Terror-Anschläge Bush will Geheimdienst-Pannen prüfen

Lange hat sich George Bush gesträubt, doch nach neuen Enthüllungen über Fahndungspannen vor dem 11. September schwenkte er um: Auch der US-Präsident will nun unabhängig untersuchen lassen, warum FBI und CIA auf Warnungen vor der Terrorgefahr nicht hinreichend reagierten.


Brennendes Pentagon am 11. September: Dem Kongress wurden in der vergangene Woche neue Dokumente vorgestellt, die auf mangelnde Abstimmung zwischen FBI und CIA im Vorfeld der Anschläge hindeuten
AP

Brennendes Pentagon am 11. September: Dem Kongress wurden in der vergangene Woche neue Dokumente vorgestellt, die auf mangelnde Abstimmung zwischen FBI und CIA im Vorfeld der Anschläge hindeuten

Washington - Nach einer neuen Serie von Enthüllungen über Fahndungspannen hat Bush in einem Brief an den Kongress seine "starke Unterstützung" für eine unabhängige Prüfung ausgesprochen.

Die Regierung hatte vorher befürchtet, dass eine Untersuchung und damit bekannt werdende vertrauliche Angaben den Kampf gegen den Terrorismus behindern könnten. Bush habe aber auch auf Drängen der Hinterbliebenen der Terror-Opfer seine Meinung geändert, sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer.

Bei Kongressanhörungen war in den vergangenen Tagen zudem deutlich geworden, dass die amerikanischen Geheimdienste vor dem 11. September mehrere Hinweise auf bevorstehende Anschläge hatten. In ihnen wurde sogar die Möglichkeit erwähnt, dass Terroristen Flugzeuge als Waffen benutzen könnten. Es habe aber keinen einzelnen konkreten Hinweis gegeben, der es erlaubt hätte, die Anschläge zu verhindern.

Am Freitag sagte ein Beamter des Bundeskriminalamts FBI aus New York vor dem Kongress aus, dass Vorgesetzte ihn aus legalen Gründen daran gehindert hätten, einen der Attentäter, Chalid al-Midhar, zu suchen und festzunehmen. In einer E-Mail habe er gewarnt: "Jemand wird sterben. Die Öffentlichkeit wird nicht begreifen, warum wir nicht effektiver waren und alle uns verfügbaren Mittel zur Lösung bestimmter Probleme eingesetzt haben." Durch Abstimmungsprobleme zwischen FBI und dem Geheimdienst CIA waren wichtige Informationen nicht ausgetauscht worden.

Ein gemeinsamer Ausschuss des Senats und des Repräsentantenhauses kam nach der Durchsicht Tausender Akten der verschiedenen Dienste wie CIA, Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) und FBI zu dem Schluss, dass sich die meisten Ermittler zu sehr auf die Gefahr eines Anschlags im Ausland konzentriert hätten. Kaum jemand habe die Möglichkeit eines Anschlags im Inland erwogen.

Das Weiße Haus hatte bestritten, dass Präsident Bush konkrete Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag gehabt habe. Seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte im Mai erklärt, die Geheimdienste hätten vor dem 11. September nicht an die Möglichkeit geglaubt, dass Terroristen Flugzeuge als Bomben einsetzen könnten. Sie relativierte diese Äußerung am Freitag: "Jemand hat sich das vorstellen können, richtig." Sie selbst habe dies aber nicht gewusst oder geahnt.



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