Terrorgefahr Europol warnt vor Heimkehrern aus Syrien und dem Irak

Nach den Anschlägen von Paris wird eine erhöhte Terrorgefahr prognostiziert. Europol macht dafür vor allem sogenannte Heimkehrer aus Syrien oder dem Irak verantwortlich. Der britische Ex-Geheimdienstchef sieht gar Edward Snowden in der Schuld.

London - Die Anschlagsgefahr in Europa ist wegen zurückkehrender Syrien-Kämpfer nach Einschätzung der Polizeibehörde Europol so hoch wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Es könnten zwischen 3000 und 5000 Extremisten wieder in ihre Heimatländer reisen und ähnliche Anschläge wie in Paris verüben, sagte Europol-Chef Rob Wainwright am Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments.

Europol habe eine Liste von 2500 Verdächtigen aus verschiedenen Ländern angelegt. Neben Syrien und dem Irak seien auch Terrornetze in Afrika und auf der arabischen Halbinsel eine Gefahr, sagte der Behördenchef. Es seien hauptsächlich junge Männer, die in die EU zurückkehren und Angriffe wie vergangene Woche in Paris ausführen könnten, so Wainwright.

"Die Bedrohung bleibt ernst", sagte auch der EU-Anti-Terror-Beauftragte: Ein neuer Anschlag in Europa lasse sich nicht "zu hundert Prozent" verhindern, so Gilles de Kerchove in Brüssel.

Sicherheitsrisiko für Deutschland nicht geringer als andernorts

Für Deutschland sah er im europäischen Vergleich keine verminderte Bedrohungslage, auch wenn es dort anders als gerade in Frankreich bisher keine schweren Anschläge gegeben habe.

Als "konkret" bezeichnete de Kerchove unter Bezugnahme auf die Daten von Europol die Gefahr, die von "ausländischen Kämpfern" ausgehe, die nach ihrem Einsatz in Syrien oder Irak zurück in ihre Heimatländer kämen.

US-amerikanische Terrorexperten hatten hingegen am Montag eine Studie zu sogenannten Foreign Fighters präsentiert und vor Überreaktion und Panik gewarnt .

Als Konsequenz aus den Anschlägen werden weitere Verschärfungen der Sicherheitsgesetze wie die Einführung der Vorratsdatenspeicherung gefordert - die erst im vergangenen Jahr vom Europäischen Gerichtshof und zuvor schon vom Bundesverfassungsgericht kassiert worden war.

"Enthüllungen Snowdens haben Terrorrisiko erhöht"

Der Belgier de Kerchove, der seit 2007 Europas Koordinator gegen den Terrorismus ist, forderte, die schon lange geplante Speicherung von Fluggastdaten einzuführen. "Alle Experten sagen, dass dies einer der wenigen Mechanismen ist, der es erlaubt, verdächtige Bewegungen von Leuten aufzuspüren, die noch nicht erkannt sind", sagte er. Vorschläge Brüssels für ein solches System wurden vom EU-Parlament wegen Datenschutzbedenken bislang nicht gebilligt.

Großbritanniens Premierminister David Cameron forderte am Dienstag ebenfalls schärfere Gesetze: Für Terroristen dürfe es keinen sicheren Raum zur Kommunikation geben, verschlüsselte Chats müssten verboten werden.

Der ehemalige Chef des britischen Geheimdiensts MI5 gibt darüber hinaus dem Informanten Edward Snowden die Schuld daran, dass sich das Terrorrisiko erhöht habe. Jonathan Evans sagte im Londoner Oberhaus, die Möglichkeiten der Sicherheitsdienste in Europa und den USA, Kommunikation zwischen Terroristen zu verfolgen, seien durch die Aussagen des früheren Mitarbeiters des US-Geheimdiensts NSA eingeschränkt.

Lesen Sie hier mehr über die verschiedenen politischen Forderungen innerhalb Europas nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen.

sun/dpa/Reuters/AFP
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