Terrorismus Islamische Dschihad-Union droht mit Anschlägen außerhalb Deutschlands

Von Yassin Musharbash und

2. Teil: Frage nach den Hinterleuten bleibt offen


Die beiden Verdächtigen, damals nur unter den Aliasnamen "Muaz" und "Zafer" bekannt, entpuppten sich schließlich als Zafer S., ein 23-jähriger Deutsch-Türke aus Neunkirchen im Saarland, und Attila S., ein 22-Jähriger mit deutschem Pass aus Ulm in Baden-Württemberg. Beide Männer sind mittlerweile in die Türkei ausgereist. Umfangreiche Recherchen führten die Fahnder aber im Winter 2006 auch zu der in der vergangenen Woche ausgehobenen Zelle. Vor allem eine vermutliche Ausspähfahrt rund um eine US-Kaserne in Hanau hatte die deutschen Geheimdienste elektrisiert.

Fortan recherchierten sie mit massivem Personalaufwand hinter der Gruppe her und überwachten jeden Schritt der Verdächtigen. Dabei verfolgten sie mehr oder weniger live mit, wie die Verdächtigen zwölf Fässer Wasserstoffperoxid kauften und diese in einer Garage versteckten. Als durch eine Panne eine Polizeikontrolle die Männer nervös machte und sie sich ein neues Versteck suchen wollten, griffen die Fahnder am vergangenen Dienstagnachmittag zu. Seitdem fragen sich die Ermittler, ob sie tatsächlich die ganze Zelle oder nur einen Teil eines größeren Netzwerks aufgedeckt haben. Abseits der öffentlichen Entwarnung jedenfalls ermitteln die Behörden intensiv weiter an dem Fall.

Wer sind die Hinterleute?

Es sind vor allem die Hintermänner, die die Fahnder brennend interessieren. Auch wenn sie viele E-Mails lesen konnten, die die nun festgenommenen Verdächtigen nach Pakistan schickten, kennen sie von den Empfängern wiederum nur die Alias-Namen: "Sule" oder "Suley" und "Jaf". Beide gelten in den Akten über das Verfahren 2 BJs 20/07-4 der Bundesanwaltschaft als Beschuldigte - allerdings mit dem Zusatz "weitere Personalien unbekannt". Prinzipiell ist noch nicht mal klar, ob es eine oder zwei Personen sind.

Klar ist jedoch, dass die beiden Empfänger und Verfasser der E-Mails aus Deutschland codiert über den Anschlagsplan mit der Zelle kommunizierten. Mal fragten die Verfasser aus Pakistan in Deutschland an, ob "das Geschenk" schon angekommen sei, dann wurde ein "Praktikant" avisiert. Was genau gemeint war, ist bis heute nicht genau klar. Als sich aber im Sommer 2007 bei dem Hauptverdächtigen Fritz G. ein Anrufer (vermutlich ebenfalls von der Islamischen Dschihad Union) meldete und Druck machte, wurden die Fahnder nervös. Anschläge standen kurz bevor, nichts anderes konnte man annehmen.

Von wem das heute aufgetauchte IJU-Schreiben verfasst wurde, ist unterdessen unklar. Es gilt als durchaus möglich, dass sich Propagandisten der Gruppe für die Planungen rühmen wollten. Vielleicht stecken aber auch die mutmaßlichen Hintermänner dahinter.

Keine Worte über drohende Attentate in Deutschland

Das Schreiben auf der Internetseite enthält keine Angaben über Anschlagsplanungen in Deutschland, die nicht schon aus den Medien bekannt wären. Solches mögliche Täterwissen hätte die Authentizität des Schreibens belegen können. Gleichwohl gehen die Experten davon aus, dass das Schreiben echt ist - das teilte das Innenministerium mit. Für das Ministerium ist der Fund eine Bestätigung, dass die Rechercheinstrumente der Behörden funktionieren.

Mit keinem Wort wird in dem Schreiben auf eine weitere Zelle oder drohende Anschläge in Deutschland verwiesen. Auch wenn die Behörden weiter nicht sicher sind, ob es andere, bisher unentdeckte Gruppen von Attentätern in Deutschland gibt, beruhigte diese Nachricht zumindest ein bisschen. Allerdings machte das Innenministerium klar, dass es immer noch eine erhöhte abstrakte Gefahr für Deutschland sieht, und rief zur Wachsamkeit auf.



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