Terror-Angst US-Vizepräsident Cheney hält Anschlag für "fast sicher"

In den USA wird weiter mit neuen Terroranschlägen gerechnet. US-Vizepräsident Richard Cheney sagte, es sei keine Frage, ob Terroristen erneut einen Anschlag in den USA planten, es frage sich lediglich, wann sie zuschlagen werden.


Nehmen die jüngst abgefangenen Informationen sehr ernst: FBI-Hauptquartier in Washington
AP

Nehmen die jüngst abgefangenen Informationen sehr ernst: FBI-Hauptquartier in Washington

Washington - Cheney sagte im US-Fernsehen, ein erneuter Anschlag sei "fast sicher". Ein Angriff könne sich "morgen, kommende Woche oder im nächsten Jahr ereignen". Damit unterstrich er Befürchtungen der US-Geheimdienste, die am Wochenende bekannt geworden waren.

Die US-Bundespolizei FBI warnte vor neuen Anschlägen der al-Qaida-Gruppe des moslemischen Extremisten Osama Bin Laden. Eine Sprecherin sagte, Extremisten der al-Qaida könnten in den USA Wohnungen in großen Mietshäusern anmieten, um dort Bomben zu installieren.

"Es hat Besorgnis erregende Informationen geben, eine Besorgnis erregende Zunahme von Aktivitäten", hieß es auch im US-Präsidialamt. Präsident George W. Bush und Mitglieder seiner Regierung hätten erst in den vergangenen Tagen erneut auf die Gefahr von Anschlägen hingewiesen. "Sie sind nicht verschwunden", hieß es über die al-Qaida-Anhänger, deren Kämpfer und Unterstützer in Afghanistan seit Oktober vergangenen Jahres von den USA militärisch verfolgt werden.

FBI-Sprecherin Debbie Weierman zufolge erwägen al-Qaida- Mitglieder, Wohnungen in den USA zu mieten und dort Sprengsätze zu platzieren. Die Informationen darüber seien bislang aber sehr unspezifisch und auch noch unbestätigt. Das FBI habe in den vergangenen Tagen seine Büros im ganzen Land verständigt sowie vorsorglich auch die Verwalter von großen Mietshäusern.

Beunruhigende Häufung von Meldungen

Die "New York Times" berichtete am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienst- und Sicherheitskreise, die Erkenntnisse aus den seit Wochen abgefangenen Botschaften seien vage, aber beunruhigend. Im April habe die Menge an Informationen über einen neuen Anschlag - in den USA, in Europa oder auf der arabischen Halbinsel - deutlich zugenommen. Die Situation sei in den Expertenkreisen mit dem Informationsfluss im Sommer 2001 verglichen worden, als al-Qaida-Mitglieder ebenfalls über ein großes Vorhaben mit vielen Toten gesprochen hätten.

"Es ist wieder unspezifisch - nichts Exaktes zum Zeitpunkt, nichts Konkretes über den Ort", hieß es der Zeitung zufolge. Einige Informationen stammten aus der Befragung von in Afghanistan gefangen genommenen Kämpfern. Ein Sprecher sagte auf die Frage, ob die abgefangenen geheimen Botschaften denen ähnelten, die vor den Anschlägen vom 11. September registriert wurden: "Sie liegen ganz in der Nachbarschaft dessen." Es gebe wieder "eine Menge Geräusch im System. Wir verfolgen das nachdrücklich und kontinuierlich", fügte er hinzu.

In der "New York Times" hieß es unter Berufung auf die Kreise weiter, auch wenn in einigen der abgefangenen Botschaften mutmaßlicher Terroristen von "Massen von Toten" die Rede sei, ließe dies keine Rückschlüsse auf einen etwaigen Einsatz von Massenvernichtungswaffen atomarer, chemischer oder auch biologischer Art zu.



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