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Terror in Pakistan Polizei greift Mädchen mit Sprengstoffweste auf

Pakistanische Extremisten wollten offenbar eine circa Neunjährige für einen Anschlag missbrauchen. Das Mädchen sei entführt worden, so die Polizei. Dann sei es mit Sprengstoff zu einem Posten geschickt worden. "Sie sagten mir, ich soll den Knopf drücken," berichtet das Kind. 

Peschawar - Die Geschichte klingt schier unglaublich. Ein Mädchen trägt acht Kilogramm Sprengstoff am Körper, nähert sich einem Polizeiposten. Ihr Auftrag: "Ich sollte einen Knopf drücken, wenn ich an dem Posten bin." Doch den Polizisten fällt die Körperhaltung des Kindes auf, offenbar trägt es schwer an seiner Last. 50 Meter vor dem Straßenposten wird das Mädchen festgenommen.

So schildert die pakistanische Polizei den Fall. Am Montag präsentierten die Sicherheitskräfte das Schulmädchen auf einer Pressekonferenz. Das genaue Alter des Kinder ist unklar, in einigen Agenturen heißt es, sie sei acht, in anderen neun Jahre alt. Den Angaben zufolge soll es von Extremisten entführt worden sein, um einen Anschlag zu verüben.

Das Mädchen sei mit einer Sprengstoffweste aufgegriffen worden. Es habe den Auftrag gehabt, im Nordwesten des Landes einen Polizeiposten in die Luft zu jagen, teilte die Polizei am Montag den versammelten Journalisten in Peschawar mit. Das Mädchen habe angegeben, es sei bereits vor einigen Tagen in Peschawar von zwei Frauen und zwei Männern gekidnappt worden. Sie sei betäubt und dann mit einem Auto in die Nähe der Grenze zu Afghanistan gebracht worden, berichtete sie. Sie habe mit der Bombe am Körper den Auftrag bekommen, zu einem Polizeiposten an einer Straße zu gehen. "Als ich in die Nähe der Kontrollstelle kam, habe ich die Weste weggeworfen und um Hilfe gerufen", sagte das Mädchen bei der Pressekonferenz, die landesweit im Fernsehen übertragen wurde.

Keine Vermisstenanzeige, kein Meldeeintrag

Der Name des Kindes wurde mit Sohana Javaid angegeben. Laut Polizei geht es in die dritte Klasse, auch während der Pressekonferenz trug es eine blau-weiße Schuluniform.

Ein Polizeisprecher berichtete, dass das Kind bei dem Anschlagsversuch acht Kilogramm Sprengstoff am Körper getragen habe, was für sein Alter ziemlich schwer sei. "Die Körperhaltung war verdächtig." Das Kind wurde etwa 50 Meter vor dem Straßenposten festgenommen. "Sie ist ein unschuldiges Mädchen", sagte der Polizeisprecher. "Wir versuchen derzeit, ihre Familie zu erreichen."

Merkwürdig ist allerdings, dass es bisher keine Vermisstenanzeige gebe, heißt es aus der Region, die das Kind als seine Heimat angibt. Auch hätten die Behörden keinen Meldeeintrag für ein Mädchen mit dem genannten Namen.

Wenn die Anschuldigungen stimmen, dann war es das erste Mal, dass ein so junges Mädchen mit Sprengstoff aufgegriffen wurde. Jungen sollen bereits mehrfach in ähnlichen Situationen aufgegriffen worden sein. Die Sicherheitsbehörden in Pakistan fürchten, dass die radikalislamischen Taliban womöglich eine neue "Kampftaktik" einläuten wollen. Eine Bestätigung der Angaben des Kindes aus unabhängiger Quelle war nicht möglich.

ler/AFP/Reuters
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