Terrornetzwerk Wie die Atommafia Osama Bin Laden leimte

Viel Geld für nutzlose Materialien: Terroristenchef Osama Bin Laden ist beim Kauf von Nuklearmaterial offenbar gewieften Schwindlern auf den Leim gegangen.


Kein glückliches Händchen beim Kauf von Atommaterial: Osama Bin Laden
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Kein glückliches Händchen beim Kauf von Atommaterial: Osama Bin Laden

New York - US-Stellen geben Entwarnung: Osama Bin Laden hat nach Erkenntnissen amerikanischer Stellen offenbar keinen Zugang zu nuklearem Material gehabt, der ihm den Bau einer Atomwaffe ermöglicht hätte.

Verdächtige radioaktive Substanzen, die in Afghanistan beschlagnahmt und anschließend überprüft wurden, hätten keine Anzeichen dafür ergeben. Die Untersuchung von Kanistern, Computern und Dokumenten habe ergeben, dass Bin Laden und sein Terrornetzwerk al-Qaida offenbar von Schwarzmarkt-Schwindlern übers Ohr gehauen wurden, berichtet die "New York Times". Diese hätten den Terroristen primitive Container angedreht, die handbemalt mit Totenschädeln und Knochen verziert waren und möglicherweise in medizinischen Abfall getaucht wurden, um Geigerzähler zum Ausschlag zu bringen.

Insgesamt seien mehr als 110 Regierungsgebäude, Militärlager, Terror-Camps, Lagerhäuser und Höhlen nach Anzeichen für Terrorpläne und die Entwicklung von Waffen daraufhin untersucht worden, ob Bin Laden seinen Wunsch nach Besitz von nuklearem Material zum Bombenbau verwirklichen konnte, berichtet die Zeitung. Drei Container mit Besorgnis erregendem Material seien nach Amerika gebracht worden, um sie dort von Nuklearwissenschaftlern eingehend untersuchen zu lassen.

Die Experten fanden der Zeitung zufolge aber keine nennenswerten Mengen an radioaktiven Stoffen. "Das Material war nicht das Wahre", so ein Pentagon-Sprecher. "Sie wurden hereingelegt - wie viele andere Leute auch." "Zur Herstellung einer Waffe war das Zeug wertlos", betonte ein anderer Regierungsbeamter.

Zu den Kanistern hieß es, es sei erstaunlich, dass ein Mann wie Bin Laden darauf habe hereinfallen können. So seien die Wände der Behälter so dünn gewesen, dass jede Person nach direktem Kontakt total verseucht gewesen wäre, hätte es sich um "echtes" Material gehandelt.



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