Terrorismus Bin Laden fordert Europäer zum Rückzug aus Afghanistan auf

Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden hat sich erneut in einem Tonband zu Wort gemeldet. Darin fordert er die europäischen Staaten auf, die militärische Zusammenarbeit mit den USA in Afghanistan zu beenden.


Dubai - Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira strahlte das Band am Abend aus. Demnach ruft der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, Osama Bin Laden, die Europäer zum Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan auf. "Die meisten Opfer dort sind Frauen und Kinder", sagt die Bin Laden zugeschriebene Stimme.

Al-Qaida-Anführer Bin Laden: "Die meisten Opfer in Afghanistan sind Frauen und Kinder"
AFP / Intelcenter

Al-Qaida-Anführer Bin Laden: "Die meisten Opfer in Afghanistan sind Frauen und Kinder"

"Die Ereignisse in Manhattan (am 11. September 2001) waren eine Vergeltungsmaßnahme für die amerikanisch-israelischen Aggressionen gegen unsere Leute in Palästina und im Libanon, und ich bin der einzige Verantwortliche. Das afghanische Volk und die afghanische Regierung wussten nichts davon. Amerika weiß das", sagt die Stimme weiter.

Der Krieg in Afghanistan sei daher ungerecht, fügte der Terroristenführer hinzu. In seiner Botschaft appellierte er weniger an die Regierungen, als vielmehr an die Öffentlichkeit derjenigen Länder, die für den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban Truppen nach Afghanistan entsandt haben. Es sei das beste für die Menschen in Europa, ihre Politiker zu drängen, sich aus Afghanistan zurückzuziehen.

Al-Dschasira sendete zwei Auszüge aus dem Tonband, das mit "Nachricht an die europäischen Völker" betitelt war. Was die Stimme über diese zwei Auszüge hinaus sagt, blieb unbekannt. Die Botschaft enthielt keinen Hinweis darauf, wann sie aufgenommen wurde. Auch für die Echtheit gab es keinen Beweis. Die Stimme klang jedoch wie die Stimme auf anderen Tonbändern, deren Authentizität von Experten bestätigt worden war.

Berichten zufolge war 2007 das Jahr mit den meisten Kriegsopfern seit Beginn im Jahr 2001. Demnach seien mehr als 6100 Menschen ums Leben gekommen, davon rund 800 Zivilisten. Nato-Angriffe, bei denen Zivilisten starben, haben immer wieder für Spannungen zwischen den alliierten Truppen und Vertretern der afghanischen Regierung geführt.

Das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut SITE hatte Anfang der Woche mitgeteilt, Bin Laden werde sich mit einer neuen Botschaft an die Europäer wenden.

Im September, zum sechsten Jahrestag der Terroranschläge auf das World-Trade-Center in New York, hatte Bin Laden in einem Videoauftritt einen der Attentäter gepriesen. Am 22. Oktober hatte er die Aufständischen im Irak in einer Tonbandbotschaft aufgerufen, ihre Streitigkeiten beizulegen und gemeinsam gegen die US-Besatzung zu kämpfen.

kaz/dpa/Reuters/AP



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