Terrorchef Abbas gefasst Palästinenser fordern Freilassung

US-Soldaten haben den jahrelang gesuchten Top-Terroristen Abu Abbas in Bagdad festgenommen. Die Palästinenser-Regierung fordert die Freilassung von Abbas, der als Drahtzieher bei der Entführung des Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" gilt.



Gaza-Stadt/Bagdad - Die Festnahme von Abbas, dem Führer der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF), verstoße gegen das Nahost-Abkommen von 1995. "Im palästinensisch-israelischen Zwischenabkommen, das am 28. September 1995 unterzeichnet wurde, ist festgelegt, dass Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nicht festgenommen oder wegen Angelegenheiten abgeurteilt werden dürfen, die vor dem Oslo-Friedensabkommen vom 13. September 1993 begangen wurden", sagte Erekat. Die USA müssten Abbas daher auf freien Fuß setzen. Von der israelischen Regierung wurde Abbas Festnahme zunächst nicht kommentiert.

Abbas, der auch unter dem Namen Mohammed Abbas bekannt ist, war bei einer Hausdurchsuchung im Süden Bagdads gefangen genommen worden. Geheimdienstinformationen brachten die US-Soldaten nun nach Angaben des Oberkommandos Mitte auf die Spur des verurteilten Extremisten. Der 55-Jährige wurde angeblich bereits am Montagabend bei einer Razzia in einem Außenbezirk Bagdads festgenommen. In anderen Stadtteilen wurden weitere Anhänger der PLF verhaftet. Die amerikanischen Spezialtruppen beschlagnahmten außerdem Waffen und gefälschte Pässe.

Der ehemalige CIA-Chef für Terrorbekämpfung, Vince Cannistraro, sprach von einem "großen Fang". "Er ist uns damals entkommen, und wir haben ihn seitdem gejagt", sagte er.

Als Chef der PLF wird Abbas für die Kaperung des italienischen Schiffes "Achille Lauro" im östlichen Mittelmeer im Jahre 1985 verantwortlich gemacht. Die Entführer hatten einen Passagier, den behinderten US-Bürger Leon Klinghoffer, erschossen und in seinem Rollstuhl über Bord geworfen.

Abbas war nicht auf dem Schiff, wurde aber wegen seiner Drahtzieherrolle bei der Entführung in Italien in Abwesenheit zu fünf Mal lebenslanger Haft verurteilt. Abbas war seit 17 Jahren abgetaucht. Abbas war der PLF 1965 beigetreten. Nach Flügelkämpfen innerhalb der Organisation behielt er die Kontrolle über die Gruppierung, die Palästinenser-Präsident Jassir Arafat unterstützt. Da Abbas sich von der Gewalt losgesagt hat, kann er in Israel nach einem höchstrichterlichem Urteil aus dem Jahr 1998 nicht mehr wegen seiner Rolle bei der Schiffsentführung belangt werden.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.