Terrorismus Islamist aus Deutschland in Afghanistan festgenommen

Er soll Kontakte zur Terrorgruppe al-Qaida unterhalten: In Afghanistan ist ein Islamist aus Deutschland festgesetzt worden. Mehrere Extremisten wurden bei der Kommandoaktion in der Provinz Zabul getötet - der Festgenommene gilt nun als wichtiger Informant.
Isaf-Soldaten im afghanischen Kandahar (Archivbild): Jagd auf eingeschleuste Extremisten

Isaf-Soldaten im afghanischen Kandahar (Archivbild): Jagd auf eingeschleuste Extremisten

Foto: Allauddin Khan/ AP

Berlin - Internationale und afghanische Spezialkräfte in Südafghanistan haben nach Angaben der Schutztruppe Isaf einen Marokkaner aus Deutschland festgenommen, der Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida haben soll.

Einer kurzen Mitteilung der Isaf zufolge wurde der Islamist bereits am 8. Mai bei einer Kommandoaktion in der Provinz Zabul festgenommen. Seitdem sagt er in Vernehmungen über seine Kontakte zu radikalen Kämpfern und auch zu seinem Reiseweg aus Deutschland aus.

Bei dem Zugriff wurden laut der Mitteilung zehn weitere Kämpfer getötet, später fanden die Soldaten bei den Leichen Pässe aus Frankreich, Pakistan und Saudi-Arabien. Den Mann aus Deutschland nennt die Mitteilung einen ausländischen Kämpfer der Qaida, weitere Details über seine Verbindungen wurden nicht mitgeteilt.

Auch nähere Informationen, um wen es sich bei dem Festgenommenen handelt, gab es zunächst nicht. In der Isaf-Mitteilung heißt es lediglich, der Islamist sei über Iran in das Krisengebiet nach Afghanistan gereist. Diese Route ist deutschen Ermittlern durchaus von anderen Islamisten bekannt, die sich aus Deutschland ins Kampfgebiet aufgemacht hatten.

Das Auswärtige Amt (AA) teilte nach Erscheinen der Isaf-Meldung mit, man gehe den Hinweisen nach. Allerdings, das bestätigten auch Sicherheitskreise in Berlin, habe der Festgenommene keinen deutschen Pass. Er habe vor Jahren in Deutschland gewohnt, sei aber dann nach Aufforderung durch die Behörden ausgereist. Gleichwohl prüfen die Fahnder nach der Festnahme, ob sie von der Isaf nähere Informationen über den Fall bekommen können, die für deutsche Ermittlungen relevant sein können.

Die afghanischen Behörden hatten nach eigenen Angaben keine Kenntnis von der Kommandoaktion. "Der Zugriff erfolgte durch Spezialeinheiten der US-Armee, sie haben uns weder vorher noch nachher informiert", sagte der stellvertretende Provinzgouverneur Mohammed Jan Rassuli SPIEGEL ONLINE. Seinen Erkenntnissen nach zielte die Operation auf mehrere Qaida-Kämpfer die von Pakistan nach Afghanistan reisen wollten, um sich dort den Taliban anzuschließen.

Bei dem Angriff auf die Gruppe seien mehrere Pakistaner, aber auch ein Kämpfer mit einem französischem Pass getötet worden, sagte der Gouverneurs-Vize weiter. Von dem Islamisten aus Deutschland hatte er keine Informationen. Das Auswärtige Amt hatte zunächst ebenfalls keine Informationen über den Festgenommenen.

Der Deutsche ist eine wichtige Quelle

Der Festgenommene gab laut Isaf an, dass er während seiner Reise durch Iran, wo Mittelsmänner die Kampfwilligen aus Europa in Richtung Afghanistan oder Pakistan schleusen, als Selbstmordattentäter rekrutiert werden sollte. Dies jedoch habe er abgelehnt, da er im globalen Dschihad kämpfen wollte.

Die Festnahme belegt die Sorge von Ermittlern, dass Islamisten aus Deutschland verstärkt nach Afghanistan und Pakistan reisen, um dort zu kämpfen oder sich in Terror-Lagern ausbilden zu lassen. In der jüngsten Vergangenheit waren immer wieder Islamisten auf dem Weg ins Kampfgebiet oder in Pakistan festgenommen worden. Mehrere der Islamisten kehrten auch nach Deutschland zurück und werden hierzulande intensiv von den Behörden beobachtet.

Die Ermittler der Isaf halten den nun festgenommenen Mann mit Deutschlandbezug offenbar für eine wichtige Quelle für weitere Recherchen. Zum einen, so die Mitteilung der Truppe, gebe er während seiner Aussagen Hinweise auf die Rolle Pakistans bei der Schleusung von Kämpfern nach Afghanistan, zudem könne er über weitere feindliche Kämpfer aussagen.

Demnach habe der Mann ausgesagt, er habe in Pakistan viele Ausländer aus verschiedenen Ländern beobachtet, die sich in Pakistan getroffen hätten, um Attacken auf die internationalen Truppen in Afghanistan auszuführen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es in der Überschrift, der in Afghanistan festgenommene Islamist sei mit deutschem Pass gereist. Diese Information ist nicht zutreffend und ist aufgrund eines Redigierfehlers entstanden. Laut Auswärtigem Amt handelt es sich bei dem Mann um einen Marokkaner, der in Deutschland lebte. Einen deutschen Pass hat er nach Auskunft der Behörden nicht gehabt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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