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Terror US-Spezialkräfte töten Osama Bin Laden

Er war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet - dies gab US-Präsident Obama in einer Rede an die Nation bekannt. 

Washington - Auf diese Nachricht haben die USA fast zehn Jahre gewartet: Osama Bin Laden ist tot, er starb im Alter von 54 Jahren. Der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida sei am Sonntag bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet worden, teilte US-Präsident Barack Obama in einer Rede an die Nation mit. Er habe den geheimen Einsatz der Spezialkräfte angeordnet.

"Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", sagte Obama. "Bin Laden war kein Muslimführer, er war ein Massenmörder." Seit dem vergangenen August hätten die USA die Spuren des Topterroristen verfolgt. Seit der vergangenen Woche hätten sich die Spuren verdichtet, nun sei es möglich gewesen, Bin Laden auszuschalten. Auf ihn hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Die Aktion sei in Zusammenarbeit mit Pakistan durchgeführt worden. "Ein kleines Team von Amerikanern hat die Operation mit außergewöhnlichem Mut und Fähigkeiten ausgeführt", sagte Obama. Bin Laden sei auf einem Gelände in der pakistanischen Stadt Abbottabad nach einem Schusswechsel getötet worden, anschließend hätten die US-Kräfte die Leiche des Qaida-Chefs an sich genommen. "Kein Amerikaner ist zu Schaden gekommen", sagte Obama. Die Kommandoeinheit habe sich bemüht, zivile Opfer zu vermeiden.

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Osama Bin Laden und 9/11: Trauma der westlichen Welt

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Aus Regierungskreisen in Washington verlautete, dass bei dem Einsatz drei weitere Männer und eine Frau getötet worden seien. Darunter habe sich offenbar auch ein Sohn Bin Ladens befunden. Die Kommandoaktion dauerte den Angaben zufolge weniger als 40 Minuten.

Bin Laden starb durch einen Kopfschuss

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Kongressmitglieder in Washington, Bin Laden sei durch einen Kopfschuss getötet worden. Pakistanische Medien veröffentlichten wenige später ein Foto des toten Bin Laden. Sein Gesicht ist darauf zerstört, doch es gibt Zweifel daran, ob das Foto echt ist.

Der Terrorchef hatte sich offenbar in einem mehrstöckigen Haus versteckt, in einer Gegend, in der viele pakistanische Generäle leben. Das Gebäude war durch große Mauern gesichert. Erste TV-Bilder eines pakistanischen Nachrichtensenders zeigen das brennende Gebäude, riesige Flammen steigen in den nächtlichen Himmel.

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Osama Bin Laden: Ein Leben, um zu töten

Foto: HO/ AFP

Nach Informationen von CNN wurde die Kommandoaktion von Spezialkräften der Navy Seals durchgeführt. Mehrfach hatten sie den Zugriff vorher geprobt. Die Elitesoldaten waren mit Hubschraubern eingeflogen worden.

Auch der pakistanische Geheimdienst Inter Services Intelligence (ISI) bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE den Tod Osama Bin Ladens. Der meistgesuchte Terrorist der Welt sei "in einer hochgeheimen, zwischen pakistanischen und US-Kräften koordinierten Aktion" aufgespürt und getötet worden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE begann der Zugriff um 1.30 Uhr in der Nacht, drei US-Apache-Hubschrauber seien beteiligt gewesen. Demnach wurde vom Boden aus zurückgeschossen, nach Angaben von Augenzeugen musste ein Hubschrauber notlanden. Der Schusswechsel dauerte demnach bis 4 Uhr morgens. Die Amerikaner haben laut CNN einen ihrer Hubschrauber selbst zerstört, weil sie ihn zurücklassen mussten.

Mehrere Menschen, darunter auch Frauen, wurden verhaftet, einige von ihnen beim Schusswechsel verletzt und anschließend in das Militärkrankenhaus von Abbotabad gebracht.

"Ein Sieg für die Menschen, die nach Frieden auf der Welt streben"

Ein hochrangiger Taliban-Kommandeur hatte SPIEGEL ONLINE bereits vergangene Woche den Hinweis gegeben, Bin Laden halte sich "in Nordpakistan, ganz in der Nähe der Hauptstadt" auf. Die pakistanische Regierung hatte bislang bestritten, dass Bin Laden und andere hochrangige Terroristen wie Qaida-Vize al-Zawahiri oder der afghanische Taliban-Chef Mullah Omar sich auf pakistanischem Boden aufhielten.

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Tod von Osama Bin Laden: Jubel auf Amerikas Straßen

Foto: Manuel Balce Ceneta/ AP

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte in einer Stellungnahme: "Dies ist ein sehr wichtiger Moment, nicht nur für die Familien derer, die am 11.September ihr Leben verloren, sondern für alle, die für eine gute Zukunft für unsere Kinder arbeiten. Für eine Zukunft in Frieden, Freiheit und Zusammenhalt. Ich gratuliere dem Präsidenten, dem Nationalen Sicherheitsrat und unserem Militär."

Auch Obamas Vorgänger George W. Bush gratulierte dem US-Präsidenten. Obama habe ihn angerufen und gesagt, dass US-Truppen Bin Laden getötet hätten, teilte Bush mit. "Dieser bedeutsame Erfolg markiert einen Sieg für Amerika, für die Menschen, die nach Frieden auf der Welt streben, und für all diejenigen, die Angehörige am 11. September 2001 verloren haben", so Bush. Die USA "haben eine unmissverständliche Botschaft gesandt: Egal wie lange es dauert, der Gerechtigkeit wird Genüge getan", sagte der frühere Präsident.

Vor dem Weißen Haus in Washington strömten Menschen zusammen, sie sangen die US-Nationalhymne. Es ist ein Zeichen der Erleichterung. Bin Laden wird für die Anschläge des 11. September 2001 verantwortlich gemacht, fast 3000 Menschen kamen bei den Anschlägen auf das World Trade Center, auf das Pentagon in Washington und bei einem Flugzeugabsturz in Pennsylvania damals um.

Die USA versetzten derweil ihre diplomatischen Vertretungen rund um den Globus in höchste Alarmbereitschaft. Zudem rief die US-Regierung auch ihre Bürger in aller Welt zur Wachsamkeit auf. In einer Mitteilung des Außenministeriums wurden Bürger in besonders brisanten Regionen "angesichts der Unsicherheit und Unberechenbarkeit der gegenwärtigen Lage dringend" aufgerufen, Massenversammlungen oder Demonstrationen zu meiden.

jul/kaz/hen/Reuters/dpa/AFP/AP/dpa