Teheran Polizei geht brutal gegen Demonstranten vor

Irans Opposition ist zurück auf der Straße, die Lage in Teheran ist gefährlich: In der Hauptstadt ist es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der Reformbewegung gekommen. Nach Berichten der Regimegegner schießt die Polizei sogar auf Demonstranten.


Teheran - Die Meldungen aus Teheran überschlagen sich: Am 30. Jahrestag des Geiseldramas an der US-Botschaft in Teheran ist die iranische Polizei scharf gegen oppositionelle Demonstranten vorgegangen. Auf einer Website der Reformer heißt es, die Polizei habe im Zentrum Teherans das Feuer auf die Protestler eröffnet. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Teilnehmer konnten zunächst nur Schüsse in die Luft bestätigen.

Zuvor hatten Augenzeugen berichtet, dass die iranische Polizei Tränengas und Gummiknüppel gegen die Anhänger von Oppositionsführer Hossein Mussawi einsetzte. Nach Augenzeugenberichten sind Tausende Regimegegner auf den Straßen. Die Polizei hat demnach mehrere Oppositionelle festgenommen. Es wurden auch Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi, der in der Wahl gegen Ahmadinedschad unterlegen war, Parlamentssprecher Mehdi Karrubi und Ex-Präsident Mohammed Chatami zu den Demonstrationen erwartet.

Die Zusammenstöße waren programmiert: Für den heutigen Mittwoch, dem Tag, an dem das iranische Regime den 30. Jahrestag der Stürmung der US-Botschaft in Teheran feiert, hatte auch die iranische Oppositionsbewegung zu Massenprotesten aufgerufen.

Die Behörden hatten der Opposition jede Kundgebung zum Jahrestag verboten und ein "entschlossenes" Vorgehen der Polizei angedroht.

Am 4. November 1979 hatten iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran besetzt und die Mitarbeiter 444 Tage als Geiseln genommen. Die USA unterhalten seither keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Teheran. Vor dem Gebäude, das jetzt von den Revolutionswächtern genutzt wird, kommen jedes Jahr mehrere tausend Demonstranten zusammen, verbrennen US-Flaggen und skandieren antiamerikanische Parolen.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte in einer Erklärung am Dienstag (Ortszeit) seinen Willen, einen Neuanfang in den Beziehungen zu Iran zu wagen. Die USA wollten die Vergangenheit hinter sich lassen und eine auf "gegenseitigen Interessen und Respekt" basierende Beziehung zu Iran aufbauen, sagte Obama. Die iranische Regierung müsse nun entscheiden, "ob sie den Blick weiter in die Vergangenheit richtet oder Entscheidungen trifft, um die Türen zu größeren Möglichkeiten, Wohlstand und Gerechtigkeit für ihr Volk aufzustoßen".

In der Islamischen Republik hatte es nach der Wiederwahl Ahmadinedschads im Juni die schwersten Unruhen seit drei Jahrzehnten gegeben. Milizen und Revolutionsgarden schlugen die Proteste der Opposition, die der Regierung Wahlbetrug vorwirft, gewaltsam nieder. Tausende Menschen wurden verhaftet, mehrere getötet. Die letzte größere Demonstration gegen Ahmadinedschad fand Mitte September statt.

anr/AFP/Reuters



insgesamt 2624 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paparatzi, 27.08.2009
1.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Ohne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
mbockstette 27.08.2009
2. Chamenei weist Vorwürfe gegen das Ausland zurück
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
"Bislang hieß es in Iran, fremde Mächte steckten hinter den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad. Von dieser Position weicht Ajatollah Ali Chamenei nun ab. Der geistliche Führer des Landes sieht keine Anzeichen für Aktivitäten des Auslands - und droht den Bassidsch-Milizen mit Strafverfolgung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html
BillBrook 27.08.2009
3.
Zitat von paparatziOhne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
Aber wie sollen da jemals wieder irgendwelche Wahlen stattfinden?
Leto_II., 27.08.2009
4.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Die Gegensätze scheinen ja auch zwischen Regierung und Staatsführung zu bestehen. Ahmadinedschad hat von seinem Chef eine Ohrfeige kassiert, innen- und aussenpolitisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html Wollen die beiden sich schon gegenseitig demontieren?
Leto_II., 27.08.2009
5.
Vielleicht wird ihm Ahmadinedschad zu mächtig oder er will den Klerus beruhigen. Rafsanjani hat erst kürzlich Chamenei den Rücken gestärkt und diese demontiert nun Ahmadinedschad.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.