Terror in Bagdad Al-Qaida bekennt sich zu Anschlag auf deutsche Botschaft

Mit einer verheerenden Bombenserie erschütterten Attentäter am Ostersonntag das Botschaftsviertel in Bagdad. Jetzt hat sich der irakische Ableger von al-Qaida zu der Attacke gegen die deutsche Vertretung bekannt. Grund sei der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan.

Qaida-Bekennerschreiben: Deutschland als "Flaggenträgerin in Afghanistan" attackiert

Qaida-Bekennerschreiben: Deutschland als "Flaggenträgerin in Afghanistan" attackiert

Von Yassin Musharbash


Berlin - Hinter dem Anschlag auf die deutsche Botschaft im Irak, bei dem am Ostersonntag ein irakischer Wachmann getötet wurde, steht nach eigenen Angaben der irakische Ableger von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida. Das entsprechende Bekennerschreiben wurde auf den einschlägigen und von al-Qaida regelmäßig genutzten Web-Seiten veröffentlicht, es liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Darin heißt es unter anderem: "Die Ziele waren dieses Mal Botschaften und Konsulate verschiedener Staaten", aufgezählt werden die iranische Botschaft, die ägyptische Botschaft und die Vertretung Deutschlands. Alle drei wurden tatsächlich angegriffen. Der Bundesrepublik wird in dem Bekennerschreiben vorgeworfen, sie sei die "Flaggenträgerin beim Kreuzzug gegen das islamische Emirat in Afghanistan".

Die Drahtzieherschaft al-Qaidas war bereits vermutet worden. Das Terrornetzwerk bezeichnete die Bombenserie gegen die diplomatischen Vertretungen als "fünfte Welle" innerhalb ihrer laufenden Kampagne. Damit stellten die Terroristen die Bomben in einen Zusammenhang mit schweren Anschlägen der vergangenen Monate, die jeweils aus Serien bestanden und zuerst irakische Regierungseinrichtungen trafen und später eine Reihe internationaler Hotels.

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Bagdad: Terror im Botschaftsviertel

Bei dem Anschlag auf die deutsche Botschaft handelte es sich um ein Selbstmordattentat. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass der Attentäter in seinem Kleinlastwagen etwa eine halbe Tonne Sprengstoff geladen hatte.

Offenbar gelang es dem Mann, den ersten Sicherheitsring um die Botschaft zu überwinden; die genauen Umstände werden noch untersucht. Schließlich brachte er seinen Sprengsatz in direkter Nähe des irakischen Wachmannes zur Detonation, der dabei ums Leben kam. Das Botschaftsgebäude wurde bei dem Anschlag beschädigt.

In einem weiteren Kommuniqué, das bereits am Donnerstag veröffentlicht wurde, bestreitet die irakische Qaida-Filiale derweil, für eine Bombenserie in Bagdad am Dienstag verantwortlich gewesen zu sein: "Obwohl unser Standpunkt gegenüber den Schiiten bekannt ist, weisen wir die Verantwortung für die Explosionen, die am Dienstag mehrere Wohngegenden in Bagdads erschütterten, ab", heißt es in dem Schreiben.

Beide Schreiben sind vom "Informationsministerium des Islamischen Staates Irak" unterzeichnet. Unter dieser Bezeichnung tritt al-Qaida im Irak seit gut drei Jahren auf.



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irgendwer_bln 09.04.2010
1. Re:
Zitat von sysopMit einer verheerenden Bombenserie erschütterten Attentäter am Ostersonntag das Botschaftsviertel in Bagdad. Jetzt hat sich der irakische Ableger von al-Qaida zu der Attacke gegen die deutsche Vertretung bekannt. Grund sei der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688112,00.html
Flaggenträger? Eine nicht-kämpfende Unterstützungseinheit? Was für ein Armustzeugnis...
suum.cuique 09.04.2010
2. ostersonntag
Am Ostersonntag war die Dt. Botschaft sicherlich geschlossen. Das hat ggf. weitere Opfer verhindert.
Porgy, 09.04.2010
3. Deutsche Freiheit am Hindukusch
Welche "Freiheit" wird jetzt nochmal "am Hindukusch" verteidigt? Warum ist das überhaupt die Aufgabe der Bundeswehr, Islamisten wie die Taliban zurückzudrängen, müssten das nicht die Armeen von "gemäßigten" islamischen Ländern, etwa der Türkei oder Pakistans, übernehmen?
akolyth2 09.04.2010
4. Sinn des Krieges
Zitat von sysopMit einer verheerenden Bombenserie erschütterten Attentäter am Ostersonntag das Botschaftsviertel in Bagdad. Jetzt hat sich der irakische Ableger von al-Qaida zu der Attacke gegen die deutsche Vertretung bekannt. Grund sei der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688112,00.html
Dies kann als deutsche Antwort selbstverständlich nur Vergeltung bedeuten. Da Deutschland sich nicht im Irak engagiert (Entscheidung von Buka Schröder), muß Vergeltung in Afghanistan geübt werden. Da nunmehr auch der Verteidigungsminister von "Krieg" spricht, sollte die bisherige Zurückhaltung deutscher Truppen aufgegeben werden. Harte militärische Schläge in Afghanistan sowie polizeiliche Härte innerhalb Deutschlands gegen Islamisten und deren Angehörige sind zwingend. Es ist bereits Krieg. Der Friede - auch innerhalb Deutschlands - war einmal.
Planchet, 10.04.2010
5. nö
Zitat von akolyth2Dies kann als deutsche Antwort selbstverständlich nur Vergeltung bedeuten. Da Deutschland sich nicht im Irak engagiert (Entscheidung von Buka Schröder), muß Vergeltung in Afghanistan geübt werden. Da nunmehr auch der Verteidigungsminister von "Krieg" spricht, sollte die bisherige Zurückhaltung deutscher Truppen aufgegeben werden. Harte militärische Schläge in Afghanistan sowie polizeiliche Härte innerhalb Deutschlands gegen Islamisten und deren Angehörige sind zwingend. Es ist bereits Krieg. Der Friede - auch innerhalb Deutschlands - war einmal.
wow ich nehme an Sie wuerden es dann auch billigen zur Vergeltung ein paar Zivilisten an die Wand zu stellen. Mit solch toller vergeltungstaktik hat Deutschland ja bereits im letzten Krieg blendende Erfahrungen gemacht. Welch ein Blödsinn! Mal abgesehen davon ist eine Gewaltspirale immer der falscheste Weg, denn wann hört so etwas wieder auf?
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