Terror gegen Regimegegner Irans Opposition beklagt systematische Vergewaltigungen

Iranische Oppositionelle erheben schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran: Laut einem Bericht des "Guardian" sollen die Behörden in Gefängnissen gezielte Vergewaltigungen dulden - als Strafe für politische Gefangene. Wärter würden dafür sogar Kondome verteilen.

Frauen in einem Teheraner Gefängnis (Archivbild): Bericht über gezielte Vergewaltigungen
REUTERS

Frauen in einem Teheraner Gefängnis (Archivbild): Bericht über gezielte Vergewaltigungen


London - Die Haftbedingungen in iranischen Gefängnissen gelten schon lange als ausgesprochen fragwürdig, immer wieder haben Menschenrechtsorganisationen Misshandlungen in Haftanstalten des Landes angeprangert - aber was sich laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian" im Radschai-Schahr-Gefängnis in Karadsch und weiteren Anstalten ereignet haben soll, ist von besonders abscheulicher Brutalität: Demnach duldet und fördert das Gefängnispersonal die Vergewaltigung politischer Gefangener durch andere Häftlinge als Bestrafung für deren regimekritische Haltung. Vom Gefängnispersonal sollen dafür sogar Kondome verteilt werden.

Die Zeitung beruft sich auf mehrere Briefe von Häftlingen und deren Familienangehörigen. So konnte dem "Guardian" zufolge unter anderem der inhaftierte Oppositionspolitiker Mehdi Mahmoudian Briefe aus seiner Zelle im Radschai-Schahr-Gefängnis schmuggeln. Die Schreiben wurden laut dem Zeitungsbericht auf kaleme.com veröffentlicht - dies ist die Internetseite des iranischen Oppositionsführers Mir Hossein Mussawi.

In dem Brief schreibt Mahmoudian unter anderem: "In mehreren Zellen des Gefängnisses ist Vergewaltigung ganz normal und wird geduldet." Politische Gefangene würden in den Haftanstalten oft zusammen mit gefährlichen Kriminellen in Zellen eingesperrt, heißt es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf Mahmoudian und andere Oppositionelle. So müssten sich die politischen Häftlinge ihre Zellen auch mit Mördern teilen. "Diejenigen, die ein hübsches Gesicht haben und sich nicht selbst wehren oder andere bestechen können, werden jede Nacht in eine andere Zelle gebracht, um vergewaltigt zu werden", schreibt Mahmoudian weiter. Ein Opfer sei allein in einer Nacht siebenmal vergewaltigt worden, so Mahmoudian, der nach Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad verhaftet wurde.

Dem Oppositionellen zufolge wird mit den Vergewaltigungen auch Geld gemacht: Diejenigen, die vergewaltigt würden, hätten eine Art Besitzer - dieser würde damit Geld verdienen, dass er die Opfer an andere vermiete.

Beschwerden von Vergewaltigungsopfern werden ignoriert

Das Gefängnispersonal schreitet offenbar nicht gegen die Vergewaltigungen ein. Im Gegenteil: Auf der Internetseite Dscharas berichten Familienmitglieder von politischen Gefangenen, dass die Klagen und Beschwerden von Vergewaltigungsopfern ignoriert würden. Dem "Guardian" zufolge wirft ein Angehöriger eines politischen Häftlings den Wärtern sogar vor, Kondome zu verteilen. Mehrfach seien Kriminelle mit Kondomen in der Hand gesehen worden, "die Gefängniswärter ignorieren dies deshalb, weil die Kondome von ihnen selbst ausgeteilt wurden".

Dem "Guardian" zufolge haben 26 prominente Oppositionelle, die 2009 verhaftet wurden, einen Beschwerdebrief an eine Behörde geschrieben, die für den Strafvollzug zuständig ist. Darin wird dem Bericht zufolge dem Geheimdienstministerium und den Revolutionsgarden vorgeworfen, Gefängnisinsassen mit gesetzeswidrigen Methoden zu bedrängen, unter anderem auch mit sexuellen Angriffen. Unterzeichner des Briefs sind unter anderem der frühere Vizeaußenminister Mohsen Aminsadeh und der frühere Abgeordnete Mohsen Mirdamadi.

Amnesty International fordert Aufklärung

Amnesty International forderte Iran auf, die Vorwürfe zu untersuchen. Die Menschenrechtsorganisation hatte bereits für einen Report im vergangenen Jahr Vergewaltigungsfälle in iranischen Gefängnissen dokumentiert. "Vergewaltigung ist ein schreckliches Verbrechen", sagte Kristyan Benedict, Kampagnen-Manager bei Amnesty, dem "Guardian". Die in den Briefen von Oppositionellen erhobenen Vorwürfe sollten "gründlich aufgeklärt" werden. Seine Organisation habe auch Vergewaltigungen von männlichen und weiblichen Gefangenen durch Sicherheitspersonal dokumentiert, so Benedict. "Viele von denen, die wegen der Proteste nach der Wahl festgenommen wurden, wurden gefoltert und haben keine fairen Verfahren bekommen." Das iranische Regime würde weiterhin diejenigen verfolgen und bestrafen, die ihre Stimme gegen die Staatsführung erheben.

In der Vergangenheit hat es bereits mehrfach Berichte über Misshandlungen und Vergewaltigungen in iranischen Gefängnissen gegeben. So verwies etwa der Teheraner Publizist Emaduddin Baghi 2009 in einem SPIEGEL-Interview auf Berichte des iranischen Oppositionspolitikers Mahdi Karrubi, wonach Männer und Frauen in Gefängnissen vergewaltigt würden. Baghi sagte damals: "Dabei sind die Täter so brutal vorgegangen, dass die Verletzungen der Opfer von Ärzten behandelt werden mussten."

hen

insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
alcaselzar 24.06.2011
1. Gut möglich, dass es genau so ist wie im Artikel beschrieben!
Zitat von sysopIranische Oppositionelle erheben schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran: Laut einem Bericht des "Guardian" sollen die Behörden in Gefängnissen gezielte Vergewaltigungen dulden - als Strafe für politische Gefangene. Wärter würden dafür sogar Kondome verteilen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770413,00.html
Möglicherweise sind das aber Vergewaltigungen von der Art, wie sie es auch in unseren Gefängnissen gibt, ohne das dies vom Personal organisiert werden würde. Die Kondome könnten auch eine Fürsorgemaßnahme sein. Unterbunden werden muss ein solches Verhalten von Häftlingen überall!
panzerknacker51, 24.06.2011
2. Zeitgeist
Schein ja die neue Allzweckwaffe zu werden gegen Diktatoren, Despoten, Schreckensregime und Unterdrückertruppen. Vergewaltigungsvorwürfe sind auch so ziemlich das mieseste, was man Leuten anheften kann.
henniman 24.06.2011
3. Überall auf der Welt das gleiche !
Hier die Schlagzeile von vor 1 Monat: "New Yorkerinnen beklagen systematische Vergewaltigungen durch führende westliche Politiker" Es ist wie immer alles in einem Kontext zu betrachten.
SINAN_75 24.06.2011
4. Willige Helfer
Zitat von sysopIranische Oppositionelle erheben schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran: Laut einem Bericht des "Guardian" sollen die Behörden in Gefängnissen gezielte Vergewaltigungen dulden - als Strafe für politische Gefangene. Wärter würden dafür sogar Kondome verteilen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770413,00.html
Jetzt hagelt es sicher wieder STIMMT-ALLES-NICHT- und BEI-UNS-IST-ES-DOCH-NICHT-BESSER -Kommentare. Es erinnert mich an die 1980er. Linke, "Anti-"Faschisten, Kapitalismusgegner kämpften heldenhaft gegen das (BRD-)System. Nur wenn Sie Namen wie Biermann oder Sacharow hörten, konnte man beobachten, wie aus Rebellen willige Helfer des anderen Systems wurden. "Soldarnosc" war auch so ein böses Wort. Aber egal. 1989 hat sich das Thema ja erledigt.
sponlainer 24.06.2011
5. ...
Zitat von sysopIranische Oppositionelle erheben schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran: Laut einem Bericht des "Guardian" sollen die Behörden in Gefängnissen gezielte Vergewaltigungen dulden - als Strafe für politische Gefangene. Wärter würden dafür sogar Kondome verteilen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770413,00.html
Wozu dient nun diese Räuberpistole? Ist interessant, ich möchte aber umfassend informiert werden. Ich möchte wissen welche Mißstände es in mexikanischen Gefängnissen gibt. Oder in amerikanischen, argentinischen, israelischen, italienischen, griechischen, deutschen, irakischen, indischen ... .
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