Terroranschläge Die Jagd auf den Waffenlieferanten der al-Qaida

Offenbar gab es die Pläne für die Terroranschläge vom 11. September schon seit Jahren. US-Stellen nahmen entsprechende Warnungen aber nicht ernst. Unterdessen verzeichnen Ermittler erste Erfolge bei der Zerschlagung der Waffen-Nachschubwege.


Manila - Es reicht von Afghanistan über die Abu-Sayyaf auf den Philippinen bis nach Afrika: Europäische und amerikanische Ermittler sind derzeit dem weltweit größten Waffenversorgungsnetzwerk der Taliban- und al-Qaida auf der Spur.

Wie die Washington Post schreibt, ist der frühere Offizier der Sowjetarmee, Viktor Bout, Dreh- und Angelpunkt des Netzwerkes. Er operiere von den Vereinten Arabischen Emiraten aus. Sein Netzwerk sei einmalig, teilten amerikanische und europäische Stellen mit, die in den vergangenen Jahre versucht hatten, dem Waffenhändler das Handwerk zu legen.

Zurzeit sitzt einer der wichtigsten Kontaktleute Bouts, Sanjivan Ruprah, in Belgien in Haft. Ruprah wurde Anfang des Jahres wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Mitführen eines falschen Passes verhaftet. Seitdem liefert er nach Angaben der Ermittler wichtige Insider-Informationen darüber, wie das Waffen-Netzwerk funktioniert. Die Ermittler sind insbesondere an neuen Details interessiert, die Informationen über die Flüge und Lieferungen Bouts vor den Terroranschlägen vom 11. September liefern.

Offenbar hat sich Bout darauf spezialisiert, Waffenembargos auf der ganzen Welt zu umgehen. Wie aus Berichten des Weltsicherheitsrates hervorgeht und Ermittler verschiedener Nationalitäten bestätigen, kauft er die Waffen fast ausschließlich im ehemaligen Ostblock auf, vor allem in Bulgarien und Rumänien. Für seine Waffenlieferungen wurde der Mann häufig mit Diamanten aus Sierra Leone, dem Kongo und Angola bezahlt, schreibt die "Washington Post".

Haben die US-Stellen versagt?

Geheimdienstquellen in Südostasien sind unterdessen überzeugt, dass die Flugzeugentführer des 11. September möglicherweise auch auf Pläne eines vereitelten Terrorplans aus dem Jahre 1995 zurückgregriffen haben. Die Pläne waren vor einigen Jahren in den Philippinen gefunden wurden. Darin wurde dazu aufgerufen, mit entführten Transportflugzeugen in Gebäude in den Vereinigten Staaten zu fliegen.

Wie Offizielle in Malaysia und Singapur jetzt erklärten, gilt Riduan Isamuddin, auch bekannt als Hambali, als einer der Drahtzieher krimineller Aktivitäten in der Region. Möglicherweise habe er geholfen, die Terroranschläge zu verüben, berichtet CNN.

1995 tauchte der Name Hambali zum ersten Mal auf - auf einer Liste einer Firma, die nach den Erkenntnissen der Ermittler eine Terrorzelle gründete, die noch im selben Jahr aufgedeckt wurde.

Dem Bericht zufolge sind die philippinischen Ermittler überzeugt, dass die Terroranschläge vom 11. September hätten verhindert werden können, wenn die USA dem nachgegangen wäre, was auf einem beschlagnahmten Computer in der Zeit entdeckt worden war. Die Informationen darüber, was im September in New York tatsächlich passierte, habe sich auf den Disketten befunden, die in dem Lagerhaus der Terroreinheit gefunden wurde, berichtet ein Ermittler.

US-Stellen wiegeln dagegen ab: Tatsächlich seien die Informationen an die US-Regierung weitergegeben worden. Jedoch würden jede Woche Dutzende Tipps über Terrorpläne und Verschwörungen eingehen.



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