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19. November 2010, 20:47 Uhr

Terroralarm im Flugverkehr

80-jährige Amerikanerin soll Bombenattrappe gebaut haben

Von , New York

Die auf einem Flughafen in Namibia entdeckte vermeintliche Bombe hielt die Polizei stundenlang in Atem. Nun scheint festzustehen: Die Attrappe wurde in den USA gebastelt - von der 80-jährigen Schwiegermutter des Besitzers einer kleinen Sicherheitsfirma.

Die auf dem Flughafen in Windhuk in Namibia entdeckte Bombenattrappe stammt offenbar von einer kleinen Sicherheitsfirma in Kalifornien. "Es war ein Übungsgerät, das wir vor etwa vier Jahren hergestellt haben", sagte Larry Copello, der Inhaber des Unternehmens, SPIEGEL ONLINE. Er habe das FBI bereits am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) darüber informiert. Der sogenannte "Realtest-Koffer" sei ein ganz normales Exemplar aus seinem Verkaufsortiment und habe nie Sprengstoff enthalten. "Er war eine reine Attrappe." Dies hatte zuvor auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigt.

"Es bestand nie Gefahr", versicherte nun Copello. Der Koffer sei als Testgerät "zur Erkennung von improvisierten Sprengkörpern, etwa in Durchleuchtungsmaschinen" gebaut worden. Seine 80-jährige Schwiegermutter habe den Apparat damals selbst zusammengesetzt: "Sie hat ihn verdrahtet, verkabelt und zusammengebaut."

Wem er den fraglichen Koffer verkaufte, konnte Copello nicht sagen, da er das Gerät nicht habe exakt identifizieren können. "Ich habe keine Ahnung, wie das Ding da gelandet ist, wo es jetzt auftauchte", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Ich kann es nicht verstehen. Irgendjemand muss es deplatziert oder verloren haben."

"Wir haben ja noch nicht mal eine Website"

Die Attrappe trug nach Angaben Copellos einen klaren Aufkleber mit seinem Namen und seiner Telefonnummer im kalifornischen Sonora, etwa 200 Kilometer östlich von San Francisco. Das FBI habe ihn deswegen bereits am Donnerstag kontaktiert und dann am Nachmittag Beamte nach Sonora geschickt, um ihn persönlich zu befragen. Er habe den Koffer anhand von FBI-Fotos identifiziert. Er habe ihnen alles über dessen Provenienz gesagt, was er wusste. "Sie sagten, sie würden die Ermittlungen fortsetzen."

Copello betreibt seine kleine Sicherheitsfirma, die nur drei Mitarbeiter hat und nach ihm benannt ist, nach eigenen Angaben bereits seit 1988. "Wir stellen Trainingsgeräte für Sicherheitsbedürfnisse her", sagte er. Zu seinen Kunden zählten Regierungsstellen wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde TSA, Ministerien, Polizeiämter, Fluggesellschaften und andere Institutionen, die "mit Sicherheitsmaßnahmen zu tun haben".

Privatkunden habe er "absolut keine", stellte Copello klar. Alle Kunden würden streng geprüft und müssten sich als Mitarbeiter eines berechtigten Amtes bei ihm ausweisen und eine "amtliche Bestellung" vorweisen. Verdächtige Kunden würde er sofort melden. Seine Firma betreibe auch keine Werbung: "Wir haben ja noch nicht mal eine Website."

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