Chávez-Nachfolger Tausende Venezolaner protestieren gegen Maduro

Nicolás Maduro ist jetzt offizieller Nachfolger von Hugo Chávez im Amt des venezolanischen Staatschefs - aber der neue Präsident hat beim Volk einen schweren Stand: In Caracas protestierten Tausende gegen den 50-Jährigen, der die Wahl nur knapp gewonnen hatte.

Aufgebrachte Demonstranten: Protest gegen Nicolás Maduro in Caracas
DPA

Aufgebrachte Demonstranten: Protest gegen Nicolás Maduro in Caracas


Caracas - Der sozialistische Politiker Nicolás Maduro ist offiziell zum neuen Präsidenten Venezuelas ausgerufen worden. Nach der Erklärung der nationalen Wahlbehörde gingen am Montag (Ortszeit) Tausende Menschen in der Hauptstadt Caracas auf die Straße und protestierten gegen Maduro. Der bei der Wahl am Sonntag knapp unterlegene konservative Oppositionskandidat Henrique Capriles verlangte eine Neuauszählung der Stimmen.

Die Chefin der nationalen Wahlbehörde, Tibisay Lucena, rief den bisherigen Interimspräsidenten Maduro zum neuen Präsidenten aus. Maduro habe bei der Wahl 50,75 Prozent der Stimmen erhalten, Capriles habe 48,97 Prozent erreicht, sagte sie. Maduro bezeichnete sich als "Sohn" des vorherigen Staatsoberhaupts Hugo Chávez. Der Präsident war am 5. März an Krebs gestorben und hatte seinen Vizepräsidenten Maduro zuvor zum Wunschnachfolger auserkoren. "Ich werde sein Vermächtnis erfüllen", versicherte Maduro am Montag.

In Caracas gingen nach der offiziellen Ausrufung Maduros mehrere Tausend Menschen auf die Straße. Sie riefen "Betrug", schlugen auf Töpfe und verbrannten Müllsäcke. An einer Stelle setzte die Polizei Tränengas ein, um Teilnehmer des Protests auseinander zu treiben.

"Wir sind hier, weil sie unsere Stimmen gestohlen haben. Sie haben uns betrogen", sagte die 60-jährige Selma Orjuela. Sie sei überzeugt, dass in Wirklichkeit Capriles die Wahl gewonnen habe.

Der unterlegene Oppositionskandidat hatte zuvor zu Protesten aufgerufen. Er forderte eine Neuauszählung der Stimmen und warnte vor der Vereidigung eines "unrechtmäßigen Präsidenten". Es habe 3200 "Zwischenfälle" während der Wahl gegeben, die untersucht werden müssten, erklärte Capriles. Sämtliche Kontrollausdrucke der elektronischen Wahlmaschinen müssten geprüft werden.

Lucena wies Zweifel an der Technik zurück. Sie forderte die Opposition auf, den "rechtlichen Weg" zu beschreiten, anstatt "Drohungen" zu benutzen.

Capriles' Anhänger planten auch für Dienstag und Mittwoch Demonstrationen gegen Maduro. Der Wahlsieger rief seine Unterstützer zu Gegenkundgebungen auf. Seine Anhänger sollten im ganzen Land "in Frieden kämpfen", sagte Maduro. Der Opposition unterstellte er eine "Putsch-Mentalität". Vor dem Sitz der Wahlbehörde feierten Hunderte Anhänger von Chávez den Sieg Maduros. "Chávez lebt. Der Kampf geht weiter", riefen sie.

Während die Staatsspitzen Russland, Weißrusslands und auch Brasiliens Maduro umgehend gratulierten, fiel die Reaktion andernorts frostiger aus. US-Präsident Barack Obama ließ über seinen Sprecher ausrichten, angesichts der "Knappheit des Ergebnisses" wäre die Überprüfung ein "wichtiger, weiser und notwendiger Schritt", damit alle Venezolaner "Vertrauen" in das Wahlergebnis hätten. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten forderte eine Neuauszählung der abgegebenen Stimmen und bot den venezolanischen Behörden dafür Hilfe durch ein Team von Wahlexperten an.

Maduro soll am Freitag vereidigt werden. Seine Amtszeit dauert bis 2019.

hen/AFP



insgesamt 37 Beiträge
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Walter Sobchak 16.04.2013
1.
Natuerlich hat er einen schweren Stand und tausende protestieren gegen ihn. Aehnliches konnten wir hier ja auch schon ueber Chavez lesen. Nur stimmen tat es eben nicht. Es war nur Anti-Venezuela Hetze angestachelt von den oberen 1% den es unter Chavez nicht mehr nur alleine gut zu gehen schien.
querdenker22 16.04.2013
2. Bei den USA lernen,
heißt siegen lernen! So gesehen hat Venezuela eine vorbildliche Wahl hingelegt. Denn in den USA sind nicht mal unabhängige Wahlbeobachter zugelassen. Und die vorletzte Wahl war mindestens ähnlich knapp. Also sollten sie den Mund mit "hilfreichen Vorschlägen" nicht zu voll nehmen.
johannes.kepler 16.04.2013
3. Maduro ist kein Sozialist
Als Venezolaner kann ich sagen: Maduro ist ein radikaler Chavista und das ist was anderes als Sozialist. Mit Sozialdemokratie hat das nichts, nichts zu tun, auch wenn Heinz Dieterich, obskurer deutscher Soziolog, der in Mexiko wohnt, das sagt. Hat der Journalist, der diesen Artikel geschrieben hat, sich die Mühe gegeben, das Programm von Capriles zu lesen? Sicher nicht. Capriles vertritt eine Union demokratischer Parteien, die von sehr links bis rechts reichen. "Rechts" steht aber in Venezuela viel mehr nach links als in Deutschland. Unter den Parteien, die Capriles unterstützen stehen die Sozialdemokraten und Causa Radical, eine Partei, die sehr links steht, sowie Primero Justicia, Capriles Partei, die zwar Links mit der Christdemokraten in Europa hat, aber wirtschaftlich und sozial ganz links von ihnen steht. Die Militärs haben viele Kisten mit Stimmzetteln verbrannt. Der Wahlra stand immer völlig auf Seite der Chavistas, bis auf einen sekundären Angestellten, der völlig ignoriert wurde. Am Tag der Wahlen haben Motorradfahrer, die Chavistas sind, die Leute immer wieder terrorisiert, damit sie nicht zur Urne gingen. Es gab immer wieder Fälle, wo die Chavista-Beamnte Menschen zur Wahlurne begleitet haben. Chavistabeamten konnten den ganzen Tag Propaganda für Maduro machen. Alle LKWs und PKWs des Staates wurden benutzt, um Wähler für Maduro zu mobilisieren. Davon gibt es jede Menge Beweise. Die einzigen, die hier Gewalt wollen, sind die Leute der Regierung. Sie waren schon früher Putschisten. Maduro hat in den Achtzigern in Cuba lange Zeit gewohnt und bekam da Training. Der Kerl ist nicht besonders intelligent, von ihm hängen aber milliardenschwere Verträge mit den Russen, mit den Chinesen und nun mit den Brasilianern. Das ist alles. Venezuelas Regierung hat in den letzten Jahren mehr Waffen importiert als Argentinien oder Brasilien, die eine Wirtschaft haben, die viel grösser ist als die vom armen Venezuela.
kalle blomquist 16.04.2013
4. Letzte Chance
Capriles und alle nicht ganz auf den Kopf gefallenen Venezolaner wissen: Jetzt ist die letzte Chance, den Übergang der Halb-Diktatur in eine Voll-Diktatur nach kubanischem Muster zu verhindern. Der große Verführer selbst konnte sich den Demokratie-Rest ja leisten, da er auf sein Charisma vertrauen und Wahlen daher auch demokratisch gewinnen konnte. Das kann Maduro und können die Bonzen des ruinösen Chavez-Systems nicht. Und das wiederum wissen Capriles und die Venezolaner. Wenn sie jetzt Maduro nicht noch verhindern, senkt sich voraussichtlich die Nacht des Totalitarismus über dem Land, die letzten freien Zeitungen und Radiokanäle werden geschlossen, die chavistischen Schlägerbanden bekommen von oben einen Wink, dass abweichende Intellektuelle nicht mehr zu schonen sind, die Bürgerlichen und Ausgebildeten verlassen in Scharen das Land, solange dies noch legal möglich ist. Ich drücke Capriles die Daumen. Die tapferen Venezolaner haben dieses Elend, diese Demagogie nicht verdient.
robert.haube 16.04.2013
5. Putschist Capriles
Capriles war zu seiner Zeit als einer der Bezirksbürgermeister von Caracas am Putsch gegen Chavez beteiligt. Sollte er noch einmal einen Putsch versuchen, werden ihn die Chavistas dieses Mal am Schlafittchen packen.
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