Terror-Welle Dutzende Tote bei Anschlägen im Irak

Irakische Extremisten überziehen das Land mit dem blutigsten Terror seit Wochen: Nach dem verheerenden Anschlag auf einen Trauerzug gestern rissen Selbstmordattentäter heute mehr als hundert Menschen in den Tod. Erst traf es Pilger in Kerbela, dann junge Polizeirekruten in Ramadi.


Kerbela - Bei der Bombenexplosion in der irakischen Pilgerstadt Kerbela wurden am Morgen nach Polizeiangaben mindestens 49 Menschen getötet. 52 weitere wurden verletzt. Der Täter hatte vor dem Imam-Hussein-Schrein, einem der bedeutendsten Heiligtümer der irakischen Schiiten, zunächst mehrere Handgranaten geworfen und dann eine acht Kilogramm schwere Bombe gezündet.

Der Ort der Explosion liegt nur 30 Meter von der Grabmoschee entfernt, mitten in einer belebten Fußgängerzone. Verletzte wurden in Handkarren weggebracht, auf dem Boden waren Pfützen mit Blut zu sehen.

Anschlag in Kerbela: "Eine feige Tat"
REUTERS

Anschlag in Kerbela: "Eine feige Tat"

Kerbela, 80 Kilometer südlich von Bagdad, ist ein Wallfahrtsort für Schiiten aus aller Welt, vor allem viele Iraner besuchen die heiligen Stätten. Ein Berater von Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafari nannte den Anschlag "eine feige Tat". Haidar al-Obadi gab "Elementen der aufgelösten Baath-Partei (von Saddam Hussein) und islamistischen Extremisten" die Schuld.

In der irakischen Stadt Ramadi, 115 Kilometer westlich von Bagdad, tötete ein Selbstmordattentäter nach Krankenhausangaben mindestens 60 Menschen, als er sich inmitten einer Gruppe von Polizei- und Armeerekruten in die Luft sprengte. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt. Die Bombe explodierte vor einer Glasfabrik, in der Rekruten für den Polizeidienst angeworben wurden.

Gestern hatte ein Selbstmordattentäter bei einer Trauerfeier von Schiiten im irakischen Makdadija mindestens 36 Menschen mit in den Tod gerissen. Die neue Eskalation der Gewalt steht offenbar im Zusammenhang mit der Regierungsbildung nach der Parlamentswahl vom 15. Dezember.



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