Terrorgefahr Detroit-Attentäter droht mit neuen Qaida-Attacken

Al-Qaida hat sich zu dem gescheiterten Anschlag auf ein US-Flugzeug bekannt, nun werden Details aus der Vernehmung des Attentäters öffentlich: Der Nigerianer Abdulmutallab behauptet, dass derzeit weitere Terroristen trainiert würden.
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Vereitelter Anschlag auf US-Flugzeug: Aufregung in Detroit

Foto: REUTERS/ US Marshals Service

London/Washington - Sie haben ihn von einem Krankenhaus in Detroit in ein Gefängnis gebracht: In Milan im US-Bundesstaat Michigan wird der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab nach seinem verhinderten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug in Detroit verhört. Laut "Times Online" und "Telegraph" hat der 23-Jährige gegenüber den Ermittlern eine finstere Drohung ausgesprochen: Er sei nur einer von vielen Attentätern, die von der Filiale der Terrororganisation al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel auf Anschläge gegen Ziele in den USA vorbereitet würden, sagte der Nigerianer, der bei seinem Attentatsversuch schwere Verbrennungen erlitten hatte.

Al-Qaida hat sich inzwischen zu dem Anschlagsversuch auf das US-Passagierflugzeug bekannt. In einer Interneterklärung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, erklärte sie Abdulmutallab zum Helden. Der Nigerianer hatte bereits unmittelbar nach der Tat erklärt, im Auftrag der Qaida gehandelt zu haben.

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge hätte eine Explosion des Sprengstoffes Nitropenta (PETN), den Abdulmutallab mit sich führte, verheerende Folgen haben können: Sie hätte ein Loch in das Flugzeug reißen können, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise. Derzeit laufen noch die Untersuchungen, ersten Ergebnissen zufolge führte Abdulmutallab laut dem Bericht 80 Gramm PETN mit sich - das ist die doppelte Menge, die der "Schuhbomber" Richard Reid 2001 einsetzen wollte. Der Brite wollte damals auf einem US-Flug von Paris nach Miami Sprengstoff zünden, der in seinen Schuhen versteckt war.

Die US-Regierung verteidigte sich indirekt dagegen, dass Abdulmutallab trotz der Warnungen seines Vaters in die USA reisen konnte. Der Vater, ein ehemaliger Banker und Minister, hatte am 19. November die US-Botschaft in Abuja über die extremen religiösen Ansichten seines Sohnes informiert. Einen Tag später habe die Botschaft dies an das US-Außenministerium und das US-Zentrum für Terrorbekämpfung NCTC weitergegeben. Doch die Informationen seien vom NCTC als "unzureichend" bewertet worden, um das Visum zu entziehen, sagte Außenamtssprecher Ian Kelly am Montag. Laut Kelly lag die Entscheidung über einen Entzug des Visums beim NCTC, das für Terrorverdächtige zuständig sei.

Obama droht Drahtziehern

Nach Angaben der jemenitischen Botschaft in Washington hielt sich Abdulmutallab von Anfang August bis Anfang Dezember im Jemen auf. Ihm sei ein Visum für einen Arabisch-Sprachkurs ausgestellt worden. "In seinem Pass waren ein gültiges US-Visum und andere ausländisch Visa. Es gab nichts Verdächtiges an seiner Absicht, den Jemen besuchen zu wollen", hieß es in einer Erklärung.

Damit gewinnt das Bekennerschreiben an Glaubwürdigkeit, denn bislang hatte nur der Attentäter behauptet, im Jemen gewesen zu sein. Die Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel hatte sich am Montagabend zu dem Plot bekannt und die Tat als "direkte Reaktion" auf "Feindseligkeiten der USA auf der Arabischen Halbinsel" bezeichnet. Auch die mit Hilfe der USA durchgeführten Luftschläge vom 17. Dezember gegen mutmaßliche Qaida-Lager im Jemen werden in dem Bekennerschreiben erwähnt.

Auf diese Luftschläge, bei denen offenbar auch Cruise Missiles eingesetzt wurden, kann Abdulmutallabs Anschlagsversuch auf das Passagierflugzeug allerdings keine direkte Reaktion gewesen sein. Denn der 23-Jährige kaufte das Ticket bereits am 16. Dezember in Nigeria. Zu diesem Zeitpunkt muss er bereits im Besitz des Sprengstoffs gewesen sein, denn vor der Tat reiste er - nach bisherigem Kenntnisstand - nicht noch einmal in den Jemen.

Auch andere Details aus dem Qaida-Bekennerschreiben stützen die Vermutung, dass der Plot unabhängig von den Luftschlägen vom 17. Dezember oder gar der zweiten Welle vom 24. Dezember geplant wurde. In dem Schreiben heißt es, der Sprengstoff sei von der "Produktionsabteilung" al-Qaidas selbst hergestellt und getestet worden - was, wenn es stimmt, ebenfalls einige Zeit gebraucht haben dürfte.

Die britische Universität, an der Abdulmutallab zwischen 2005 und 2008 Maschinenbau studiert hatte, bezeichnete den jungen Mann als "wohlerzogen", "freundlich" und "fähig". Er sei während seines Studiums Vorsitzender der islamischen Gemeinschaft der Universität gewesen, teilte das University College in London mit. Er habe seinen Dozenten jedoch nie Anlass zur Sorge gegeben. Im Mai verhängten die britischen Behörden allerdings ein Einreiseverbot gegen ihn, nachdem ihm ein Studenten-Visum verweigert worden war, sagte Innenminister Alan Johnson. Seitdem stand Abdulmutallab auch auf einer britischen Beobachterliste.

US-Präsident Barack Obama versprach in seiner ersten öffentlichen Reaktion auf die Tat, die Hintermänner ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir werden nicht ruhen, bis wir alle Beteiligten gefunden und zur Verantwortung gezogen haben", sagte Obama, der derzeit mit seiner Familie auf Hawaii Urlaub macht. Die Regierung werde alle Macht einsetzen, "um gewalttätige Extremisten, die uns bedrohen, zu zerstören, zu zerschlagen und zu besiegen, egal, ob sie aus Afghanistan oder Pakistan, Jemen oder Somalia oder aus irgendeinem anderen Land kommen, in dem sie ihre Angriffe in den USA vorbereiten."

Debatte über Flughafensicherheit in Deutschland

Der vereitelte Anschlag von Detroit löste in Deutschland eine verstärkte Diskussion über die Einführung von Körperscannern auf Flughäfen aus. Sprecher von Union und FDP stellten aber klar, dass sie den Einsatz solcher Suchgeräte ablehnen, die die Privat- und Intimsphäre der Passagiere verletzten. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor eklatanten Sicherheitsmängeln. "Die Wachsamkeit hat deutlich nachgelassen. Es wird viel zu verhalten auf die Terrorgefahren reagiert. Vor allem auch die Politik tut hier zu wenig", sagte Freiberg in der "Passauer Neuen Presse". An den Flughäfen gebe es zu wenig Personal, und es mangele an modernster Technik. "Die Flughäfen sind im Visier der Terroristen. Deshalb müssen hier die Sicherheitskontrollen ständig perfektioniert und überprüft werden", forderte Freiberg.

Der GdP-Vorsitzende kritisierte auch die Billigfliegerei. "Billigflüge gehen auf Kosten der Sicherheit. Die Flughafenbetreiber und Fluglinien arbeiten oft mit Dumpinglöhnen und sparen am Personal", sagte er.

hen/yas/APD/dpa/Reuters/AP
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