SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

29. Oktober 2006, 18:50 Uhr

Telefonat mit Merkel

Israels Premier ruft Luftwaffe zur Ordnung

Nach drei gefährlichen Zwischenfällen mit der deutschen Marine hat der israelische Premier Olmert seiner Luftwaffe befohlen, dass so etwas "nie wieder vorkommen" darf. Er rief noch am Abend Kanzlerin Merkel an und bat sie persönlich, den Auslandseinsatz fortzusetzen.

Jerusalem - Der israelische Premier Ehud Olmert hat die Zwischenfälle zwischen der Deutschen Marine und israelischen Kampffliegern bedauert. Solche Vorfälle sollten künftig vermieden werden: "Er stellt sicher, dass es nicht wieder vorkommt", sagte eine Sprecherin von Olmert in Jerusalem. Eine bessere Abstimmung sei geplant. Noch für den Abend war eine telefonische Absprache zwischen dem Premier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angesetzt. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte nach einem Treffen mit Olmert, dieser habe schon "Anordnungen getroffen", dass es in Israel künftig technische Absprachen mit dem deutschen Kommandeur gebe.

Israelische F-16: "Gewisse Zwischenfälle"
AP

Israelische F-16: "Gewisse Zwischenfälle"

Auch gegenüber der Kanzlerin persönlich gelobte Olmert alles zu tun, dass es keine weiteren Zwischenfälle mit der israelischen Luftwaffe geben wird. In dem Telefonat mit Merkel sagte Olmert einer Sprecherin zufolge zu, dass eine besondere Verbindungstelle zwischen den deutschen und den israelischen Streitkräften eingerichtet werde. Der deutsche Marineeinsatz, der Waffenschmuggel in den Libanon verhindern soll, sei von "großer Bedeutung" sowie "wichtig und zentral".

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der am Donnerstag in den Libanon und nach Israel reist, bemühte sich um Harmonie: Er betrachte den Fall "als abgeschlossen". Es habe "gewisse Zwischenfälle" gegeben, die "in der geeigneten Form mit Israel besprochen" worden seien, sagte er. "Für die Zukunft sind daraus Konsequenzen gezogen." Schon in den vergangenen Tagen war in Berlin zu erfahren, dass es intensive Kontakte und auch klare Worte gegenüber der israelischen Regierung gab - die Bundesregierung habe sich äußerst befremdet über die immer neuen Zwischenfälle gezeigt. Jetzt sind diese Irritationen offenbar diplomatisch beigelegt worden. Jung will in Israel dem israelischen Verteidigungminister Amir Peretz treffen, um vor allem über Details des Libanon-Einsatzes zu reden.

Jungs Ministerium hat inzwischen einen Zeitungsbericht bestätigt, dem zufolge in der Nacht von Donnerstag auf Freitag israelische Jagdbomber des Typs F-16 einem Bundeswehrhubschrauber gefährlich nahe gekommen waren. Es habe sich aber nicht um eine bedrohliche Situation gehandelt, sagte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass der Verteidigungsausschuss des Bundestages am Freitag über den Vorfall informiert wurde. Seitdem hätten sich keine weiteren Zwischenfälle ereignet. Das Verteidigungministerium gehe auch nicht davon aus, dass es zu weiteren Vorfällen komme.

Schon zu Wochenbeginn hatten sich israelische Kampfflieger einem deutschen Marinehubschrauber gefährlich genähert. Großes Aufsehen löste außerdem am Dienstag ein Zwischenfall zwischen dem deutschen Aufklärungsboot "Alster" und laut Verteidigungsministerium sechs israelischen Kampfflugzeugen aus. Diese überflogen demnach die "Alster" und schossen. Auch von den libanesischen Streitkräften wurde dieser Vorfall bestätigt. Israels Verteidigungsminister Peretz erklärte dagegen, dass die israelische Luftwaffe nicht auf das Schiff geschossen habe. Israel habe keine Absicht, in irgendeiner aggressiven Art gegen die deutschen Streitkräfte vorzugehen.

Die Bundesregierung bezeichnete den Zwischenfall daraufhin als "geklärt" - allerdings fordert die FDP inzwischen die Herausgabe eines Videos, das den Zwischenfall zeigt. Die "Alster" hatte ihn mitgefilmt. Parteichef Guido Westerwelle forderte heute trotz der diplomatischen Deeskalation der Lage die Bundesregierung auf, die Zwischenfälle komplett aufzuklären. Der ganze Einsatzbefehl gehöre überprüft: "Die Bundesregierung hat die Lage völlig falsch eingesetzt."

reh/anr/ dpa/ddp/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung