Terroranschläge Europa holt seine Staatsbürger aus der Gefahrenzone

Sonderflüge, Krisenteams und Ratschläge zum Überleben: Regierungen in ganz Europa mühen sich nach den blutigen Anschlägen im indischen Mumbai, ihre Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Auf EU-Ebene laufen die Fäden zusammen.


Berlin - Nur fort aus Mumbai: Nach den Anschlägen in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai, dem früheren Bombay, mit mehr als hundert Todesopfern planen europäische Staaten, ihre Bürger auszufliegen. Es gebe zwei entsprechende Vorhaben, sagte der spanische Konsul in Mumbai, Cesar Alba, dem spanischen Rundfunk am Donnerstag.

Die spanische Regierung plane die Entsendung eines Flugzeugs und auch auf europäischer Ebene werde eine solche Aktion diskutiert. Die europäische Idee sehe vor, ein größeres Flugzeug zu schicken und alle Europäer auszufliegen, sagte Alba.

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Spanien plane die Entsendung eines Flugzeugs, um alle Spanier "so schnell wie möglich" aus Mumbai herauszubringen, sagte auch der spanische Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba in Brüssel. Unter den Verletzten seien auch zwei Spanier, von denen einer im Krankenhaus behandelt worden sei.

Das britische Außenministerium hat nach den Anschlägen davor gewarnt, in den Straßen von Mumbai herumzulaufen. Jeder, der in der Stadt lebe, solle "in geschlossenen Räumen bleiben, bis die lokalen Behörden bekanntgeben, dass es draußen wieder sicher ist", hieß es am Donnerstag auf der Web-Seite des Ministeriums. Die Regierung flog zudem ein Krisenteam von London nach Indien, das den Briten vor Ort helfen sollte. Darunter waren auch Seelsorger des Roten Kreuzes.

Merkel bietet Hilfe Deutschlands an

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der indischen Regierung Hilfe bei der Bewältigung der Terroranschläge von Mumbai und Neu-Delhi angeboten. In einem am Donnerstag veröffentlichten Beileidsschreiben an Premierminister Manmohan Singh drückte sie darüber hinaus ihr Mitgefühl aus und verurteilte die terroristischen Taten scharf.

Merkel hatte im vergangenen Jahr Indien besucht und dabei in dem von Terroristen besetzten und von Sicherheitskräften gestürmten Luxushotel Taj Mahal übernachtet. "Mit Bestürzung" habe sie die Nachrichten aufgenommen, schrieb Merkel. "Neben dem traurigen Schicksal der vielen Getöteten bewegt mich dabei die furchtbare Situation derer, die von den Terroristen als Geiseln genommen wurden. Die Bundesregierung verurteilt diese verbrecherischen Taten scharf."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich in einem Schreiben an seinen indischen Amtskollegen "tief erschüttert". "Die Bundesregierung verurteilt diese kaltblütigen und offenbar von langer Hand vorbereiteten Attentate auf das Schärfste", schrieb er nach Angaben des Auswärtigen Amts weiter. "Die extreme Brutalität dieser Anschläge erfüllt uns mit Entsetzen und großer Trauer. Diese verbrecherischen Akte sind durch nichts zu rechtfertigen." Die Taten führten die Notwendigkeit vor Augen, international noch intensiver zur Bekämpfung des Terrorismus zusammenzuarbeiten.

Unter den mindestens hundert Toten ist auch ein Deutscher. Mehrere Bundesbürger wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes verletzt.

Auch Frankreich hat die Terroranschläge auf das Schärfste verurteilt. Staatschef Nicolas Sarkozy drückte dem indischen Regierungschef Manmohan Singh am Donnerstag nach den "feigen und verabscheuungswürdigen terroristischen Taten" sein Mitgefühl aus. Frankreich stehe Indien im Kampf "gegen die Geißel des Terrorismus" mehr denn je bei und sei bereit, diese Zusammenarbeit zu vertiefen. Nach den tragischen Stunden der "blinden Gewalt" erkläre er sich im Namen Frankreichs und persönlich "vollkommen solidarisch", schrieb Sarkozy.

Auch in seiner Funktion als Ratsvorsitzender der Europäischen Union verurteilte Frankreich die Anschläge: Die EU-Ratspräsidentschaft habe "mit Abscheu und Empörung" von den Attentaten in Mumbai erfahren, hieß es in einer Erklärung. Sie schließe sich Indiens Trauer an und stehe dem Land "in dieser dramatischen Prüfung" bei.

Ähnlich äußerten sich Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana. "Diese Taten zeigen erneut, dass die internationale Gemeinschaft den Terrorismus entschlossen bekämpfen muss", sagte Solana.

ffr/AFP/dpa/Reuters/AP

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