Kampf gegen Terroristen Obama will auch künftig Spezialeinsätze durchführen

US-Präsident Obama hat für die Zukunft weitere Einsätze von US-Spezialeinheiten gegen Terroristen angekündigt. Die jüngsten Aktionen verteidigte er gegen die Kritik aus Libyen. Die Regierung in Tripolis fordert die sofortige Auslieferung des Qaida-Kommandeurs al-Libi.

Barack Obama: "Wo es aktive Terrorkomplotte gibt, werden wir gegen sie vorgehen"
REUTERS

Barack Obama: "Wo es aktive Terrorkomplotte gibt, werden wir gegen sie vorgehen"


Washington - US-Präsident Barack Obama hat diejüngsten Einsätze amerikanischer Spezialeinheiten gegen Terroristen in Libyen und Somalia verteidigt. Zugleich machte er klar, dass auch künftig derartige Militäroperationen möglich seien - so lange, wie es Bedrohungen gegen die USA gebe. "Wo es aktive Terrorkomplotte und aktive Netzwerke gibt, werden wir gegen sie vorgehen", sagte Obama am Dienstag (Ortszeit) mit Blick auf Terroristen und andere radikale Kräfte, die eine Gefahr für die USA darstellten.

US-Eliteeinheiten hatten am Wochenende in Tripolis den seit langem als Top-Terroristen gesuchten Abu Anas al-Libi gefangen genommen. Eine ähnliche Aktion gegen einen mutmaßlichen Top-Terrorplaner der Al-Shabaab-Miliz in Somalia scheiterte.

Die libysche Regierung ist verärgert über die Festnahme Libis. Erst äußerte Libyens Regierung nur zögerlichen Protest, nun verschärft Tripolis den Ton gegenüber Washington. Ministerpräsident Ali Seidan pocht darauf, dass die USA den Qaida-Kommandeur umgehend ausliefern. Eine Spezialeinheit der US-Armee hatte den 49-Jährigen am Samstag in seiner Heimatstadt Tripolis gefangengenommen.

Der libysche Regierungschef verurteilte die Kommandoaktion der Amerikaner als Entführung und beteuerte am Dienstag erneut, dass er in das Vorgehen der USA nicht eingeweiht gewesen sei. Seidan verlangte, Libi der libyschen Justiz zu überstellen. "Wir bestehen darauf, dass libysche Staatsangehörige in Libyen vor Gericht gestellt werden, und Libyen wird seine Bürger nicht für Prozesse in andere Länder ausliefern."

Der libysche Kongress schloss sich dem Appell an und verurteilte die US-Aktion als "frappierende Verletzung der Souveränität" des Landes. Der libyschen Regierung und der Familie Libis müsse es ermöglicht werden, Kontakt zu dem Festgenommenen aufzunehmen. Libi brauche darüber hinaus Zugang zu einem Rechtsanwalt, hieß es in einer Erklärung.

US-Geheimdienste hoffen auf Informationen von Libi

Derzeit hält das US-Militär den Qaida-Mann auf dem Marineschiff USS "San Antonio" im Mittelmeer fest. Anschließend dürfte er nach New York gebracht werden, wo ihn ein Prozess vor einem US-Bundesgericht erwartet.

Die Geheimdienste erhoffen sich von dem Mann Informationen über das Innenleben der Terrororganisation. Libi zählte seit Anfang der neunziger Jahre zum Kreis der engsten Vertrauten von Qaida-Chef Osama Bin Laden. Die USA werfen Libi die Beteiligung an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 mit mehr als 200 Toten vor.

ler/dpa



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zirbeldrüse 09.10.2013
1. optional
Dem Obama gefallen diese Spezialkräfte wohl ganz gut, kann man nachvollziehen, haben diese doch als einzige in Afghanistan nennenswerte Erfolge gehabt und bei den Taliban-Kommandeuren für Angst und Schrecken gesorgt. Sind ja auch ein prima Werkzeug für den Präsidenten, kein Kongress keine Überwachung. Nach etlichen Anlaufschwierigkeiten seit den 70ern sind die wohl mittlerweile ziemlich gut aufgestellt, diese Entwicklung wird beim deutschen KSK wohl noch 100 Jahre brauchen, wenn man die beim ersten Fehlschlag nicht gleich wieder einstampft.
kogno 09.10.2013
2. Obamas geheimer Weltrieg
Zitat von sysopREUTERSUS-Präsident Obama hat für die Zukunft weitere Einsätze von US-Spezialeinheiten gegen Terroristen angekündigt. Die jüngsten Aktionen verteidigte er gegen die Kritik aus Libyen. Die Regierung in Tripolis fordert die sofortige Auslieferung des Qaida-Kommandeurs al-Libi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/terrorismus-obama-will-auch-kuenftig-spezialeinsaetze-durchfuehren-a-926848.html
Nur wenige solcher Einsätze der US Special Operation Forces werden bekannt, bei denen die US-Soldaten nicht nur kidnappen, sondern auch töten. Auch von vielen Tötungen durch Drohnen oder durch herkömmliche Bombardierungen erfahren wir nur in Ausnahmefällen. Tag für Tag und Nacht für Nacht finden weltweit hunderte solcher Einsätze statt. Siehe dazu: Jeremy Scahill: Dirty Wars. Die libysche Regierung mag noch so sehr gegen die Verletzung der libyschen Souveränität und der libyschen Gesetze durch die USA protestieren, für die US-Regierung sind nur US-Gesetze ma8gebend, selbst in anderen Ländern.
pikeaway 09.10.2013
3. Wie selektiv handelt Obama?
Zitat von kognoNur wenige solcher Einsätze der US Special Operation Forces werden bekannt, bei denen die US-Soldaten nicht nur kidnappen, sondern auch töten. Auch von vielen Tötungen durch Drohnen oder durch herkömmliche Bombardierungen erfahren wir nur in Ausnahmefällen. Tag für Tag und Nacht für Nacht finden weltweit hunderte solcher Einsätze statt. Siehe dazu: Jeremy Scahill: Dirty Wars. Die libysche Regierung mag noch so sehr gegen die Verletzung der libyschen Souveränität und der libyschen Gesetze durch die USA protestieren, für die US-Regierung sind nur US-Gesetze ma8gebend, selbst in anderen Ländern.
Wenn man den Ausspruch von Obama "Wo es aktive Terrorkomplotte und aktive Netzwerke gibt, werden wir gegen sie vorgehen", ernst nehmen wollte, dann müsste er wohl auch gegen das zur Zeit aktivste Netzwerk, gegen AlKaida in Syrien vorgehen. Formal wurde die Gruppe zwar mit Sanktionen belegt, de facto wird sie unter dem Stichwort "Rebellen" toleriert. Zumindest viele Pressemitteilungen erwecken diesen Eindruck, wobei eine der wenigen Ausnahmen die etwas differenziertere Berichterstattung im Spiegel zu werden scheint. Hier eine Auswertung/ über Suchfunktion der Beiträge in Zeit- Online" Stichwort Rebellen, eingeengt wie folgt: Zum Thema "Syrien, Rebellen": 776 Beiträge "Syrien, Rebellen, Opposition": 385 Beiträge ""Syrien, Rebellen, nationale Koalition": 50 Beiträge Syrien AlKaida: 10 Beiträge "Syrien, Rebellen, Al Kaida": 2 Beiträge Frage: hat Obama möglicherweise auch für die Bekämpfung von Terrornetzwerken eine "Rote Linie" festgelegt?
kaynchill 09.10.2013
4. Da muss man mal drüber nachdenken!
Ein Land schickt militärische Spezialeinheiten in andere Länder und entführt, foltert und tötet deren Bürger. Gerechtfertigt wird das nur durch Bebauptungen jemand sei Terrorist. Das kann jedem passieren und man hat keine Chance etwas dagegen zu tun. Ich halte diese Aktionen für eine sehr große Gefahr. Wer hält die davon ab harmlose Touristen zu entführen oder einfach mal hier bei uns jemanden mitzunehmen?
Papst01 09.10.2013
5. Killerkommandos
Sorry aber ich mag die verhamlosende Beschreibung in den westlichen Medien nicht. "Einsätze von US-Spezialeinheiten gegen Terroristen" - allein diese Verharmlosung ist unverschähmt. Man stelle sich vor irgendein Dritte-Welt-Land schickt seine Spezialeinheiten los um in der westlichen Welt einfach mal Verdächtige zu kidnappen oder gleich zu töten. Die Medien würden zeter und mordio schreien und diese Killerkommandos ächten wollen. Hey aber nicht die USA, die sind ein Rechtsstaat - klar! Da wird neutral drüber berichtet - es gibt nichts zu sehen, gehen sie weiter.
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