Terrorismus-Bekämpfung Pakistan, die CIA und die geheimen Geldkoffer
CIA und ISI: Kooperation und Misstrauen
Foto: ? Larry Downing / Reuters/ REUTERSBerlin - Die Ankündigung klang wie aus einem Western. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 lobte die US-Regierung unter George W. Bush Kopfgelder für Top-Terroristen aus. Eine Regelung, die noch immer gilt. Für Informationen, die zur Festnahme von Osama Bin Laden oder seinem Stellvertreter Aiman al-Sawahiri führen, ist die US-Regierung im Rahmen des "Rewards for Justice"-Programms ("Belohnung für Gerechtigkeit") bereit, bis zu 25 Millionen Dollar zu bezahlen. Für den Taliban-Chef Mullah Omar sind es immer noch 10 Millionen Dollar.
Das "Rewards for Justice"-Programm schließt allerdings Mitarbeiter der eigenen wie fremder Regierungen aus.
Die "Los Angeles Times" enthüllt nun, dass dieses öffentliche Programm einen streng geheimen Widerpart hat, in dessen Rahmen ausländische Regierungsmitarbeiter und -Institutionen belohnt werden, zumindest pakistanische.
Für die Festnahme des Qaida-Manns Abu Subaida zum Beispiel hat die CIA ihrem pakistanischen Partnerdienst ISI zehn Millionen Dollar bezahlt, berichtet das Blatt. Für die Festnahme von Chalid Scheich Mohammed, dem nun in New York der Prozess gemacht werden soll, waren es sogar 25 Millionen Dollar.
Nach Einschätzung der "LA Times" wirft dieses Belohnungsprogramm ein Schlaglicht auf die besonderen Beziehungen zwischen ISI und CIA. Es habe unter US-Präsident George W. Bush begonnen und werde unter Barack Obama weiterbetrieben, schreibt die Zeitung.
Geht ein Drittel des CIA-Budgets nach Pakistan?
Die "LA Times" schreibt, ehemaligen und noch aktiven US-Beamten zufolge könnten die Gelder, die nach Islamabad fließen, mittlerweile bis zu einem Drittel des CIA-Gesamtbudgets ausmachen. Die Transfers würden gut kaschiert - in den noch wesentlich größeren Summen, die die US-Regierung insgesamt nach Pakistan überweist. Es handle sich dabei um mehr als 15 Milliarden Dollar seit 2001 in ziviler und militärischer Hilfe, so die Zeitung.
Doch ISI ist nicht gleich ISI. Immer wieder gibt es Indizien dafür, dass einzelne ISI-Mitarbeiter oder -Abteilungen lieber den Taliban zuarbeiten als dem offiziellen Verbündeten USA. Regelmäßig wird dieses Problem auch innerhalb der amerikanischen Regierung diskutiert.
Es gebe tatsächlich "zwei ISIs", sagte ein Ex-CIA-Informant der Zeitung: Da seien einmal die Terrorbekämpfer, mit denen man eng zusammengearbeitet habe. Und dann die "Langbart-Abteilung": "Das waren die, die die Taliban erschaffen haben und Gruppen wie die von Haqqani unterstützen."
Dschalaluddin Haqqani gilt als einer der wichtigsten Drahtzieher militanter Bewegungen in der Region und wird bezichtigt, direkt mit Selbstmordanschlägen zu tun gehabt zu haben, unter anderem gegen die indische Botschaft in Kabul.
Wie unterwandert ist der ISI?
Ein anderer Beamter aus dem Sicherheitsapparat bestätigte der Zeitung: "Definitiv gibt es ISI-Mitarbeiter, die Dinge tun, die wir nicht mögen." Allerdings sei nicht nachzuweisen, dass die Führungsebene in das Doppelspiel involviert sei. Eine weiterer Informant sagte der Zeitung: "Klar, ihre Interessen sind nicht immer im Einklang mit unseren. Aber die Dinge stünden viel schlimmer, wenn die pakistanische Regierung uns gegenüber feindselig wäre."
Nach Informationen der "LA Times" sind die Beziehungen inzwischen so eng, dass sogar regelmäßig ISI-Agenten in einer geheimen CIA-Anlage im US-Bundesstaat North Carolina geschult würden.
Die Zusammenarbeit zwischen ISI und CIA hat eine lange Vorgeschichte: Schon in den achtziger Jahren zahlten die Amerikaner an die Pakistaner, weil diese den Nachschub an Waffen für die Mudschahidin in Afghanistan kontrollierten - die "Gotteskrieger" kämpften damals gegen die sowjetischen Invasoren - und standen somit gewissermaßen auf Seiten der USA. Nach dem Abzug der Russen versiegte der Geldfluss, doch nach dem 11. September 2001 nahm er völlig neue Ausmaße an.
Die pakistanische Regierung und insbesondere das Militär und der ISI selbst reagieren in der Regel empört, wenn die dubiosen Connections zu Militanten öffentlich werden - wie vor wenigen Monaten durch hochrangige CIA-Beamte, die den ISI zu verstärkten Anstrengungen gegen die Taliban antreiben wollten.
Die Kooperation "hat US-Steuerzahlern Geld gespart"
Der ISI verweist dann stets darauf, dass die Behörde selbst regelmäßig Ziel von Anschlägen ist. Erst am vergangenen Freitag war das Regionalbüro des Geheimdienstes in Peschawar Ziel einer solchen Attacke, zehn Menschen kamen dabei ums Leben.
Laut dem "LA Times"-Bericht hat sich die CIA in einem Fall geweigert, die Pakistaner zu bezahlen: für ISI-Informationen, die bei Drohnenangriffen auf Militante genutzt werden. Diese mehr oder weniger gezielten Angriffe von unbemannten Flugzeugen haben sich im Laufe der vergangenen Monate als eine verhältnismäßig effektive Methode erwiesen, um einzelne Personen oder Versammlungen mutmaßlicher Terroristen anzugreifen. Allerdings kommen bei Drohnenangriffen oft auch Zivilisten ums Leben, was in Pakistan regelmäßig zu öffentlichem Druck auf die Regierung und den ISI führt.
Doch angesichts der Tatsache, dass eine großer Teil aller geplanten islamistischen Terroranschläge der vergangenen zehn Jahre seinen Ursprung in den pakistanischen Stammesgebieten hatte, sind die beiden Dienste offenbar überzeugt davon, dass ihre besonderen Beziehungen notwendig sind.
"Sie haben zwischen 600 und 700 Personen abgeliefert, tot oder lebendig", zitiert die "LA Times" einen früheren hochrangigen CIA-Beamten, der mit Pakistanern zusammenarbeitete. "Diese Leute dingfest zu machen, war eine gute Sache und hat den US-Steuerzahlern am Ende Geld gespart." Und ein anderer ehemaliger hochrangiger US-Geheimdienstler erklärte: "There was no other game in town"- eine Alternative dazu gab es nicht.