Terroristenjagd Reist Bin Laden im Krankenwagen?

Journalisten-Legende Bob Woodward von der "Washington Post" will wissen, wie sich Osama Bin Laden den Amerikanern entzieht: Beim ständigen Ortswechsel benutze er zur Tarnung einen Krankenwagen.

Washington - Woodward beruft sich auf US-Geheimdienstberichte. Bin Laden sei mit einer kleinen Gruppe von rund 25 Sympathisanten unterwegs und verbringe die Nächte oft in Höhlen, heißt es in dem Beitrag von Pulitzer-Preisträger Woodward, der zur Aufklärung der Watergate-Affäre maßgeblich beigetragen hatte. "Das ist, als wenn man einen bestimmten Hasen im ganzen Bundesstaat von West Virginia jagen will", sagte ein US-Beamter der "Post".

Die US-Geheimdienste hätten Hinweise, dass Bin Laden sich mit Frauen und Kindern umgebe. Damit erhöhe sich das Risiko, dass Unschuldige ums Leben kommen, sollten die USA einen Angriff auf den Terroristenführer versuchen.

Der CIA hätte neuartige - und auch mit Risiken behaftete - Methoden entwickelt, die es erlaubten, den Aufenthaltsort Bin Ladens festzustellen. "Das Problem ist", wird ein Beamter zitiert, "dass wir viel einfacher herausbekommen, wo er war als wo er sein wird". Der US-Geheimdienst habe ein Haus ausgemacht, das Bin Laden jedoch nicht mehr nutze. Satellitenaufnahmen stellten selbst erfahrene Auswerter vor äußerst schwierige Aufgaben: "Ein Berg sieht in Afghanistan aus wie jeder andere", sagte ein höherer Beamter.

Der CIA habe - wenn überhaupt - nur wenige Ansprechpartner, die als Informationsquelle dienen könnten. Nachrichten, die aus irgendwelchen Stämmen und Gruppierungen durchsickerten, seien in der Regel nicht sehr verlässlich, schreibt die "Post". "Afghanistan ist ein trügerisches Land mit verräterischen Leuten, die Loyalitäten kaufen und verkaufen", sagte ein Beamter.

"Bin Laden besitzt und bestimmt die Taliban"

Das Taliban-Regime stehe bei Bin Laden tief in der Schuld, berichtete die Zeitung. Der gebürtige Saudi soll die Taliban in den vergangenen fünf Jahren mit rund hundert Millionen Dollar (216 Millionen Mark) unterstützt haben.

Daher habe Bin Laden und seine al-Qaida-Truppe bestimmenden Einfluss in Afghanistan. Der Gesuchte und seine Leute unterstützten das Taliban-Regime auch militärisch mit ihren "effektivsten Todesschwadronen", so das Ergebnis angeblich neuer Geheimdienstinformationen. Bin Laden habe den Taliban Ausrüstung zur Verfügung gestellt und Taliban-Kämpfer ausgebildet. Einige seiner besten Kämpfer habe er für den Krieg gegen die Nordallianz zur Verfügung gestellt.

Mehrere Millionen Dollar, die die Taliban in den vergangenen Jahren erhielten, seien eindeutig zu Konten und Unternehmen von Osama Bin Laden und seinem Terrornetzwerk al-Qaida zurückverfolgt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienste.

Das Geld stamme nicht aus Bin Ladens persönlichem Vermögen, sondern aus seinen Unternehmen sowie aus Spenden, die als Wohltätigkeitsorganisationen getarnte Gruppen in aller Welt sammelten und aus Erpressungen. Neben Firmen und Einzelpersonen zahlten auch Regierungen einiger Golfstaaten an al-Qaida, um deren Aktivitäten auf ihrem Territorium einzuschränken.

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