Terroranschläge in Indien Große Airlines streichen Flüge nach Mumbai

Nach den Anschlägen in Mumbai haben mehrere Fluglinien ihre Verbindungen in die indische Metropole abgesagt: Lufthansa und Air France fürchten um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter.

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Hamburg - Die erste Veränderung im Flugplan gab es bei der Lufthansa schon am Mittwochabend. Als eine Maschine der deutschen Airline grade im Anflug auf Mumbai war, kamen die ersten Meldungen über die Anschläge durch. Offenbar haben sich Terroristen gezielt Ausländer in Luxushotels als Opfer ihrer Taten ausgesucht. Bis Donnerstagvormittag wurden laut Polizei mehr als hundert Menschen getötet. Die Gefechte um das besetzte Hotel Oberoi halten an.

Die Lufthansa reagierte sofort: Das Flugzeug wurde kurzfristig nach Neu Delhi umgeleitet. Laut Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow fallen beide am Donnerstag geplanten Flüge von München und Frankfurt nach Mumbai aus. Wie es am Freitag weiter geht, ist noch unklar. "Das entscheiden wir kurzfristig." Lufthansa fliegt zweimal täglich in die Großstadt. Von der Absage sind rund 600 Fluggäste betroffen.

Grund für die Absage der Flüge ist laut Jachnow eine Kombination aus Sorge um die Unversehrtheit der Fluggäste, der Crew und der Maschine. "Wir sind dafür bekannt, dass wir vor allem an die Sicherheit denken." Die Crews der Flüge nach Mumbai werden normalerweise in einem der beiden jetzt betroffenen Hotels untergebracht. Das allein sei aber nicht der ausschlaggebende Grund für die Absage der Flüge: "Da hätte es auch Alternativen gegeben. Es geht eher um die gesamte Gemengelage in Mumbai."

Auch andere Fluggesellschaften sind vorsichtig. Die Air France hatte für Donnerstag einen Flug von Paris nach Mumbai im Programm. Der ist annuliert. Allerdings, so heißt es bei der deutschen Vertretung der französischen Fluglinie: Die übrigen Maschinen mit Ziel Indien heben planmäßig ab - nach Delhi, Hyderabad, Bangalore und Chennai.

British Airways sieht dagegen bisher keinen Grund, die Flüge nach Mumbai zu canceln. Alle Verbindungen werden aufrechterhalten, heißt es dort. Allerdings stehe man in engem Kontakt zu britischen und indischen Behörden, um im Zweifelsfalle kurzfristig reagieren zu können.

Die Fluggesellschaft Swiss hat keinen der täglichen Flüge von Zürich nach Mumbai annulliert. "Unsere Besatzung übernachtet nicht in einem der betroffenen Hotels, sondern weit weg von den Anschlagsorten", sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel SPIEGEL ONLINE. "Der Flughafen ist offen, wir wurden nicht gewarnt. Momentan kommt eine Planänderung für uns daher nicht in Frage, wir fliegen weiterhin jeden Tag wie bisher."

Auch die russische Linie Aeroflot fliegt ohne Beschränkung weiterhin zweimal pro Woche Mumbai an. "Wir haben aus Moskau keine Informationen, dass die Flüge gestrichen werden. Es bleibt den Fluggästen selbst überlassen, ob sie fliegen wollen", sagt eine Aeroflot-Sprecherin in Frankfurt SPIEGEL ONLINE. "Das größere Problem derzeit ist definitiv Bangkok, dorthin fliegen wir derzeit nicht."

Nach Plan fliegt ebenso weiterhin Air India, berichtete ein Sprecher in Frankfurt.

Indien-Urlauber des Reiseveranstalters TUI müssen vorerst nicht mit drastischen Einschränkungen rechnen: Er hat für so genannte Rundreisegäste, die bei einem Flug nach Goa in Mumbai einen sechsstündigen Transitaufenthalt haben, verfügt, dass die Passagiere am Flughafen der Stadt bleiben. Bislang wurde den Reisegästen ein Abendessen in der Innenstadt von Mumbai angeboten. "Ein Innenstadtaufenthalt wurde mit sofortiger Wirkung gestrichen", sagte TUI-Sprecherin Anja Braun.



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