Terrorismus Bin Laden spricht Moussaoui von Schuld frei

Neue Botschaft von Terrorchef Osama Bin Laden: Er persönlich habe die Attentäter - und die Ziele - des 11. September 2001 ausgewählt. Zacarias Moussaoui, der kürzlich in den USA zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, habe nichts mit den Attentaten zu tun, ebenso wenig die Gefangenen im US-Militärlager Guantanamo.


Berlin - Auf einem auf einer Internetseite verlinkten Tonband, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, sagte Osama Bin Laden, Moussaoui hätte mit den Anschlägen vom 11. September 2001 nichts zu tun. Er selbst habe allein die Federführung für die Attentate gehabt und den 19 Todespiloten persönlich die Angriffsziele genannt.

"Die Wahrheit ist, dass er [Moussaoui] keinerlei Verbindung zu den Ereignissen des 11. Septembers hatte. Ich bin mir dessen sehr sicher, weil ich selbst verantwortlich dafür war, die 19 Brüder mit den Anschlägen zu beauftragen und ich habe Bruder Zacarias nie eingeteilt", sagte eine Stimme, die wie die von Bin Laden klang. Über die Echtheit des Tondokuments war zunächst nichts bekannt. US-Geheimdienste überprüften die Aufnahme, ein Behördenvertreter ging laut der Nachrichtenagentur AFP jedoch davon aus, dass es sich bei dem Sprecher tatsächlich um Bin Laden handelte. Das Dokument wurde zudem auf einer Website veröffentlicht, die häufiger von al-Qaida benutzt wird. 

Zacarias Moussaoui ist der einzige Mensch, der in den USA wegen der Terroranschläge vom 11. September auf der Anklagebank eines Gerichts saß. Immer wieder hatte er versucht, seine Rolle bei den Attentaten auf New York und Washington hochzuspielen. Er sei als einer der Todespiloten vorgesehen gewesen, hatte er ausgesagt. 

Erst nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft am 4. Mai besann sich der 37-jährige Franzose marokkanischer Abstammung. Er wollte sein Geständnis zurücknehmen und beteuerte seine Unschuld. Bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington waren mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen.

Bin Laden sagte auf dem Tonband, die Überzeugung  Moussaouis, er sei in die Planung der Attentate verstrickt gewesen, sei das Ergebnis des Drucks, dem Moussaoui viereinhalb Jahre lang im US-Gefängnis ausgesetzt gewesen sei. "Der Bruder wurde zwei Wochen vor den Anschlägen verhaftet. Hätte er auch nur ein wenig von den Anschlägen gewusst, hätten wir dem Anführer Mohammed Atta und den anderen davon berichten können und dafür sorgen können, dass sie Amerika sofort verlassen", hieß es in dem Tondokument.

Der Terrorchef erklärte in der Aufnahme ferner, dass "es offensichtlich ist, dass alle Gefangenen in Guantanamo, möge Gott sie alle befreien, die 2001 und in der ersten Jahreshälfte 2002 festgenommen wurden, und deren Anzahl Hunderte beträgt, keine Verbindung zum 11. September haben". Einige von ihnen, behauptet der Qaida-Chef, "haben sogar andere Ansichten über den richtigen Weg als al-Qaida". Die US-Regierung unter George W. Bush wisse über beide Sachverhalte Bescheid, halte die Verdächtigungen aber aufrecht, um die Milliarden-Ausgaben "zum Kampf gegen die Mudschahidin" zu rechtfertigen, so Bin Laden weiter, der sich zuletzt vor rund einem Monat zu Wort gemeldet hatte.

Das Band ist gut vier einhalb Minuten lang und damit eine der kürzesten Reden Bin Ladens überhaupt. Sie enthält nur die beiden Hauptaussagen über die Unschuld Moussaouis und der Lager-Insassen. Die Rede wurde mit englischen Untertiteln veröffentlicht, ein Verfahren, das Bin Laden bereits im April 2004 gewählt hatte, als er den europäischen Alliierten der USA einen "Waffenstillstand" anbot.

yas/fok/AFP/Reuters



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