Ermittlungen zum Terrornetzwerk in Spanien Gasflaschen, Axt und Messer

Die Anschläge in Barcelona und Cambrils gehen laut Polizei auf das Konto einer Terrorzelle. Die Männer planten offenbar einen noch verheerenderen Angriff - und handelten überstürzt, als sich eine Panne ereignete.

Polizisten in Barcelona
AFP

Polizisten in Barcelona


Der Doppelanschlag in Spanien geht nach Erkenntnissen der Polizei auf das Konto einer Terrorzelle, die offenbar noch größere Verheerungen anrichten wollte.

Die Attacken in Barcelona und Cambrils seien auf primitivere Weise ausgeführt worden als geplant, sagte der Chef der katalanischen Polizei, Josep Lluís Trapero, am Freitag. Die bisherigen Ermittlungen deuteten daraufhin, dass es eine "Personengruppe" gebe, die von den Orten Ripoll und Alcanar bei Barcelona aus agiert habe, sagte Trapero. Die Attentäter handelten demnach überstürzt, als ihre ursprünglichen Pläne gescheitert waren.

Trapero verwies auf eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag in Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona. Dort hätten die Angreifer Bomben vorbereitet. Nach dieser Explosion hätten die Attentäter "nicht mehr das Material gehabt, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben".

Was das ursprüngliche Anschlagsziel war, blieb zunächst offen. Der Doppelanschlag von Barcelona und Cambrils sei nach dem Beispiel ähnlicher Attacken in anderen europäischen Städten begangen worden, sagte Trapero. Die Taten hätten aber nicht das von den Dschihadisten "erhoffte Ausmaß" gehabt.

Der Verdächtige Moussa Oukabir, dessen Leiche von der spanischen Polizei mittlerweile identifiziert worden sein soll, galt zunächst als der Mann, der den weißen Lieferwagen auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas in die Menschenmenge gefahren haben soll. Ob das stimmt, ist immer noch unklar. Oukabir soll unter den fünf Terroristen gewesen sein, die in der Nacht zum Freitag rund 100 Kilometer südlich von Barcelona in Cambrils erschossen wurden.

Moussa Oukabir
imago/ E-PRESS PHOTO.com

Moussa Oukabir

Nur Stunden nach dem Anschlag in Barcelona wurde im Badeort Cambrils eine Frau von fünf flüchtenden Terroristen getötet. Die Männer versuchten zu entkommen, als sie mit ihrem Auto von der Polizei gestoppt wurden, und verletzten dabei mehrere Passanten. Alle fünf Männer wurden von der Polizei erschossen, in dem Wagen fand man neben Attrappen von Sprengstoffgürteln auch eine Axt und mehrere Messer.

Aufeinanderprallen von rechten Demonstranten und Passanten in Barcelona

Trauernde am Anschlagsort
AFP

Trauernde am Anschlagsort

Am Ort des Terroranschlags von Barcelona kam es am Freitagabend zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen rechten Demonstranten und Passanten. Die Demonstranten tauchten am Abend unweit der Einmündung des Rambla-Boulevards zur Plaça Catalunya auf. Sie trugen Flaggen mit dem Symbol der Identitären Bewegung sowie Transparente mit Aufschriften wie "Defend Europe" und "Stop Islamization of Europe". Eine Menschenmenge stellte sich ihnen entgegen und rief lautstark "Faschisten raus aus unseren Stadtvierteln!".

Wegen der Demonstrationen konnte Bundesaußenminister Gabriel dort nicht der 13 Todesopfer gedenken. Er und der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hatten auf der Flaniermeile Las Ramblas am Freitagabend Blumen niederlegen wollen.

bam/dpa/AFP

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