Anschläge von Paris Eine Schutzweste aus Deutschland

Die Attentäter von Paris haben bei ihren Anschlägen offenbar auch auf Ausrüstung "made in Germany" vertraut. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE trug Terrorist Coulibaly eine Schutzweste aus deutscher Produktion.
Amedy Coulibaly in seinem Bekennervideo: "Wir attackieren euch" (Bei der Weste, die Coulibaly hier trägt, muss es sich nicht um die im Text beschriebene handeln.)

Amedy Coulibaly in seinem Bekennervideo: "Wir attackieren euch" (Bei der Weste, die Coulibaly hier trägt, muss es sich nicht um die im Text beschriebene handeln.)

Foto: Uncredited/ AP/dpa

Hamburg - "Was wir getan haben, ist vollkommen legitim. Ihr attackiert das Kalifat, wir attackieren euch." Mit diesen Worten rechtfertigte der Attentäter Amedy Coulibaly in einem nach seinem Tod verbreiteten Video den Irrsinn von Paris, dem 17 Unschuldige zum Opfer gefallen waren. In dem sieben Minuten und 16 Sekunden langen Film zeigte er auch immer wieder seine furchteinflößendste Waffe: eine Kalaschnikow.

Doch der Islamist, polizeibekannt unter anderem wegen mehrerer bewaffneter Raubüberfälle und Drogenhandels, vertraute darüber hinaus auf einen militärischen Ausrüstungsgegenstand aus deutscher Produktion. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE trug der Terrorist Amedy Coulibaly während des Anschlags eine in der Bundesrepublik hergestellte Schutzweste. Die französischen Behörden haben daher das Bundeskriminalamt aufgefordert, die genaue Herkunft der Weste abzuklären und zu prüfen, wie diese nach Frankreich gelangt ist.

Es ist bereits der zweite Bezug nach Deutschland. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Coulibalys mutmaßlicher Komplize Saïd Kouachi mittelbar Kontakte zu deutschen Dschihadisten hatte. Nach SPIEGEL-Informationen reiste Kouachi 2011 nach Oman und traf dort offenbar einen Kader aus der Führung von al-Qaida. Dieser Mann gelangte später nach Syrien und benutzte dort ein Telefon, das Sicherheitskreise dem inzwischen gestorbenen Dinslakener Salafisten Marcel L. zuordneten.

Bei den in Paris benutzten Kalaschnikows wiederum handelte es sich nach Erkenntnissen der Ermittler um sogenannte Dekorationswaffen. Die eigentlich schießuntauglichen Waffen für Sammler wurden wieder einsatzfähig gemacht. Sie sollen bereits vor Jahren in Belgien beschafft worden sein. Überhaupt scheint Coulibaly gute Kontakte in das Nachbarland unterhalten zu haben. So meldete sich kurz nach dem Anschlag ein Mann aus Charleroi bei der Polizei und sagte aus, Coulibaly habe bei ihm ein Auto und Waffen kaufen wollen.

Der Terrorist Coulibaly hatte am Morgen des 8. Januar im Süden von Paris eine Polizistin getötet und einen weiteren Beamten schwer verletzt. Bei dem Überfall soll er die schusssichere Weste aus Deutschland getragen haben. Am darauffolgenden Mittag überfiel Coulibaly einen jüdischen Supermarkt im Osten der französischen Hauptstadt, erschoss vier Menschen und nahm Geiseln. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei tötete den Islamisten am selben Abend, als er versuchte aus dem Laden zu stürmen.

Bislang unklar ist, welche Rolle Terrororganisationen auf der Arabischen Halbinsel bei Coulibalys Tat sowie dem Überfall der Brüder Saïd und Chérif Kouachi auf das Satirenmagazin "Charlie Hebdo" gespielt haben. Während sich Coulibaly in seinem Bekennervideo zum "Islamischen Staat" bekannte, beriefen sich die Brüder Kouachi auf al-Qaida.

Die Ermittler sind sich aber nicht sicher, ob die Gruppierungen in die Planung der Taten wirklich einbezogen waren. Denkbar scheint ihnen auch, dass die Attentäter autonom handelten und lediglich von der Hetze der Milizen inspiriert worden waren.

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