hatte zuvor von rund 600 Toten bei Gewaltakten zu Beginn des Monats gesprochen, davon 450 in Bangui.

In Zentralafrika herrscht Chaos, seit das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Seleka im März Staatschef François Bozizé stürzte. Rebellenchef Michel Djotodia wurde Übergangspräsident und löste die Seleka auf. Nach wie vor bekämpfen sich Muslime und Christen aber.

Frankreich ist derzeit mit 1600 Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik im Einsatz, um gemeinsam mit der afrikanischen Truppe MISCA der Gewalt in dem Krisenstaat ein Ende zu bereiten. Bei einem Gefecht in Bangui starben vergangene Woche zwei französische Soldaten.

kgp/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
heinz.wutz 19.12.2013
1. Die Franzosen
sollen nach Hause gehen und sich da raus halten. Sollen die Afrikaner das unter sich ausmachen. Ist halt pech, wenn da ein paar tausend Menschen sterben. Hauptsache der Westen hält sich raus. Alles andere ist doch egal.
fanlula 19.12.2013
2. ...?
heinz.wutz , eine Frage hätte ich ? zurück ziehen, das gilt dann auch für wirtschaftliche Interessen oder? z. B. dem Raub von Rohstoffen!
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