Terror in Amman Irakisches Ehepaar sprengte sich in die Luft

Vier Iraker haben die Selbstmordanschläge auf die Luxushotels in Jordanien verübt. Unter den Attentätern sei auch eine Frau, "die ihren Ehemann in den Märtyrertod begleiten wollte", teilte al-Qaida in einem Bekennerschreiben mit.


Amman - "Sie gelobten zu sterben, und sie haben den kürzesten Weg gewählt, um Gottes Segen zu erhalten", hieß es in einer Stellungnahme von al-Qaida, die heute im Internet veröffentlicht wurde. Die Anschläge seien eine Antwort auf "die Verschwörung gegen die Sunniten, deren Blut und Ehre von den Kreuzzüglern und den Schiiten vergossen wurde", heißt es in der Stellungnahme des Terrornetzwerks weiter. Die Ziele für die Anschläge seien nach vierwöchigen Observierungen ausgewählt worden.

Angesichts der Proteste der jordanischen Bevölkerung hatte al-Qaida bereits am gestrigen Abend eine weitere Erklärung veröffentlicht. Darin hieß es, sie habe erst zugeschlagen, als sie sicher gewesen sei, dass die Hotels Zentren des Kriegs gegen den Islam seien. Die Hotels unterstützten die Präsenz "der Kreuzfahrer" im Irak und auf der arabischen Halbinsel und der Juden im Land Palästina.

Bei den Anschlägen auf drei Luxushotels von Radisson SAS, Grand Hyatt und Days Inn wurden mindestens 60 Menschen getötet. Al-Qaida bekannte sich zu den Taten. Die jordanische Polizei suchte unterdessen mit einem Großaufgebot nach den Drahtziehern der Anschläge. Mindestens 120 Verdächtige wurden festgenommen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.

Bei den meisten handele es sich um Iraker und Jordanier. "Wir wissen nicht, ob sie in die Anschläge verwickelt waren oder den Selbstmordattentätern geholfen haben", sagte ein Gewährsmann in Jordanien. "Viele sind vielleicht einfach unschuldig." Der jordanische Innenminister Auni Jirfas sagte, die Polizei verhöre Verdächtige verschiedener Nationalitäten.

Im ganzen Land gedachten die Menschen der Opfer. In den Moscheen wurden spezielle Gebete gesprochen. In den Zeitungen erschienen ganzseitige Anzeigen, in denen Jordanier den betroffenen Familien ihr Beileid aussprachen und dem Königshaus ihre Loyalität versicherten. Sänger verfassten ein Lied mit dem Titel "Unser Land", das sie im Fernsehen präsentierten. "Wir werden dem Terrorismus nicht nachgeben", lautet eine Textzeile.

In Amman und anderen jordanischen Städten waren gestern Abend etwa 2000 Menschen einem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt und hatten gegen die Anschläge und den Qaida-Anführer im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, protestiert. Auch nach den Freitagsgebeten strömten Tausende Menschen auf die Straßen, um gegen die Gewalt zu demonstrieren.

Auch "Halloween"-Produzent unter den Opfern

Bei den Anschlägen wurden 38 Jordanier getötet, viele von ihnen waren palästinensischer Herkunft. Außerdem kamen vier Iraker, ein israelischer Araber, vier Palästinenser, drei Chinesen, ein Katarer und ein Libanese ums Leben. Einige Leichen konnten noch nicht identifiziert werden. Die amerikanische Botschaft in Amman erklärte, auch zwei US-Bürger seien getötet worden.

Unter den Todesopfern war auch Moustapha Akkad, der in Syrien geborene Produzent der "Halloween"-Filme. Der 74-Jährige sei heute seinen schweren Verletzungen, die er bei den Anschlägen erlitten hatte, erlegen, teilte ein Krankenhaussprecher mit. Auch seine Tochter Rima Akkad Monla wurde getötet. Paul Garwood, AP



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