Terror in Islamabad Behörden gehen von deutschem Todesopfer bei Hotelanschlag aus

Die Wucht der Explosion war gewaltig: Mit einem Lkw voll Sprengstoff haben Terroristen das Marriott-Hotel in Islamabad angegriffen. Mindestens 52 Menschen starben, unter den Toten soll auch ein Deutscher sein. Pakistans Präsident Zardari droht den Attentätern mit Vergeltung.


Islamabad - Auch am Tag danach sind die Flammen nicht vollständig gelöscht: Noch immer steigt Rauch aus den Trümmern des Marriott-Hotels in Islamabad, auf das Attentäter am Samstag einen verheerenden Terroranschlag verübten. Nach jüngsten Angaben wurde bei dem Selbstmordanschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein deutscher Staatsbürger getötet. Dies erklärte Rehman Malik, ranghoher Mitarbeiter des pakistanischen Innenministeriums, am Sonntag.

Bereits am Samstag hatten pakistanische Medien über einen getöteten Deutschen berichtet. Deutsche Behörden konnten dies zunächst allerdings nicht bestätigen. "Das Auswärtige Amt geht allen Hinweisen nach", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin. "Wir können aber bisher nicht bestätigen, dass es deutsche Todesopfer gibt." Die deutsche Botschaft in Islamabad hatte erklärt, man arbeite daran, sich ein vollständiges Bild zu machen.

Insgesamt liege der Zahl der Toten inzwischen bei 52, hieß es aus Pakistan. Unter ihnen sei auch ein US-Bürger. Zudem gebe es 271 Verwundete, darunter mindestens 13 Ausländer. Unter den Verletzten sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes sieben Deutsche. Rettungskräfte gingen am Sonntag auf der Suche nach weiteren Opfern oder Überlebenden von Zimmer zu Zimmer. Ein Sanitäter sagte, es müsse damit gerechnet werden, dass weitere Leichen geborgen würden.

"Krebsgeschwür Terrorismus"

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari kündigte nach dem Anschlag einen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus an. "Terrorismus ist ein Krebsgeschwür in Pakistan und wir sind entschlossen, so Gott will, das Land von diesem Krebs zu befreien", sagte Zardari in einer Fernsehansprache. "Wir werden uns von diesen Feiglingen nicht abschrecken lassen, Pakistaner sind mutig und furchtlos, sie fürchten sich nicht vor dem Tod." Der vor zwei Wochen zum Staatschef gewählte Zardari hatte am Samstag seine erste Rede im Parlament des Landes gehalten: "Ich rufe alle demokratischen Kräfte auf, Pakistan zu schützen."

Der Anschlag rief weltweit Empörung hervor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Anschlag einen "abscheulichen" und "erschreckenden" Terrorangriff. Der "wahllose Angriff auf Zivilisten" sei nicht zu rechtfertigen, erklärte er in New York. US-Präsident George W. Bush sicherte der pakistanischen Regierung Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Der Angriff sei eine Erinnerung an die Bedrohung Pakistans, der USA sowie aller, die sich dem gewaltsamen Extremismus entgegenstellten, erklärte Bush.

Die EU äußerte ihre "Bestürzung", der britische Außenminister David Miliband versicherte, der Anschlag werde Großbritanniens Entschlossenheit im Kampf gegen den Extremismus in Pakistan bestärken. Die französische Regierung erklärte ebenfalls, durch den Anschlag werde die Absicht Frankreichs bestärkt, mit Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus zu kooperieren. Auch die Regierungen von Italien, Kanada und Australien verurteilten die Tat.

1000 Kilogramm Sprengstoff

Das Attentat ereignete sich gegen 20 Uhr Ortszeit (16 Uhr MESZ). Zur Zeitpunkt der Tat hielten sich viele Familien in dem Hotel auf, um nach Einbruch der Dunkelheit das Fastenbrechen des Ramadans zu begehen. Ein Polizeisprecher erklärte, die gewaltige Explosion sei von mehr als tausend Kilogramm Sprengstoff verursacht worden, sie riss einen Krater in die Straßenoberfläche.

Ein Journalist vor Ort sagte SPIEGEL ONLINE, ihm habe ein Augenzeuge berichtet, dass zuerst ein kleinerer Wagen die äußeren Sicherheitszäune des Hotels gerammt und zerstört hätte. Ihm sei dann ein größerer Lastwagen gefolgt, der vor dem Hotel explodierte. Bisherige Behördenangaben hatten von nur einem Fahrzeug gesprochen.

Ein Wachmann berichtete, er habe einen Lastwagen gesehen, der plötzlich Feuer gefangen habe und dann explodiert sei. "Es war ein großer Knall", sagte Mohammad Nasir. Durch die Druckwelle der schweren Explosion wurde ein großer Teil der Gebäudefront zerstört. "Es gab eine Warnung vom Sicherheitspersonal, sie sagten uns, wir sollten in den hinteren Teil des Hotels gehen", sagte ein leicht verletzter Deutscher namens Clemens Steinkamp. "Fünf Minuten passierte nichts … und dann gab es eine riesige Detonation. Alles kam von der Decke und plötzlich lagen viele Menschen auf dem Boden."

Offiziellen Angaben zufolge wurde durch die Explosion eine Gasleitung beschädigt und ein Brand ausgelöst. Aus den oberen Stockwerken seien Menschen in ihrer Verzweiflung aus den Fenstern in den Tod gesprungen, um sich vor den Flammen zu retten, berichtete ein Polizist.



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