Telefonat mit Bush Chirac kündigt "pragmatische Rolle" im Irak an

Zwischen Frankreich und den USA ist es nach monatelangen Differenzen im Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt zu einer Wiederannäherung gekommen. In einem Telefonat sprachen US-Präsident Bush und sein französischer Kollege Chirac vor allem über den Wiederaufbau des Irak.

Paris/Washington - Das Telefonat ist offenbar ein Zeichen für Jacques Chiracs Bemühen um eine Normalisierung der durch den Golfkrieg angespannten Beziehungen zu Washington. Es war das erste Mal seit dem 7. Februar, dass Chirac und George W. Bush miteinander gesprochen haben. Chiracs Sprecherin Cathérine Colonna teilte mit, dass Frankreich weiter auf einer zentralen Rolle der Vereinten Nationen bei der Gestaltung der Zukunft des Irak bestehe.

Auch der wichtigste Kriegsverbündete der USA, Großbritannien, tritt für eine wichtige Funktion der Uno ein. Dagegen fordern die USA die Hauptrolle für sich und ihre Alliierten. Colonna erklärte, Chirac habe Bush gesagt, dass Frankreich in Sachen Irak "pragmatisch und fallweise" handeln werde, besonders bei Themen wie Abrüstung, Sanktionen, Übergangsregierung, Ölvorkommen und Wiederaufbau.

Außerdem fragte Chirac nach den US-Absichten im Zusammenhang mit Syrien, nachdem Kommentare von US-Vertretern Spekulationen der Medien über eine eventuelle Strafaktion der USA gegen Syrien verstärkt hatten. Der französische Präsident habe deutlich gemacht, dass er keine Entwicklungen sehen möchte, die die Spannungen in der Region erhöhten, so die Sprecherin.

Chirac sei froh, dass das Regime von Saddam Hussein gefallen sei und dass der Krieg nur kurze Zeit gedauert habe. Er habe allerdings gegenüber Bush bekräftigt, dass er bei seiner grundsätzlich ablehnenden Haltung zum Krieg bleibe. Während Colonna den Meinungsaustausch "positiv" nannte, bezeichnete Bushs Sprecher Ari Fleischer das Gespräch als "geschäftsmäßig".

Es gebe weiter Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten, doch hindere dies Bush nicht daran, professionell mit einem Verbündeten zu arbeiten, sagte Fleischer. Frankreich, Deutschland und Russland hatten sich vehement gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und wollen, dass die Vereinten Nationen die entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung in dem arabischen Land übernehmen.

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