Terrorismus FBI jagt al-Qaidas neuen Führungskader

Ist er die neue Nummer drei von al-Qaida? Adnad Shukrijumah ist nach FBI-Angaben Operationschef des Terrornetzwerks. Was Sicherheitsexperten besonders beunruhigt: Der 35-Jährige lebte 15 Jahre lang in den USA - und hat dadurch genaue Kenntnis über das Leben in dem Land.

Adnan Shukrijumah: Welche Rolle spielt der 35-Jährige im Terrornetzwerk al-Qaida?
AP / FBI

Adnan Shukrijumah: Welche Rolle spielt der 35-Jährige im Terrornetzwerk al-Qaida?


Washington - Auf dem Fahndungsplakat des FBI sind fünf Bilder von Adnan Shukrijumah zu sehen. Mal trägt der 35-Jährige aus Saudi-Arabien Kinn- und Backenbart, mal ist er glatt rasiert, die dunklen Haare liegen mal kurz und gescheitelt oder sie sind etwas länger und leicht lockig. Er habe eine markante Nase und sei Asthmatiker, heißt es in der FBI-Beschreibung über den Mann.

Fünf Millionen Dollar, das ist die Belohnung für Informationen, die zur Festnahme des Qaida-Terroristen führen. Ob die US-Behörden die Belohnung demnächst noch erhöhen? Die Bedeutung Shukrijumahs in dem Terrornetzwerk ist nach Angaben des FBI jedenfalls noch gestiegen. Shukrijumah ist demnach eine Qaida-Schlüsselfigur: Er sei inzwischen zuständig für internationale Operationen, sagte FBI-Agent Brian LeBlanc der Nachrichtenagentur AP.

Shukrijumah würde damit den Posten des 2003 festgenommenen Chalid Scheich Mohammed einnehmen, des Chefplaners der Anschläge vom 11. September 2001. Shukrijumah treffe "die operationellen Entscheidungen", sagte LeBlanc.

Shukrijumah wäre damit nach Osama Bin Laden und Aiman al-Sawahiri die Nummer drei des Terrornetzwerks. Unter Experten ist allerdings umstritten, ob es einen solchen formalen dritten Posten als Operationschef überhaupt gibt.

Das FBI ist zumindest alarmiert. Shukrijumah plane Angriffe auf die USA und andere westliche Länder, sagte LeBlanc, und er kenne sich in den Vereinigten Staaten gut aus. Er gilt als der erste Qaida-Führer, der einen dauerhaften Wohnsitz in Amerika hatte. Shukrijumah kam als kleines Kind in die USA und verbrachte dort 15 Jahre, ehe er sich später in Trinidad, London und schließlich in Afghanistan aufhielt. Bevor er sich dem radikalen Islam zuwandte, lebte er zunächst mit seinen Eltern in New York, wo sein Vater Prediger in einer Moschee war. Später zogen sie nach Miramar, Florida. Der in Guyana geborene Vater starb 2004.

"Er weiß, wie man einen Führerschein bekommt, er weiß, wie man einen Reisepass bekommt", sagte LeBlanc über den Qaida-Terroristen. Es sei nicht unbedingt davon auszugehen, dass Shukrijumah in die USA zurückkehre, um Anschläge zu verüben. Was ihn gefährlich mache, sei, dass er Anschläge plane und dafür Personal rekrutiere, sagte LeBlanc.

Trainingscamps in Afghanistan

Auch Brian Fishman, ein Terrorexperte der New America Foundation, äußerte sich besorgt: Jemand wie Shukrijumah, der das Leben in den USA kenne und verstehe, habe möglicherweise ein besseres Gespür für die Schwachstellen im Sicherheitsgefüge des Landes. "Das erhöht die Gefahr für Angriffe auf andere Ziele als etwa New York oder Washington", sagte Fishman.

Dem FBI zufolge gelangte Shukrijuma Ende der neunziger Jahre zu der Überzeugung, dass er sich am Dschihad beteiligen müsse. Er nahm an Trainingscamps in Afghanistan teil, in denen er den Umgang mit Waffen und Bombenmaterial sowie Techniken zur Tarnung lernte.

Shukrijumah steht seit 2003 auf der Fahndungsliste des FBI. 2010 tauchte sein Name unter anderem in einer Anklage gegen Männer auf, die für die verhinderten Anschlagspläne auf die New Yorker U-Bahn im Jahr 2009 verantwortlich sein sollen. Najibullah Zazi und Zarein Ahmedzay hatten gestanden, dass sie sich mit selbstgebastelten Bomben in die Luft jagen wollten. FBI-Mann LeBlanc zufolge war es Shukrijumah, der die Männer dazu gebracht hatte, die Anschläge durchführen zu wollen.

Shukrijumahs Mutter Zurah Abdu Ahmed sagte einem AP-Reporter am Donnerstag, dass ihr Sohn in der Vergangenheit immer wieder über Exzesse in der US-Gesellschaft gesprochen habe. Er habe damit unter anderem Alkohol- und Drogenmissbrauch gemeint, aber niemals Gewalt geduldet. "Dieser Junge würde nie etwas Böses tun. Er ist kein böser Mensch", sagte sie. "Er liebte sein Land, er hatte nie ein Problem mit den USA." Dem US-Sender CNN sagte die Mutter, dass sie am 11. September 2001 das letzte Mal von ihrem Sohn gehört habe. Damals habe er sie angerufen und sich danach nie wieder gemeldet.

"Anpassungsfähige und unverwüstliche" Terrorgruppe

Unabhängig von der Rolle Shukrijumahs hält die US-Regierung al-Qaida weiterhin für die gefährlichste Terrorgruppe. Der Qaida-Kern in Pakistan sei eine "anpassungsfähige und unverwüstliche" Organisation, sagte der Anti-Terror-Koordinator des US-Außenministeriums, Daniel Benjamin, am Donnerstag bei der Vorstellung des Terrorismusberichts für das Jahr 2009.

Der Wille von al-Qaida, die USA oder amerikanische Interessen im Ausland zu attackieren, sei nach wie vor sehr stark, sagte Benjamin. Das Terrornetzwerk könne dabei auch auf Mitstreiter aus Europa und Nordamerika zählen. "Die Vermutung, dass Amerikaner eine besondere Immunität gegen al-Qaida haben, ist widerlegt", sagte Benjamin. Auch wenn die Tendenz zur Radikalisierung in den USA weniger stark sei als in anderen westlichen Staaten, hätten einige aufsehenerregende Fälle gezeigt, dass hier besondere Vorsicht nötig sei. Einige US-Bürger hätten sich dem Terrornetzwerk und seinen Verbündeten in Pakistan oder Somalia angeschlossen.

Dem Bericht zufolge musste al-Qaida aber 2009 erhebliche Rückschläge hinnehmen. Mehrere Anführer des Netzwerks seien getötet worden. Zudem falle es al-Qaida zunehmend schwerer, Gelder aufzubringen, Kämpfer auszubilden und Anschläge zu planen. Auch die pakistanische Militäroffensive gegen aufständische Taliban in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan setze dem radikalislamischen Terrornetzwerk zu.

Dafür sei die Bedrohung durch al-Qaida "diffuser" geworden, heißt es in dem Bericht. Dies wiege die Verluste, die der Kern des Netzwerks erlitten habe, teilweise wieder auf. In islamisch geprägten Ländern, in denen auch viele Muslime Anschlägen des Terrornetzwerks zum Opfer fallen, sei allerdings eine vermehrte "Abneigung" gegen al-Qaida festzustellen. Die Zahl religiöser Führer und ehemaliger Aufständischer, die sich gegen das Terrornetzwerk stellen, habe zugenommen, heißt es in dem Bericht weiter.

Als größten Förderer des internationalen Terrorismus sehen die USA nach wie vor Iran, das die USA beschuldigen, unter anderem die Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon und die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas zu unterstützen. Auch Syrien, Kuba und der Sudan finden sich wie im Vorjahr auf der schwarzen Liste der Terror-Unterstützer. Nordkorea, das im Jahr 2008 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush von der Liste gestrichen worden war, wird hingegen weiterhin von den USA nicht auf der Liste der Unterstützer des internationalen Terrorismus geführt.

hen/AFP



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hirn_einschalten 06.08.2010
1. Neue Aufgabe für TF 373
Freue mich schon auf die flammenden Anklagen gegen Amerika durch gewisse Foristen, wenn dieser Terrorist neutralisiert wurde.
wika 06.08.2010
2. Schön, ist das der Auftakt?
Werden wir jetzt erleben wie das *Programm "Capture or Kill" seine Heimreise* (http://qpress.de/2010/07/27/praventivtoetung/) antritt und jetzt in den heimischen Gefilden das Böse ausradiert, oder wie soll man den Hinweis verstehen. Es ist doch neben der Spur, selbst wenn dieser Mann 15 Jahre dort lebt, ihm geheime Kenntnisse von amerikanischen Lebensumständen anzudichten, die geeignet wären die USA hinter den eigenen Linien tödlich oder empfindlich zu treffen. Ich sehe dies einmal mehr als propagandistische Maßnahme die Zügel im eigenen Lande weiter anzuziehen, worunter letztlich die Amerikaner als solches zu leiden haben werden und nicht ein Paar extra-terroristische Exoten die sich … wenn sie die wären für die sie gehalten werden … schneller aus dem Staub machten als sie gesichtet werden könnten. Öffentlich aufgebauschte Phobie zur Erzeugung von Angst nennt man das.
KurtFolkert 06.08.2010
3. ...
ob schon weiß, dass er die neue Nummer 1 ist? So hat das FBI aber wenigstens wieder was zu tun :)
sirdoom, 06.08.2010
4. Genau
Beweise außer Aussage angeblicher US-Experten und Geheimdienste = 0 Und in wie weit man Aussagen amerikanischer Geheimdienste und des US-Militärs trauen kann sollte ja mittlerweile bekannt sein. Nebenbei, wo sind nochmal die Massenvernichtungswaffen im Irak? Putin war wenigsten ehrlich und meinte er hätte auf jeden Fall welche gefunden...
wika 06.08.2010
5. Könnte auch dumm laufen…
Zitat von hirn_einschaltenFreue mich schon auf die flammenden Anklagen gegen Amerika durch gewisse Foristen, wenn dieser Terrorist neutralisiert wurde.
Können sie auch gleich haben *g* … denn was, wenn sich nach seiner Liquidierung herausstellt, dass es der Nachbar war der ihn auf die Liste brachte, der scharf auf den Vorgarten dieses Terroristen war? Macht aber nix, dass ist halt Rechtsstaat im Wandel, gelle. Und was in Afghanistan geht muss ja auch Zuhause gehen, sollte ja hinreichend erprobt sein. Entscheidend ist nur, dass der Bürger diese neue Norm endlich in sein Hirn bekommt und sich nicht dagegen wehrt. Und denken sie daran, wir haben allein in der BRD gut 82 Mio. Schläfer, was für eine Herausforderung! Also hirn_ausschalten!
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