Terroralarm im Pazifik FBI warnte vor geplanter Flugschule eines Deutschen auf Kiribati

Weil er auf der abgelegenen Pazifikinsel Kiribati eine Flugschule gründen wollte, ist ein Deutscher ins Visier des FBI geraten. Die US-Ermittler schickten der Regierung Kiribatis eine Terrorwarnung. Der Verdächtige soll Verbindungen zu Mohammed Atta gehabt haben.


Canberra - Mit einer Yacht soll Wolfgang B. vor einem Jahr nach Kiribati gekommen sein. Sein Plan: Die Gründung einer Flugschule auf Fanning Island, einem winzigen Eiland der Inselgruppe Kiribati, auf dem es nicht einmal Telefon gibt, geschweige denn einen intakten Flugplatz. Der deutsche Staatsbürger besprach sein Anliegen mit dem Präsidenten des Inselstaates, Anote Tong. Aufgrund der Umstände sei er sehr skeptisch gewesen, sagte Tong dem australischen Radiosender ABC. Die Idee kam ihm seltsam vor: "Wir bekamen Informationen, dass möglicherweise etwas mehr hinter seinem Plan steckte, als es zunächst den Anschein machte."

Terroralarm im Paradies: Eine Insel des Pazifikstaates Kiribati
AP

Terroralarm im Paradies: Eine Insel des Pazifikstaates Kiribati

Diese Informationen kamen aus den USA. Dem ABC-Bericht zufolge schickte das FBI dem Präsidenten eine Terrorwarnung. So soll Wolfgang B. in Verbindung zu Mohammed Atta gestanden haben, einem der Köpfe der Flugzeugentführer bei den Anschlägen vom 11. September. Einzelheiten zu der Art der Verbindung wurden nicht genannt. Auch ging aus dem Bericht nicht hervor, wann genau die Warnung in Kiribati einging. Dem Bericht zufolge soll der Deutsche den Inselstaat inzwischen jedoch fluchtartig auf seiner Yacht wieder verlassen haben - unverrichteter Dinge und mit unbekanntem Ziel.

Tong sagte dem australischen Rundfunksender, das FBI habe ihn gewarnt, dass kleine Staaten wie Kiribati für Terroristen verlockend sein könnten. In Kiribati leben 94.000 Menschen auf 33 Atollen, die sich über eine Entfernung von 4.000 Kilometern erstrecken. "Wir haben nicht die Mittel, um alles zu überwachen", sagte Tong.

Für die USA ist Kiribati von geostrategischer Bedeutung, da der Inselstaat mit einer Entfernung von rund 2000 Kilometern zu den nächsten Nachbarn von Hawaii gehört. Fanning Island, auf dem die Flugschule entstehen sollte, gehört zu den Inseln des Atolls, die Hawaii am nächsten liegen.

Kiribatis Konsul in den USA, Bill Paupe, erklärte gegenüber ABC, der Plan des Deutschen, eine Flugschule auf der Pazifikinsel aufzubauen, ergebe keinen Sinn. "Es wäre sehr teuer", sagte Paupe, der auf Hawaii selbst im Fluggeschäft tätig ist, mit Blick auf die entstehenden Kosten für Transporte und Versorgung von Schülern und Lehrern. Der einzige nachvollziehbare Grund, dort eine Flugschule aufzumachen, könne Paupes Meinung nach das Ziel sein, sich der Kontrolle der Flugbehörden der USA, Neuseelands und Australiens zu entziehen.

phw/AP



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