Terrorismus Al-Qaidas Liebesgrüße an die Taliban

Die Nummer zwei des Terrornetzwerks al-Qaida, Ajman al-Zawahiri, hat mit einer Tonbandbotschaft die Taliban in Afghanistan zu stärkerem Widerstand gegen die US-Armee und "ihren einheimischen Unterstützern" aufgefordert. Vergangene Woche trat in Kabul das demokratisch gewählte Parlament zusammen – für die Steinzeitmuslime wird es immer enger.


Kabul - Die Taliban kontrollieren nach Zawahiris Darstellung noch immer große Teile Afghanistans. Tatsächlich kontrollieren die fundamentalistischen Muslime vor allem im Süden des Landes noch einzelne Landstriche und liefern sich dort einen Guerillakrieg mit der afghanischen Armee und US-Soldaten. Allerdings läuft dieser Krieg längst nicht mehr so erfolgreich, wie Zawahiri darstellt. Städte und Dörfer können die Taliban nur vorübergehend halten, und längst nicht jede Aktion verläuft aus ihrer Sicht erfolgreich. Erst heute sprengten sich vier Taliban-Kämpfer südlich von Kandahar in die Luft - sie wollten eine Mine am Straßenrand vergraben. Der Sprengkörper ging zu früh hoch. Vor allem in den letzten Wochen benutzten die Taliban oft ferngezündete Minen gegen ihre Gegner - viele Menschen starben bei den Anschlägen.

Terror-Vize Zawahiri: Versteckt im Grenzgebiet
AFP/ AL-JAZEERA

Terror-Vize Zawahiri: Versteckt im Grenzgebiet

Zawahiri kündigt in der Botschaft einen harten Kampf gegen die neuen Machthaber in Kabul und die US-Armee an. Der gebürtige Ägypter Zawahiri und Osama bin Laden waren vor dem Fall des Taliban-Regimes jahrelang in Afghanistan gern gesehene Gäste von Mullah Omar, dem Chef der Taliban, gewesen. Viele Anschläge, darunter auch der Angriff auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September, waren hier geplant worden. Außerdem unterhielt al-Kaida am Hindukusch mehrere militärische Trainingscamps. Noch heute werden Zawahiri und Bin Laden im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet.

Zawahiris Botschaft, die am Samstag vom arabischen Sender al Arabia ausgestrahlt wurde, ist offensichtlich eine Reaktion auf die erste Sitzung des frei gewählten Parlaments in Kabul und weniger ein Ausweis neuer militärischer Stärke. Die Sitzung des afghanischen Parlaments, an der Vertreter des ganzen Landes teilnahmen, war über weite Strecken fast harmonisch verlaufen. Der afghanische Präsident Karzai hatte sich zu Beginn der Sitzung betont optimistisch gegeben: "Wir haben guten Grund, all denjenigen, die unser Land zerstören wollten, laut zu sagen, dass Afghanistan ewig leben wird." In dem Sitzungssaal mahnt ein Vers des Koran die Parlamentarier zur Einigkeit: " Ergreift alle das Seil Allahs und geht nicht im Streit auseinander."

Insgesamt tauchten in diesem Jahr acht Tonbanderklärungen Zawahiris auf. Zuletzt hatte sich der Stellvertreter Bin Ladens am 11. Dezember zu Wort gemeldet und dazu aufgerufen, "die Kreuzritter und Zionisten" zu bekämpfen. Bin Laden sei am Leben, betont Zawahiri stets - über den verbliebenen Einfluss des Terror-Paten auf al-Qaida wurde in den vergangenen Wochen oft spekuliert. Denn das Zentrum des Kampfes der al-Kaida hat sich längst in den Irak verlagert - und dort gilt der Jordanier Zarkawi als unumstrittener Qaida-Chef. Die militärische Lage für die Taliban und al-Qaida in Afghanistan wurde in den vergangenen Jahren, trotz einzelner Anschläge und Attentate, immer schwieriger.

Gleichzeitig wurde am Sonntag offenbar ein Selbstmordanschlag vereitelt. Die Polizei nahm am Sonntag drei mutmaßliche Täter in der einstigen Taliban-Hochburg fest. Ein Festgenommener habe auf einem Motorrad Sprengstoff in die Stadt schmuggeln wollen, sagte Polizeichef Abdul Malik Khan. Seine Aussage habe zur Festnahme von zwei weiteren Männern geführt.

In der westlichen Provinz Farah wurden am Samstagabend dagegen zwei regierungstreue Polizisten und zwei ranghohe Stammesvertreter überfallen und entführt. Einer der Polizisten wurde nach Behördenangaben verwundet.



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