Terrorismus Al-Qaida meldet Ermordung britischer Geisel

Möglicher Geiselmord in Nordafrika: Nach Ablauf eines zweiten Ultimatums hat die Maghreb-Abteilung al-Qaidas nach eigenen Angaben ein britisches Kidnapping-Opfer getötet. Edwin D. war im Januar gemeinsam mit einer mittlerweile freigelassenen deutschen Touristin in Mali entführt worden.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Der Nordafrika-Arm des Terrornetzwerks al-Qaida veröffentlichte die Selbstbezichtigung in der Nacht zum Mittwoch auf einer dschihadistischen Website, die sie schon zuvor für ihre Kommuniqués genutzt hat.

Qaida-Foto des Opfers vom Februar. (Unkenntlichmachung durch SPIEGEL ONLINE): Todesmeldung auf Website

Qaida-Foto des Opfers vom Februar. (Unkenntlichmachung durch SPIEGEL ONLINE): Todesmeldung auf Website

In dem zweiseitigen Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es: "Nach Ablauf des zweiten Ultimatums, das die Mudschahidin Großbritannien zugestanden haben, und nachdem keine Antwort auf unsere Forderungen kam, haben die Mudschahidin umgesetzt, was sie angekündigt hatten. Wir verkünden hiermit, dass der britische Gefangene Edwin D. am 31. Mai 2009 um 7 Uhr 30 am Abend getötet wurde."

Edwin D. war im Januar dieses Jahres mit einer kleinen Reisegruppe im Grenzgebiet zwischen Mali und Niger gekidnappt worden. Auch die deutsche Pensionärin Marianne P. geriet so in die Hände der Qaida-Terroristen. P. kam im April frei, ebenso wie eine Schweizer Touristin und zwei kanadische Diplomaten. Ein Schweizer Tourist befindet sich aber möglicherweise noch in der Hand al-Qaidas.

Im Februar hatte al-Qaida Bilder der entführten Touristen veröffentlicht und angekündigt, später Forderungen zu stellen. Mit der Gefangennahme eines Briten glaubten die Terroristen dann offenbar, die Regierung in London unter Druck setzen zu können. So forderten sie von Großbritannien die Freilassung des prominenten Hasspredigers Abu Qatada, den einige Experten für einen Qaida-Mann der ersten Stunde halten. London gab jedoch nicht nach.

Freilassung Abu Qatadas gefordert

Anders als in ähnlichen Fällen geschehen veröffentlichte "al-Qaida im islamischen Maghreb" keine Fotos des angeblich Ermordeten. Es gibt also nur eine schriftliche Selbstbezichtigung. In Großbritannien wird sie allerdings für authentisch und wahr gehalten. Premierminister Gordon Brown kondolierte bereits der Familie des Opfers. Er erklärte zudem, Großbritannien werde auch in Zukunft nicht auf die Forderungen von Terroristen eingehen, sondern diese stattdessen mit Hilfe seiner Alliierten verfolgen.

Der Nordafrika-Arm von al-Qaida, der sich formell vor zwei Jahren gründete, ist in Algerien konzentriert, verfügt aber über Kämpfer und Ressourcen in der gesamten Region. Regelmäßig nehmen die Terroristen Geiseln, oft westliche Touristen. Ebenso regelmäßig versuchen sie, im Austausch Gesinnungsgenossen frei zu bekommen. So haben malische Behörden offenbar im Gegenzug für die Freilassung Marianne P.s einen lokalen Qaida-Mann laufen lassen.



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