Taylors Nachfolger Des Teufels General

Der Schlächter ist fort, es lebe sein Helfer. Seit wenigen Stunden ist Moses Blah Liberias neuer Präsident. Doch die Hoffnungen, dass Blah dem geschundenen Land Frieden bringen kann, sind gering. Denn der Nachfolger des blutrünstigen Tyrannen Taylor hat selbst eine finstere Vergangenheit.

Von Manuel Bödiker


Moses Blah: Vertreter des alten Systems statt Hoffnungsträger für den Frieden
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Moses Blah: Vertreter des alten Systems statt Hoffnungsträger für den Frieden

Hamburg - Als Moses Blah kürzlich in einer Pressekonferenz seine politischen Ziele erklärte, offenbarte er keine großen Pläne. Er wolle nur die Ordnung wiederherstellen, beteuerte der 56-Jährige, darüber hinaus hege er keine politischen Ambitionen.

Wenig später sank der Vater von mehr als zehn Kindern in seinem schwarzen Sofa zusammen und raunte: "Ich brauche eine Pause. Ich will mich auf meinen Landsitz zurückziehen und mit meinen Enkeln spielen."

Blah hat sich auch in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr in die Öffentlichkeit gedrängt. Seit er im Jahr 2000 von Taylor zum Vizepräsidenten gewählt wurde, trat er im Gegensatz zum Staatschef sehr zurückhaltend auf. Statt sich chauffieren zu lassen, setzte er sich bei Autofahrten oft selbst hinters Steuer. Für seine Sicherheit war nur ein Leibwächter abgestellt - und oft verzichtete Blah sogar auf diesen. Blah schien sich nicht vor Anschlägen auf seine Person zu fürchten.

Ein Mann Taylors

Doch ob er das vom Bürgerkrieg geplagte Land in eine bessere Zukunft führen kann, scheint mehr als fraglich. Kann er die zerstrittenen Gruppen einen? "Auf keinen Fall", sagt Liberia-Experte Stephen Ellis von der Universität Leiden im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Blah sei ganz klar ein Anhänger Taylors und habe deshalb keinen Einfluss bei den aufständischen politischen Gruppen.

Zwar rief Blah den Rebellen Anfang letzter Woche zu: "Lasst uns die Vergangenheit vergessen." Doch gerade die Vergangenheit ist der Grund, weshalb diese den neuen Staatschef nicht akzeptieren wollen. "Wir können ihn auf keinen Fall akzeptieren, er ist ein zweiter Taylor, und wir wollen einen neutralen Präsidenten", sagte am Samstag ein Rebellen-Sprecher dem französischen Sender RFI.

Zu lange ist Blah Diktator Taylor gefolgt. Selbst in der Krise schien er ihm treu zu bleiben. Anfang Juni, als Taylor sich in Ghana aufhielt, sollen die USA Blah aufgefordert haben, die Macht in Liberia zu übernehmen. Taylor lehnte diesen Putsch laut Pressemeldungen ab.

Blahs und Taylors gemeinsamer Weg begann in einem libyschen Militärtrainingslager, wo sie sich von 1985 bis 1989 zu Kämpfern ausbilden ließen. Das nordafrikanische Land spielt eine bedeutende Rolle in der liberianischen Politik, denn Libyens Staatschef Muammar Gaddafi galt stets ein treuer Unterstützer Taylors.

1989 kehrten Blah und Taylor nach Liberia zurück. Als Mitglieder einer aus 200 Mann bestehenden Guerillatruppe, aus der später die National Patriotic Front of Liberia (NPFL) hervorging, fielen sie von der Elfenbeinküste in das Land ein. In Taylors Rebellenarmee stieg Blah zum Militärführer auf und war anschließend als "Generalinspektor für Disziplin" für Exekutionen verantwortlich. Gemeinsam fachten sie den Aufstand gegen Staatschef Samuel Doe an. Dessen Soldaten hatten zuvor bei einem ethnisch motivierten Massaker Blahs erste Frau getötet.

Blah erlangte während des Bürgerkriegs den Ruf eines gefürchteten Truppenführers und den Rufnamen "Taylors General". Seine und andere Truppen mordeten und brandschatzten sich bis zur Hauptstadt Monrovia vor. Schätzungsweise 100.000 bis 250.000 Tote forderte der Bürgerkrieg.

Staatschef Doe wurde vor laufender Kamera zu Tode gequält und Taylor 1997 zum neuen Präsidenten erklärt. Moses Blah bekam in dieser neuen Regierung zunächst keinen Posten. Er wurde als Botschafter nach Libyen und Tunesien geschickt. Im diplomatischen Dienst kamen ihm seine umfassenden Sprachkenntnisse zu Gute: Neben Englisch und seiner Muttersprache Dan spricht Blah fließend Arabisch und Französisch. In seiner Freizeit treibt Blah gerne Sport und beschäftigt sich mit Fotografie.

Zur Nachfolge von Taylor prädestiniert ihn vor allem der große Einfluss, den Blah als ehemaliger General bei den Regierungstruppen besitzt. Doch genau deshalb lehnen ihn die Rebellen der Vereinigten Liberianer für Versöhnung und Demokratie (Lurd) so vehement ab.



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