Terror-Allianz Boko Haram leistet IS den Treueschwur

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram aus Nigeria hat sich Berichten zufolge formell der Terrormilz "Islamischer Staat" angeschlossen.

London/Berlin - Zuwachs für den Kalifen: Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram hat sich einem Bericht des Nachrichtendienstes SITE zufolge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) unterworfen.

"Wir verkünden unsere Treue zum Kalifen (...) und werden ihm gehorchen in schlechten und guten Zeiten", zitiert SITE  aus einer Botschaft, die von Boko Haram verbreitet worden sein soll. Zu hören sei die Stimme Abubakar Shekaus, des Anführers von Boko Haram. "Wir rufen Muslime von überall her dazu auf, dem Kalifen Treue zu schwören", sagte Shekau in der Botschaft.

Bereits mehrere Islamistengruppen in Afghanistan, Pakistan und Nordafrika haben sich dem selbsternannten IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi angeschlossen. Die nigerianische Regierung bat nach dem Erscheinen der Botschaft um internationale Hilfe bei der Bekämpfung von Boko Haram: "Hoffentlich wacht die Weltgemeinschaft auf, wenn sie sieht, was für eine Katastrophe hier ihren Lauf nimmt", sagte ein Regierungssprecher.

Boko Haram (sinngemäß übersetzt: "Westliche Bildung ist Sünde") stammt aus dem muslimisch geprägten Norden Nigerias und verübte dort seit etwa 2009 immer zahlreicher werdende Terroranschläge. Ziel der zunehmend grausamen Attacken waren und sind staatliche und medizinische Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Polizeistationen, aber auch ganze Dörfer. Insbesondere die christliche Bevölkerung und ausländische Hilfsorganisationen sind im Visier der Terroristen. Sie ermordeten bisher insgesamt etwa 13.000 Menschen.

Weltweites Entsetzen löste eine Massenentführung von Schülerinnen im April 2014 aus. Die nigerianische Regierung lässt ihre Armee gegen die Terrorgruppe kämpfen, allerdings ohne großen Erfolg. Amnesty International wirft beiden Seiten schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Erst am Samstag waren bei einem von Boko Haram verübten Bombenanschlag mindestens 50 Menschen in der nigerianischen Stadt Maiduguri ums Leben gekommen.

Der IS kontrolliert zusammenhängende Gebiete im Osten Syriens und im Nordwesten des Irak und hat dort einen eigenen Staat ausgerufen. Unter Baghdadis Führung hat sich die IS-Miliz zur wohl mächtigsten, reichsten und brutalsten Dschihadistengruppe der Welt entwickelt.

kuz/Reuters/AFP