Terrorismus USA setzen Prozess in Guantanamo fort

Im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Leibwächter von Osama Bin Laden begonnen. Andere Verfahren gegen Häftlinge waren vom Obersten Gerichtshof der USA gestoppt worden.


Guantanamo - Der angeklagte Jemenit Ali Hamsa al-Bahlul bezweifelte die Autorität des Militärgerichts und kündigte an, den Prozess zu boykottieren. Der von zwei Wächtern vorgeführte Bahlul lehnte das Gericht und auch die Bestellung eines Pflichtverteidigers ab. "Es wird ein Tribunal Gottes geben am Tag des Jüngsten Gerichts", sagte Bahlul, der nun sich selbst verteidigen will. Er warf den US-Behörden vor, in Guantanamo Häftlinge ausgepeitscht und gefoltert zu haben.

Ihm wird vorgeworfen, Leibwächter Bin Ladens gewesen zu sein und Videoaufnahmen für al-Qaida gemacht zu haben. Bei einer früheren Anhörung hatte er seine Zugehörigkeit zu der Terrororganisation zugegeben.

Später sollte auch noch das Verfahren gegen den Kanadier Omar Khadr beginnen. Ihm wird vorgeworfen, im Alter von 15 Jahren während eines Gefechts um ein mutmaßliches al-Qaida-Lager in Afghanistan einen US-Militärarzt getötet zu haben. Beiden Häftlingen droht lebenslange Haft.

Andere Verfahren gegen Guantanamo-Häftlinge wurden vom Obersten Gerichtshof der USA gestoppt. Er prüft derzeit, ob Präsident George W. Bush das Recht hatte, die Militärtribunale einzurichten. In dem vor vier Jahren gegründeten Lager werden rund 500 Terror-Verdächtige festgehalten.

Nach den Anschlägen am 11. September 2001 hatte Bush den Militärgerichten die Zuständigkeit für die Verfahren gegen ausländische Terror-Verdächtige zuerkannt. Im November äußerte das Oberste Gericht jedoch Zweifel an Bushs Recht, dies zu tun.



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