Terror-Ermittlungen Venezuela soll Mordplan gegen Uribe unterstützt haben

Schwere Vorwürfe gegen den venezolanischen Präsidenten Chávez: Seine Regierung soll in Attentatspläne auf den kolumbianschen Staatschef Uribe verstrickt sein, erklärten spanische Ermittler. Ausführen sollten sie die baskische Terror-Organisation Eta und die kolumbianische Farc-Guerilla.

Präsidenten Uribe (l.) und Chávez: Mordkomplott-Vorwürfe
AP

Präsidenten Uribe (l.) und Chávez: Mordkomplott-Vorwürfe


Madrid - Die Vorwürfe der spanischen Justiz bergen enormen politischen Sprengstoff: Ermittler haben Kenntnisse, dass Venezuela in ein Komplott zur Ermordung von Kolumbiens Staatschef Alvaro Uribe verstrickt ist. Die baskische Terror-Organisation Eta und die kolumbianische Farc-Guerilla hätten bei ihren Attentatsplänen mit den Regierung in Caracas "zusammengearbeitet", erklärte der spanische Untersuchungsrichter Eloy Velasco am Montag in Madrid.

Laut den Ermittlern plante die Rebellenorganisation mit Hilfe der Eta, kolumbianische Persönlichkeiten in Spanien zu ermorden. So sollen die Terroristen Kolumbiens Staatschef Uribe und seinen Vorgänger im Präsidentenamt, Andrés Pastrana, im Visier gehabt haben. Im Zusammenhang mit dem Mordkomplott erhob Untersuchungsrichter Valesco Anklage gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der Eta und sieben mutmaßliche Anhänger der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc).

Sie sind laut dem Richter alle auf der Flucht und leben spanischen Medienberichten zufolge in Venezuela, Mexico und Kuba. Valesco forderte die spanische Regierung auf, die Auslieferung der Angeklagten in die Wege zu leiten.

Die spanischen Ermittler deckten weitere potentielle Anschlagsopfer auf: So sollen die Attentäter auch die frühere kolumbianische Botschafterin in Madrid, Noemí Sanín, den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten und zweimaligen Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, sowie den kolumbianischen Vizepräsidenten Francisco Santos auf ihrer Liste gehabt haben. Ein Mitglied der linksgerichteten Farc (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) soll zur Anschlagsvorbereitung unter anderem die kolumbianische Botschaft in Madrid ausgespäht haben.

Eta-Verbindungsmann in venezolanischem Ministerium

Die Beteiligung der venezolanischen Regierung an den Plänen versuchten die spanischen Ermittler vor allem am Beispiel des Eta-Mitglieds Arturo Cubillas Fontan nachzuweisen.

Er ist mit einer Venezolanerin verheiratet und hatte 2005 einen einflussreichen Posten im Landwirtschaftsministerium in Caracas übernommen. Laut den Ermittlern war Cubillas Fontan zugleich als Eta-Verantwortlicher für Lateinamerika für die Zusammenarbeit mit den Farc-Rebellen zuständig.

In dem Untersuchungsbericht heißt es, die Eta arbeite seit den achtziger Jahren mit den kolumbianischen Rebellen zusammen. In Venezuela hatten zeitweise bis zu 40 Eta-Terroristen gelebt.

Zwischen den Nachbarländern Venezuela und Kolumbien schwelt seit langem ein Konflikt, der immer wieder zu Zwischenfällen führte. Die Themen reichen dabei von Erdölvorkommen bis hin zu Grenzverläufen. Auch hatten sich Farc-Rebellen immer wieder in den Dschungel auf venezolanischer Seite zurückgezogen. Venezuelas Präsident Chávez gilt als Sympathisant der Rebellen. So fanden kolumbianische Soldaten bereits 2008 in einem Farc-Lager E-Mails, die belegen, dass Chávez seit langem mit der Guerilla-Truppe verstrickt ist.

Chávez und Uribe hatten ihre gegenseitige Abneigung auch durch lautstarke Auseinandersetzungen auf Treffen von Staatschefs öffentlich gezeigt.

mmq/AFP/dpa

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RafaelC. 01.03.2010
1. Grandiose Nachricht
Zusammengefasst heißt die Nachricht: im venezolanischen Landwirtschaftsministerium arbeitet(e) ein (erwiesenes? vermutliches?) Eta-Mitglied. Also war Präsident Chávez an einem (vermeintlichen? tatsächlichen? vermuteten?) Mordplan gegen Präsident Uribe aus Kolumbien beteiligt. Bei er Beweisführung muss ich als Jurist erst einmal schlucken. Wenn es hier nicht um handfeste Politik ginge, die der Spiegel betreibt, wäre es lächerlich. Aber mit dem Aufmacher entsteht der Eindruck, der venezolanische Staat sei wissentlich an Attentatsvorbereitungen gegen Uribe beteiligt. Und angesichts der Beweislage ist dieser (insinuierte) Vorwurf ungeheuerlich. Eine solche Berichterstattung hätte das "Neue Deutschland" in den 70er oder 80er Jahren vor Neid erblassen lassen. Es wäre wirklich erfreulich, wenn über Venezuela, Bolivien und Ecuador in Zukunft einmal objektiv und unvoreingenommen berichtet würde, statt billige Propaganda zu betreiben.
Peterldw 02.03.2010
2. Die Wahrheit
Zitat von RafaelC.Zusammengefasst heißt die Nachricht: im venezolanischen Landwirtschaftsministerium arbeitet(e) ein (erwiesenes? vermutliches?) Eta-Mitglied. Also war Präsident Chávez an einem (vermeintlichen? tatsächlichen? vermuteten?) Mordplan gegen Präsident Uribe aus Kolumbien beteiligt. Bei er Beweisführung muss ich als Jurist erst einmal schlucken. Wenn es hier nicht um handfeste Politik ginge, die der Spiegel betreibt, wäre es lächerlich. Aber mit dem Aufmacher entsteht der Eindruck, der venezolanische Staat sei wissentlich an Attentatsvorbereitungen gegen Uribe beteiligt. Und angesichts der Beweislage ist dieser (insinuierte) Vorwurf ungeheuerlich. Eine solche Berichterstattung hätte das "Neue Deutschland" in den 70er oder 80er Jahren vor Neid erblassen lassen. Es wäre wirklich erfreulich, wenn über Venezuela, Bolivien und Ecuador in Zukunft einmal objektiv und unvoreingenommen berichtet würde, statt billige Propaganda zu betreiben.
Ob es ihnen als Jurist nun passt oder nicht, es ist die Ojektivität. Chavez unterstützt Terroristen, üblich im Sozialismus. Wenn sie verlogene positive Beiträge über die drei genannten Staaten lesen möchten, lesen sie JW, ND und Amerika 21, da wird ihnen geholfen.
Peterldw 02.03.2010
3. krimineller Staat
Das heißt jetzt sie finden es gut das ein Staat mit Terroristen zusammen arbeitet.
Diomedes 07.03.2010
4. Wenn Kommunisten Latein sprechen wird es ernst!
Bierernst wohlgemerkt, derart sogar, dass man fast die alten Römer persönlich mit Zehn Legionen – um das Gebot Caesars zu erfüllen: "Auf welcher Seite wolltet ihr denn als Sieger stehen? Habt ihr denn nicht bedacht, daß auch nach meiner Vernichtung das römische Volk zehn Legionen haben würde, die nicht bloß euch widerstehen, sondern selbst den Himmel einreißen können? Durch ihren Ruhm und ihre Tapferkeit..." – hinschicken möchte, damit der venezolanische Luftikus und seine Getreuen auch deren berühmten Satz: "Ein Heil bleibt dem Besiegten allein, kein Heil mehr zu hoffen" aufsagen können; und im Gegensatz zum "Neuengländer, geht nach Hause!" (was sie jetzt schon gut gelernt haben und an Hauswände schreiben können) fortan "Römer, geht nach Hause!" probieren können; ein kleiner Hinweis: romanus eunt domus geht zwar in die richtige Richtung, aber grammatisch liegt da noch viel im Argen. Indes: Wieso stellt sich der venezolanische Luftikus so an? Er muß sich doch nur dem Konsens von Washington unterwerfen: Also unumschränkter, weltweiter Markt, keine Massenvernichtungswaffen bauen und keinen Terrorismus finanzieren; und schon ist er wieder bei allen Liebkind, so wie der libysche Tyrann, jener Schrecken des Menschengeschlechtes, der dann sogar die Narrenfreiheit hat, um z.B. die Vernichtung Israels zu fordern.
wuup 12.03.2010
5. Großartig
@Peteridw: Erfrischende Einblicke in das Thema bietet die arte-Doku von 2002 (oder 2003?) "Hugo Chavez - ein Staatsstreich von innen". Unbedingt angucken, vielleicht lernen Sie was. Sie können arte natürlich auch als plumpe Propaganda abtun, wie sie es mit den von Ihnen genannten Zeitungen tun. Fakt ist, dass der Artikel für seine schweren Anschuldigungen nicht einen(!) Nachweis bringt und diese (vielleicht weil es keinen Nachweis gibt?) auch nur in der Möglichkeitsform formuliert ("sollen geplant haben") Man kann ja durchaus gegen Chavez und seine Politik sein - völlig legitim - übrigens auch in Venezuela, aber sauber argumentieren sollte man dann schon. Die olle Keule Sozialisten=Terroristen gehört dann sicher nicht dazu. Und wodurch Sie bei traverxy erkannt haben, dass sie/er es toll findet, wenn ein Staat Terroristen unterstützt, würde mich brennend interessieren. @Diomedes: Toll, wir sind humanistisch gebildet. Hat zwar mit der Sache nix zu tun - macht sich aber immer gut, es mal raushängen zu lassen, nicht wahr? Vielleicht traut sich ja dann keiner mehr noch was zu sagen ;-). Nun ja, ein Unterschied zwischen dem kleinen Schmalen aus Lybien und dem kleinen Dicken aus Venezuela (der dafür sorgt, dass der eine es immer wieder schafft "Liebkind" zu sein und der andere eben nicht), könnte sein, dass der kleine Dicke den Reichtum seines Landes vergesellschaftet während der kleine Schmale ihn in seine Tasche privatisiert. Letzteres passt vielleicht einfach besser zur freien Marktwirtschaft, egal wie widerlich es anzusehen ist. Nur so ne Vermutung meinerseits. trotzdem allerbeste Grüße an Sie beide
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