Terroristen-Steckbriefe Uno und Interpol suchen US-Geisterhäftling Binalshibh

Interpol hat erstmals einen Steckbrief in Zusammenarbeit mit der Uno herausgegeben. Gesucht werden neben den Qaida-Anführern Sarkawi und Sayed auch Ramzi Binalshibh und Lionel Dumont. Binalshibh sitzt längst in US-Gewahrsam. Dumont wird in Frankreich der Prozess gemacht.


Lyon - Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat erstmals "Steckbriefe" zu Terrorverdächtigen im Auftrag der Vereinten Nationen veröffentlicht. Die sogenannten "Spezialhinweise" des Uno-Sicherheitsrates beziehen sich auf mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida und Taliban-Kämpfer, wie Interpol am Dienstagabend im französischen Lyon mitteilte. Darin werden die 184 Interpol-Staaten aufgefordert, den Verbleib der Verdächtigen umgehend zu melden, damit beschlossene Uno-Sanktionen in Kraft gesetzt werden können. Unter den ersten vier Genannten ist auch der jordanische Extremistenführer Abu Mussab al-Sarkawi (Achmed al-Khalayleh), der als Kopf der Aufständischen im Irak gilt.

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Interpol hatte bisher Suchaufrufe nur auf Anfrage nationaler Behörden herausgegeben. Mit der jüngst beschlossenen stärkeren Verzahnung von Interpol und Uno bekamen die Vereinten Nationen die Möglichkeit, eigene Aufrufe herausgeben zu lassen. Insgesamt hat die Uno bereits 300 Menschen auf eine eigene Sanktionsliste gesetzt. Die Organisation arbeitet nun mit Interpol zusammen, um nach und nach entsprechende "Steckbriefe" zu erstellen. Ziel ist es, Uno-Sanktionen gegen die Betroffenen in Kraft zu setzen. Diese umfassen das Einfrieren von persönlichen Guthaben sowie das Verbot der Ein- oder Durchreise in Uno-Mitgliedsstaaten und Waffenkäufe.

"Ich glaube, dass die bloße Tatsache, dass diese Hinweise veröffentlicht werden, eine bedeutende Wirkung auf die Bewegung von Terrorverdächtigen über internationale Grenzen haben wird", erklärte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble. "Dies wird es weniger wahrscheinlich machen, dass sie Finanzgeschäfte abschließen oder Waffen kaufen können."

Dabei sind nicht nur Verdächtige betroffen, die noch nicht gefasst wurden. So wurde auch ein Spezialhinweis für Ramzi Binalshibh herausgegeben, der von den USA festgehalten wird und dessen Aussage im Hamburger Terrorprozess gegen Mounir al-Motassadeq eine Schlüsselrolle spielte. Binalshibh gehört nach Angaben von Human Rights Watch zu jenen Gefangenen, die zwischenzeitlich in Polen festgehalten worden sein sollen. Dem aus dem Jemen stammenden Mann wird vorgeworfen, maßgeblich an den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligt gewesen zu sein.

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Terror-Häftlinge: Die Geistergefangenen der USA

Zudem wurde auch ein Aufruf für den aus Frankreich stammenden muslimischen Bosnien-Kämpfer Lionel Dumont ausgestellt. Er muss sich seit dieser Woche vor einem nordfranzösischen Geschworenengericht wegen nach seiner Rückkehr begangener Raubüberfälle und einem fehlgeschlagenen Anschlag verantworten. Vierter Genannter ist der Ägypter Tariq Anwar al-Sayed, der al-Qaida zugerechnet wird.

Obwohl Binalshibh und Dumont bereits festgenommen sind, erscheinen sie dennoch auf dem Steckbrief. In der Interpol-Zentrale in Lyon begründet man dies damit, dass die beiden noch nicht verurteilt wurden. So lange gelten sie als Gesuchte. Binalshibh wurde im September 2002 in Pakistan verhaftet und den US-Behörden übergeben. Seitdem ist er spurlos verschwunden.

Interpol verwies darauf, dass die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen seit dem vergangenen Jahr deutlich intensiviert wurde. Demnach eröffnete die Polizeiorganisation im November 2004 ein eigenes Büro am Uno-Sitz in New York und ernannte als Sondergesandten den ehemaligen BKA-Chef Ulrich Kersten. Zudem seien Interpol-Beamte jüngst auch an den Uno-Befragungen in Beirut zum Mord an dem ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri beteiligt gewesen.

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