Anschlag in Istanbul Frau des Verdächtigen will von Plänen nichts gewusst haben

Die Frau des mutmaßlichen Attentäters von Istanbul ist nach Medienberichten in Polizeigewahrsam. Sie zeigte sich den Beamten gegenüber wohl völlig ahnungslos. Ihr Mann ist weiter auf der Flucht.


Von der Attacke in einem Istanbuler Klub mit 39 Toten will die Frau des mutmaßlichen Attentäters erst aus dem Fernsehen erfahren haben. Das sagte sie im Verhör mit der Polizei, berichten türkische Medien. Weiter soll sie gesagt haben, dass sie auch nicht gewusst habe, dass ihr Mann Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist. Er ist weiterhin auf der Flucht. Der IS reklamierte die Tat für sich.

Die Behörden veröffentlichten unterdessen erste Fahndungsbilder des Verdächtigen, auf denen das Gesicht des Gesuchten klar zu erkennen ist. Auch ein Video des mutmaßlichen Attentäters tauchte in türkischen Medien auf.

Nach Informationen der türkischen Zeitung "Hürriyet" flog der mutmaßliche Attentäter am 20. November mit seiner Frau und zwei Kindern nach Istanbul. Zwei Tage später reiste die Familie weiter nach Konya. Dort soll sie ein Appartement für 1100 Türkische Lira gemietet und drei Monate im Voraus bezahlt haben. Der Mann habe angegeben, dass er in Konya Arbeit suche. Am 29. Dezember reiste er offenbar weiter nach Istanbul.

Der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" zufolge waren Nachbarn des Verdächtigen und seiner Familie durch die Fahndungsfotos aufmerksam geworden und hatten die Polizei informiert. Daraufhin soll die Frau von Beamten festgenommen und nach Istanbul gebracht worden sein. Dort befindet sie sich derzeit noch in Gewahrsam.

Am Montagabend sollen Anti-Terror-Einheiten Razzien in Istanbul durchgeführt haben. Dabei seien Hubschrauber eingesetzt und Straßen gesperrt worden. Über Festnahmen wurde nichts bekannt. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte zuvor acht Festnahmen in Istanbul im Zusammenhang mit dem Terrorangriff gemeldet.

Nach einem Pressebericht wurden viele der Opfer durch gezielte Kopfschüsse getötet. Insgesamt habe der Attentäter mehr als 180 Schüsse abgegeben und dabei sechsmal das Magazin gewechselt, berichtetedie Zeitung "Hürriyet Daily News". Laut der Istanbuler Anti-Terror-Behörde benutzte er zudem noch Blendgranaten, um für zusätzliches Chaos in dem Klub zu sorgen.

Schließlich sei der Verdächtige, der ein grünes Hemd, dunkle Hosen und schwarze Stiefel trug, in die Küche gegangen, wo er rund 13 Minuten geblieben sei, die Kleidung gewechselt und seinen Mantel zurückgelassen habe. Er flüchtete zunächst unerkannt mit einem Taxi vom Tatort.

Getty Images

vks/ayy

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