Terror-Attacke in Sanaa Zwei deutsche Entwicklungshelfer im Jemen getötet

Bei einem Terrorangriff auf das jemenitische Verteidigungsministerium in Sanaa sind zwei deutsche Entwicklungshelfer und ihr Fahrer getötet worden. Insgesamt gab es mehr als 50 Todesopfer.

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Berlin - Bei einem offenkundig gut geplanten und mehrstündigen Terrorangriff auf das jemenitische Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Sanaa sind zwei deutsche Staatsbürger ums Leben gekommen. Am Donnerstagabend bestätigte Außenminister Guido Westerwelle, dass die beiden Entwicklungshelfer der staatlichen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und ihr jemenitischer Fahrer am Morgen getötet worden waren. "Ich bin zutiefst bestürzt", sagte er. "Die Bundesregierung verurteilt die feigen Anschläge in Sanaa auf das Schärfste."

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden die beiden GIZ-Mitarbeiter und ihr Fahrer erschossen, nachdem eine Gruppe von Angreifern auf das Gelände des Ministeriums vorgedrungen war und in dem dortigen Militärkrankenhaus ein regelrechtes Blutbad anrichtete. Bei einem der beiden getöteten GIZ-Mitarbeiter handelt es sich um den Leiter der Entwicklungsagentur für den Jemen. Er war gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen in dem Militärkrankenhaus bei einem Termin. Der lokale Ableger von al-Qaida hat sich zu den Gewalttaten bekannt.

Nach den ersten Hinweisen über den Tod der beiden Deutschen trat in Berlin schon am Donnerstagmittag umgehend der Krisenstab des Auswärtigen Amts (AA) unter der Leitung einer Staatssekretärin zusammen. Minister Guido Westerwelle wurde auf einer Dienstreise in der Ukraine laufend unterrichtet. Am frühen Nachmittag entschloss sich Westerwelle, früher als geplant nach Berlin zurückzukehren und die Lage im Jemen mit den Fachleuten und Experten der Sicherheitsbehörden zu beraten.

Offiziell bestätigt das AA den Tod der beiden Deutschen bis zum Abend nicht, vielmehr galten sie offiziell als vermisst. Routinemäßig geht das Amt erst mit einer Mitteilung an die Öffentlichkeit, wenn die Angehörigen informiert worden sind und Botschaftsmitarbeiter den Fall vor Ort recherchiert haben. Dies war aufgrund der chaotischen Lage nach der konzertierten Attacke auf das Ministerium kaum möglich. Zudem galten zunächst zwei weitere Deutsche, die sich ebenfalls auf dem Gelände des Ministeriums aufhielten, als vermisst. Sie haben den Angriff jedoch überlebt.

Krankenschwestern und Ärzte umgebracht

Innerhalb des Geländes lieferten sich die bewaffneten Angreifer ein stundenlanges Feuergefecht mit den Sicherheitskräften. Nach offiziellen Angaben starben 52 Menschen. In dem Militärkrankenhaus der jemenitischen Armee sollen die Angreifer Krankenschwestern und Ärzte umgebracht haben. Lokale Medien meldeten unter Berufung auf Ärzte, die Angreifer hätten in einem Operationssaal zwei jemenitische Ärzte, ihren Patienten - einen bekannten Richter - und dessen Ehefrau erschossen. Auch drei Krankenschwestern seien von den Eindringlingen getötet worden. Die Frauen stammen nach Informationen des Nachrichtenportals "News Yemen" aus Indien, Venezuela und von den Philippinen.

Die Attacke hatte am Morgen mit einem Selbstmordanschlag vor einem der Tore des Ministeriums begonnen. Die Explosion war in der ganzen Stadt zu hören, eine schwarze Rauchsäule stand stundenlang über dem Gebäudekomplex. Augenzeugen sprachen später von heftigem Maschinengewehrfeuer, das nach der ersten Detonation immer wieder aufgeflammt sei.

Die Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) bekannte sich per Twitter zu den Anschlägen. Gemeinsam mit den USA bekämpft das lokale Militär diese Gruppe seit Jahren, deswegen gelten Soldaten und Einrichtungen seit jeher als Ziele für die Terroristen. Dass sie zu einem so gut geplanten Angriff mitten in der Hauptstadt in der Lage sind, zeigt die Stärke des Ablegers der von Osama Bin Laden gegründeten al-Qaida.

Im Auswärtigen Amt berät der Krisenstab nun das Vorgehen für die weiteren Deutschen im Land, sowohl für das bereits massiv ausgedünnte Personal der Botschaft als auch für die anderen im Jemen lebenden Deutschen. Bereits nach einem tödlichen Angriff auf einen deutschen Sicherheitsbeamten der Botschaft Anfang Oktober vor einem Supermarkt in Sanaa hatte das Ministerium die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht und eine scharfe Reisewarnung für das ganze Land ausgerufen.

Die Hintergründe der Tat sind bis heute unklar.



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