Terror in Afghanistan Taliban enthaupten indische Geisel

Polizisten haben im Süden Afghanistans eine kopflose Leiche entdeckt. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um eine von den Taliban entführte indische Geisel handelt. Ein Sprecher der Extremisten-Gruppe sagte, der Inder habe flüchten wollen.


Kandahar - Zu den Todesumständen des indischen Telekommunikationsexperten gibt es unterschiedliche Angaben. Ein Taliban-Sprecher sagte, der Mann sei bei einem Fluchtversuch umgekommen. Er habe einen Bewacher angegriffen und sei dann zunächst entkommen. Andererseits hatten die Extremisten zuvor angekündigt, denn Gefangenen binnen 24 Stunden zu töten, solle Indien nicht ihren Forderungen nachkommen und alle Arbeiter aus Afghanistan abziehen. Der Inder und dessen Fahrer waren seit Freitag in der Gewalt der Taliban.

Nach Angaben des Polizeichefs des Distrikts Schardschoy in der Provinz Sabul, wo der Ingenieur verschleppt worden war, wurde die Leiche eines Inders gefunden, aber noch nicht identifiziert. Dies bestätigte der indische Botschafter in Afghanistan, Rakesch Sood, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Getötete Geisel K. Suryanarayan: Am Freitag verschleppt 
REUTERS

Getötete Geisel K. Suryanarayan: Am Freitag verschleppt 

Ein hoher Beamter des afghanischen Innenministeriums bestritt die Version der Taliban, der Inder sei bei einem Fluchtversuch erschossen worden. Er sprach davon, dass der Mann enthauptet worden sei. Der Taliban-Sprecher bedauerte den Vorfall im Namen der Führung seiner Organisation. Diese habe wegen der Bereitschaft der indischen Seite zu Verhandlungen beschlossen, das Ultimatum zu verlängern, wonach alle in Afghanistan tätigen indischen Staatsbürger und Unternehmen bis heute um 18 Uhr Vorbereitungen zum Verlassen des Landes treffen sollten.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte die Tat scharf. "Der Tod des indischen Ingenieurs, der für den Wiederaufbau Afghanistans gearbeitet hat, ist ohne Zweifel das Werk von Feinden unsere Landes", sagte Karzai in einer Stellungnahme.

Der Ingenieur Surya Narayan arbeitete in Afghanistan für einen Subunternehmer des dortigen Mobilfunknetzwerk Roshan. Der 41-jährige Vater dreier Kinder war am Freitagnachmittag auf der Schnellstraße zwischen der Hauptstadt Kabul und der südafghanischen Stadt Kandahar mit Waffengewalt zum Anhalten gezwungen und verschleppt worden.

Bei mehreren gewaltsamen Zwischenfällen starben am Wochenende elf Taliban und drei afghanische Polizisten. Die Islamisten wurden nach Behördenangaben gestern bei einem Gefecht in der Provinz Kandahar getötet. Die Polizisten starben am selben Tag, als eine Rakete ihren Streifenwagen in der Südprovinz Helmand traf.

ffr/AFP/reuters/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.