Terror in Nordirland Ehemaliges Mitglied der IRA unter Mordverdacht

Tödlicher Anschlag auf britische Soldaten: Ein ehemaliges Mitglied der aufgelösten Untergrundorganisation IRA wird wegen Mordes angeklagt. Dem Mann wurde schon früher vorgeworfen, Menschen getötet zu haben - die Verfahren endeten mit Freisprüchen.


Hamburg - Bei dem Mann handelt es sich nach Polizeiangaben um Colin Duffy, der seit langem für einen Anschluss der britischen Provinz an Irland kämpft. Die nordirischen Behörden klagen den 41-Jährigen rund drei Wochen nach dem tödlichen Anschlag auf zwei britische Soldaten wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes in fünf Fällen sowie dem unerlaubten Besitz von Waffen an. Er wird am Freitag dem Haftrichter vorgeführt.

Ehemaliges IRA-Mitglied Duffy (r.): Wegen Mordes angeklagt
REUTERS

Ehemaliges IRA-Mitglied Duffy (r.): Wegen Mordes angeklagt

Am 7. März waren bei einem Anschlag auf eine Kaserne in Antrim, nordwestlich von Belfast, zwei britische Soldaten getötet und mehrere Menschen verletzt worden. Zu der Aktion hatte sich die Real IRA bekannt, eine Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee. Bei dem Anschlag hatten die Angreifer unter dem Vorwand einer Pizzalieferung aus einem Auto heraus mit Maschinengewehren das Feuer auf den Stützpunkt eines Pionierregiments eröffnet. Zwei Tage später wurde ein Polizist in Nordirland erschossen. Dazu bekannte sich die Continuity IRA - eine weitere IRA-Splittergruppe.

Duffy wurde bereits in der Vergangenheit des Mordes verdächtigt, aber freigesprochen. Ein Soldatenmord konnte ihm ebenso wenig angelastet werden wie die Ermordung zweier Polizisten durch die IRA. Auch im aktuellen Fall wurde Duffy nach seiner Festnahme zunächst wieder freigelassen, jedoch umgehend wieder festgenommen.

In einer Rede verurteilte der irische Premier Brian Cowen die militanten republikanischen Splittergruppen am Donnerstag scharf. "Sie wollen uns in eine bittere und geteilte Vergangenheit zurückziehen", so Cowen.

Es waren die schwersten Attentate in Nordirland seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie hatten Befürchtungen vor einem Wiederaufleben des Konflikts zwischen militanten pro-irischen und pro-britischen Gruppen ausgelöst. Die IRA hatte 2005 ihren bewaffneten Kampf für beendet erklärt.

jar/AFP/GBR



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