Terror Paketbombe an Berlusconi geht in Flammen auf

Bombenalarm im Berliner Kanzleramt, eine Anschlagsserie in Athen - jetzt wurde auch in Italien Terroralarm ausgelöst: Sprengstoffexperten entdeckten ein an Regierungschef Berlusconi adressiertes Päckchen - beim Öffnen fing es Feuer. Verletzt wurde niemand.
Terror: Paketbombe an Berlusconi geht in Flammen auf

Terror: Paketbombe an Berlusconi geht in Flammen auf

Foto: Antonio Calanni/ AP

Silvio Berlusconi

Rom/Athen - Die Maschine einer Kurierfirma war auf dem Weg von Athen nach Rom - als sie außerplanmäßig in Bologna landen musste, stießen Sicherheitsexperten auf die verdächtige Fracht: ein an Italiens Regierungschef adressiertes Paket.

Italienischen Polizeiangaben zufolge öffneten Sprengstoffexperten das Paket, dabei sei eine kleine Flamme entstanden. Verletzt wurde demnach niemand. Die Überreste des Pakets würden jetzt analysiert. Der Flughafen von Bologna wurde für mehrere Stunden geschlossen.

Insgesamt wurden damit bis Dienstagabend rund ein Dutzend Paketbomben entdeckt, von Athen aus verschickt und adressiert. In der Postprüfstelle des Berliner Kanzleramts wurde ein mit einer Rohrbombe präpariertes Paket an Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Wasserkanone unschädlich gemacht. Verletzt wurde dabei niemand. Das Paket, abgegeben von einem Kurierdienst, kam den Mitarbeitern in der Prüfstelle bei der üblichen Vorkontrolle verdächtig vor, bei der alle Sendungen durchleuchtet werden. Bei dem darin enthaltenen Sprengsatz habe es sich um eine Art mit Schwarzpulver gefüllte Rohrbombe gehandelt, sagte ein Beamter SPIEGEL ONLINE. Diese sei in einem ausgehöhlten Buch versteckt gewesen.

Bombenpost ging auch an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, an die deutsche Botschaft sowie weitere diplomatische Vertretungen. Verletzt wurde bei den Anschlagsversuchen in den vergangenen zwei Tagen niemand; die Bomben hatten keine große Sprengkraft.

"Wir verurteilen es aufs Schärfste und widersetzen uns unerbittlich jedem, der mit Terroraktionen und Gewalt versucht, dem sozialen Frieden und dem Bild des Landes im Ausland zu schaden", sagte der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou am Dienstagabend in einer Rede. Die griechischen Sicherheitsbehörden würden daran arbeiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, versicherte er.

Als Konsequenz wurden um Mitternacht für 48 Stunden alle Kurierdienste von Griechenland ins Ausland eingestellt. Die griechische Polizei wollte alle Pakete kontrollieren, die im Athener Flughafen waren, berichtete das Staatsfernsehen (NET) am späten Abend. Die griechische Regierung nahm zwei mutmaßliche Mitglieder einer Untergrundorganisation fest. Griechische Sicherheitsexperten vermuten Linksextremisten hinter den Paketbomben.

Angela Merkel

Bundeskanzlerin (CDU) sprach sich nach den Paketbombenfunden für schärfere Sicherheitsbestimmungen bei der Luftfracht aus. "Dieser Vorfall und auch das Problem, das wir gerade im Bundeskanzleramt mit einem verdächtigen Paket hatten, müssen Anlass sein, die Kontrollen für Frachtgüter innerhalb Europas, mit den Vereinigten Staaten und dann möglichst weltweit besser abzustimmen", sagte Merkel der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch.

Die Sicherheitsbestimmungen für Luftfracht seien "weltweit sehr uneinheitlich", sagte sie der Zeitung. Es gehe daher darum, weltweit strengere Kontrollen durchzusetzen, um Terroranschlägen vorzubeugen. "Der Terrorismus lässt sich nur wirksam bekämpfen, wenn wir weltweit die Kräfte bündeln", sagte Merkel. Sie rief vor diesem Hintergrund "jeden Einzelnen" zur Wachsamkeit auf.

hen/dpa/Reuters/dapd
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