Terror Dutzende Tote bei Bomben-Explosion im Irak

Bei einer Explosion von drei Autobomben in der irakischen Stadt Balad sind mindestens 60 Menschen getötet worden. Es gebe zahlreiche Verletzte, teilte ein Krankenhausarzt mit.


Bagdad - Die Polizei sprach von bis zu 100 Verletzten, der Nachrichtensender al-Arabija berichtete dagegen von 50 Verletzten. Der Arzt Chaled al-Asawi vom Krankenhaus in Balad sagte, viele der Verwundeten hätten schwere Verbrennungen und Verstümmelungen erlitten.

Die Autobomben explodierten Augenzeugenberichten zufolge nahezu gleichzeitig vor einer Bank, auf einem Gemüsemarkt sowie in einer Straße der Innenstadt. Es habe sich um Selbstmordanschläge gehandelt. Die ersten beiden Anschläge seien innerhalb von zehn Minuten verübt worden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Weitere zehn Minuten später sei die dritte Autobombe explodiert. Balad wird mehrheitlich von Schiiten bewohnt und liegt rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.

Die unter Ex-Diktator Saddam Hussein unterdrückten Schiiten wurden in letzter Zeit verstärkt Ziel von Anschlägen. Der irakische Ableger des Quaida-Netzwerks von Osama bin Laden hatte der schiitischen Gemeinde im Irak am 14. September einen "umfassenden Krieg" angedroht. Am gleichen Tag bekannte sich die Organisation zu einer koordinierten Anschlagsserie in Bagdad mit mehr als 130 Toten. Die meisten starben in einem von Schiiten bewohnten Viertel der Hauptstadt.

Das Dreifach-Attentat in Balad ereignte sich rund zwei Wochen vor der geplanten Volksabstimmung über die neue Verfassung im Irak. Die Verfassung hat die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Land verstärkt. Unterstützt wird sie von Schiiten und Kurden, abgelehnt aber von den Sunniten. Sie hatten unter Ex-Diktator Saddam Hussein das Sagen, sind seitdem aber an den Rand gedrängt. Nach Ansicht der Sunniten verstärkt dies die neue Verfassung noch. Sunnitische Führer haben deshalb zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.

Truppenabzug hängt von der Sicherheitslage ab

Nur wenige Stunden vor dem Anschlag in Balad hatte sich US-General George Casey in Washington zu dem Zeitplan für die Truppenreduzierung im Irak geäußert. Casey deutete an, dass vom kommenden Jahr an die ersten US-Soldaten aus dem Irak abgezogen werden könnten. Entscheidend dafür sei jedoch die Sicherheitslage vor Ort. Man müsse sehen, wie sich die Dinge nach dem für 15. Oktober geplanten Verfassungsreferendum und den Parlamentswahlen im Dezember entwickelten. Beobachter werteten dies als Rückzieher seiner vorherigen Bemerkung, dass im kommenden Frühjahr schon ein bemerkenswerter Rückzug aus dem Irak beginnen könnte.

Die Gewalt richtete sich am Donnerstag auch gegen US-Militärs. Aufständische töteten mit einem Sprengsatz fünf amerikanische Soldaten im Westirak. In Ramadi war ein Sprengsatz neben ihrem Militärfahrzeug explodiert, teilte die US-Armee mit. Ramadi gehört zu den Hochburgen der Aufständischen im Irak.

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