Terror Massenausbruch von Qaida-Verdächtigen im Jemen?

Nutzt al-Qaida das Chaos im Jemen aus? Im Süden des Landes sollen Dutzende mutmaßliche Mitglieder aus einem Gefängnis entflohen sein - womöglich wurden sie sogar von Kampfgefährten befreit. Es sollen auch Irak-Veteranen darunter sein.

Oppositionelle auf den Straßen: Nutzt al-Qaida die Unruhen aus?
REUTERS

Oppositionelle auf den Straßen: Nutzt al-Qaida die Unruhen aus?

Von Yassin Musharbash


Mukalla - 62 Qaida-Mitglieder sollen am Mittwoch aus einem Gefängnis in der südjemenitischen Stadt Mukalla geflohen sein. So meldet es die Nachrichten-Website Masdar unter Berufung auf Quellen im Sicherheitsapparat. Dem Bericht zufolge sollen unter den Ausbrechern viele Veteranen des Kampfes gegen die US-Truppen im Irak sein, die in dem Gefängnis in Untersuchungshaft saßen.

Der englischsprachigen Website des arabischen Satellitensenders al-Dschasira zufolge attackierten bis zu 40 der Insassen die Wärter und entwendeten ihnen ihre Waffen. Gleichzeitig sollen schwer bewaffnete Kämpfer das Gefängnis angegriffen haben. Diese Version würde auf eine von Außen unterstützte Befreiungsaktion deuten.

Ganz klar ist allerdings nicht, was in der Hauptstadt der Provinz Hadramaut geschah. Die Nachrichtenagentur AP berichtet zwar ebenfalls von einem Angriff von Außen - aber zugleich sollen 57 der insgesamt 62 Insassen durch einen Tunnel geflüchtet sein. AP beruft sich ebenfalls auf Quellen im Sicherheitsapparat. Reuters berichtet auch über den Ausbruch, erwähnt aber keinen Fluchttunnel.

Präsident Salih will angeblich bald zurückkehren

Die Meldungen schüren die Sorge, dass das Terrornetzwerk al-Qaida, das im Jemen über eine schlagkräftige Filiale verfügt, das Chaos im Land ausnutzt. Seit einem Vierteljahr tobt im Jemen ein Aufstand gegen den seit 33 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdullah Salih. Nach einem Anschlag auf seinen Palast war Salih schwer verletzt nach Saudi-Arabien ausgeflogen worden. Seitdem herrscht im Jemen ein Sicherheits- und Machtvakuum.

Die Meldungen über den Gefängnisausbruch stammen wohl aus jemenitischen Sicherheitsquellen und müssen daher mit Skepsis betrachtet werden. Die Opposition wirft der Regierung seit Jahren vor, zur Ablenkung von innenpolitischen Schwierigkeiten militante Islamisten als Schreckgespenst aufzubauen.

Andererseits haben Gefängnisausbrüche von Qaida-Militanten eine gewisse Tradition im Jemen. 2006 flohen zum Beispiel mehrere Militante aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Hauptstadt Sanaa - heute stellen die Flüchtigen die Führungsriege des Qaida-Ablegers im Land. Bis heute wird vermutet, dass sie damals Hilfe von Innen hatten, als sie ausbrachen.

Die Lage im Jemen ist nach wie vor angespannt. Aus dem Umfeld von Präsident Salih verlautete, dieser werde in wenigen Tagen aus Saudi-Arabien zurückkehren. Oppositionelle und mit Salih verfeindete Stammesführer haben hingegen versprochen, dass sie ihn nicht wieder ins Land lassen werden. Salih hatte mehrfach Kompromisse für einen friedlichen Machtwechsel platzen lassen. Insgesamt sind während der Unruhen hunderte Menschen ums Leben gekommen. Teile der Armee haben sich von dem Autokraten losgesagt.

Mit AP und Reuters



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